Kultur und Wein

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Schikaneder Ensemble © VBW / Deen van Meer 2016

„Schikaneder“ als musicalgerechtes Leben eines Bühnenstars

Mark Seibert (Emanuel Schikaneder)mit Ensemble © VBW / Deen van Meer 2016

Träume groß und schreibe für Mozart einen Operntext!

Der Name Emanuel Schikaneder ist der Musikwelt erhalten geblieben, weil er das Libretto zur wohl beliebtesten Oper von Wolfgang Amadeus Mozart verfasst hat. Alles andere, was dieser zu seiner Zeit möglicherweise sehr populäre Theatermann geschaffen hat, ist der gnädigen Vergessenheit anheimgefallen. Zugegeben, „Die Zauberflöte“ ist ein Geniestreich und zählt zum Geheimnisvollsten, was in diesem Genre je erdacht wurde. Es sollte genügen, war man der Meinung, um Schikaneder wieder vor den Vorhang zu holen, am besten, indem man ihn zum Helden eines Musicals macht. Aber was lässt man ihn erzählen? Wie er mit Mozart an der Oper gearbeitet hat? Wie er immer tiefer in die Gedankenwelt der Freimaurerei eingedrungen ist? Wie es zu Tamino, Pamina, Papageno und Papagena oder Sarastro gekommen ist? Denn abgesehen von seinem regen Liebesleben, das er neben seiner Ehe mit Eleonore führte und seinen Versuchen, endlich ein eigenes festes Theater zu führen, findet sich nur wenig, das für eine abendfüllende Story genügend Stoff hergeben könnte.

 Milica Jovanovic  (Eleonore Schikaneder) © VBW / Deen van Meer 2016

Für die Umsetzung dieses Vorhabens wurden keine Kosten und Mühen gescheut und von den VBW (Vereinigte Bühnen Wiens) ein internationales Team von renommierten Kreativen aus London und New York gewonnen. Profis für Erfolgsproduktionen wie der dreifache Oscar-, dreifache Grammy- und Golden Globe-Preisträger Stephan Schwartz (Musik, Liedtexte) oder der dreifache Tony-Preisträger Sir Trevor Nunn machten sich also ans Werk, um Mozarts Librettisten zum anziehenden Bühnenstar der 1780er-Jahre zu formen. Es konnte also nichts mehr schiefgehen und der momentane Erfolg der Produktion im Raimundtheater gibt den Musical-Machern Recht.

Katie Hall (Maria Anna Miller), Mark Seibert (Schikaneder) © VBW / Deen van Meer 2016

So mündet der Schlussapplaus sogar in den Folgevorstellungen noch in Standing Ovations, allerdings ohne dass die Zuschauer bemerken, dass ihre Begeisterung möglicherweise vom pompösen Schlusschor aus der Zauberflöte ausgelöst wurde. Denn während des gesamten Stückes, das gut um ein Drittel gekürzt werden könnte, hat man vergeblich darauf gewartet, den großen Fragen um das Hauptwerk von Schikaneder zu begegnen. Stattdessen wird man mit Liebesgeschichten bedient, die viel zu seicht sind, um Emotionen zu erzeugen.

Die einzige Stelle, an der es einen wirklich packt, sind die paar Takte Mozart, die den kindischen Streit der Theatertruppe über die Qualität der neuen Oper schlagartig beenden.

 

Die Darsteller machen ihre Sache durchwegs gut. Hardy Rudolz ist sowohl ein warmherziger Prinzipal Franz Moser als auch ein liebenswert hilfloser Financier Josef von Bauernfeld. Reinwald Kranner darf als böser, böser Theaterdirektor Karl Marinelli immer wieder versuchen, sich die Konkurrenz vom Halse zu schaffen, was er natürlich im Sinn des Happy Ends nicht schafft, aber sehenswert immer wieder probiert.

Katie Hall hat eine wundervolle Stimme und lässt sie vergnüglich als Maria Anna Miller, die reizend naive Geliebte Schikaneders erklingen. Stimmfest ist auch Florian Peters, der in der Rolle des jungen verliebten Johann Friedel mit Schikaneders Frau in Wien mit wenig Erfolg ein Theater eröffnet. Die betrogene, und doch immer wieder liebende Eleonore Schikaneder ist mit Milica Jovanovic ideal besetzt. Sie ist eine Frau, der man es abnimmt, dass ohne sie ein „Großträumer“ wie ihr Emanuel aufgeschmissen wäre und wundert sich dennoch, dass sie bei ihrem Format nicht imstande ist, ihren Gatten vor den Zudringlichkeiten des weiblichen Personals zu bewahren. Den Helden selbst muss natürlich ein Publikumsliebling spielen. Mark Seibert wird zu Emanuel Schikaneder, der keinen Zweifel daran offen lässt, dass seine Devise „Träume groß!“ nicht nur so dahergesungen ist, sondern aus dem bühnenbegabten Herzensbrecher irgendwann den Dichter der ersten großen deutschen Oper und damit untrennbar mit Mozart unsterblich macht.

 Milica Jovanovic  (Eleonore Schikaneder), Florian Peters (Johann Friiedel) © VBW / Deen van Meer 20
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