Kultur und Wein

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I AM FROM AUSTRIA Szenenfoto © VBW / Deen van Meer

I AM FROM AUSTRIA Fendrich als Komponist und Texter einer Popoper

Lukas Perman (Josi Edler)_Iréna Flury (Emma Carter) VBW / Deen van Meer

Vier Sterne plus für Austropop als Musical

Erstaunlich, wie organisch sich unabhängig voneinander entstandene Hits zu einer geschlossenen Handlung verbinden lassen. Reinhard Fendrich hat seit Jahrzehnten verlässlich erfolgreiche Songs produziert und selbst gesungen. „Strada del Sole“ war der Sommerhit des Jahres 1981, dem kein Radiohörer entkommen konnte und wohl auch nicht wollte. Der Text hatte den Witz eines Kabarett-Chansons und die Melodie war ein Ohrwurm, der sich gefüttert mit den gemischten Erinnerungen an einen Urlaub im Land der Papagalle im Gehör festsetzte. Fendrich gehörte ab nun zu den Großen des Austropop, der nicht nur seine österreichischen Landsleute, sondern darüber hinaus den deutschen Sprachraum mit seinen Liedern im Wiener Dialekt begeisterte. War es anfangs nur eine Gitarre, auf der sich der Barde begleitete, wurden die Arrangements bald raffinierter, die Produzenten teurer und das Ergebnis perfekter. Bösartig bissige Lyrics wurden begeistert nachgesungen.

Matthias Trattner (Felix Moser)_Dolores Schmidinger (Elfie Schratt) © VBW / Deen van Meer

„Es lebe der Sport“ rechnet mit dem Zyniker auf der Couch ab, der sich an Blut und Verletzungen delektiert. In „Macho, Macho“ lässt Fendrich den schönen Mann und Frauenschwarm ganz schön blöd dastehen und erklärt mit „Blond“ seine Geschlechtsgenossen als Deppen, die eine Frau nur nach der Haarfarbe beurteilen. Fendrich versteht es, die feinen Saiten der Schadenfreude anklingen zu lassen und ist damit stets gut gefahren. Er hat aber auch genügend Sentimentalität drauf, um seine Zuhörer mit Liebesgeschichten zu berühren. Man hat den Eindruck, dass sie von persönlichen Erfahrungen geprägt sind, von Beziehungen, die für Reinhard Fendrich nicht immer rosarot waren.

Andreas Steppan (Wolfgang Edler)_Lukas Perman (Josi Edler)_Elisabeth Engstler (Romy Edler) © VBW

Mit „I am from Austria“ hat er eine inoffizielle Nationalhymne geschaffen, die jedoch, wenn man genau hinhört, eine durchaus kritische Auseinandersetzung mit seiner Heimat Österreich ist. „I kenn die Leit´, i kenn die Ratten. Die Dummheit, die zum Himmel schreit“ wird dabei jedoch gerne ignoriert, um den patriotischen Aufschwung der Gefühle nicht infrage stellen zu müssen.

Titus Hoffmann und Christian Struppeck haben exakt diesen Hit zum Titelsongs eines Musicals gemacht, das im Raimund Theater seit Wochen für ein ausverkauftes Haus sorgt. Das Rezept ist frappierend einfach. Reinhard Fendrich hat so viele Lieder geschrieben, dass sich daraus, wie es scheint, mühelos eine Story für die Bühne zimmern lässt: In einem Wiener Hotel mit vier Sternen plus soll eine Hollywood-Diva logieren, die sich am Opernball mit einem weltberühmten argentinischen Fußballer verlobt. Die angestrebte Diskretion ist Utopie und so sind vor der Schauspielerin längst alle Adabeis und Presseleute im Haus. Der aufgeweckte Sohn der Betreiber verliebt sich in den Filmstar und stößt überraschender Weise auf Gegenliebe.

Deren Manager hat mit dieser Dame naturgemäß ganz andere Pläne, muss sich aber den Gefühlen beugen. Es ist ein Märchen, das runtergeht wie die Edlertorte, die süße Spezialität des Hotels. Alle Wünsche, sowohl die der auftretenden Figuren als auch die des Publikums gehen prompt in Erfüllung. Der angehende Hotelier kriegt seine Angebetete, der Fußballer braucht sich nicht mit einer Frau zu verloben, weil er ohnehin einen Freund hat, und das Hotel wird mit dem ersehnten fünften Stern ausgezeichnet.

Das schwungvoll tanzende Ensemble © VBW / Deen van Meer

Das Team um Regisseur Andreas Gergen setzt „I am from Austria“ einfach perfekt mit aufwändigen Projektionen, einem opulenten Bühnenbild und einer Reihe von Gags wie eines Hubschrauberfluges um. Angefangen vom Orchester über die Tänzer bis zum Cast, der in den Hauptrollen mehrfach besetzt ist, gibt es wahrlich keinen Schwachpunkt. Es müssen gar nicht die bekannten Darsteller wie Lukas Perman als Josi Edler, Elisabeth Engstler und Andreas Steppan als dessen Eltern Romy und Wolfgang, Iréna Flury als Emma Carter und deren schmieriges Faktotum Richard Edlinger (Martin Bermoser) oder Concierge Elfi Schratt in der Person von Dolores Schmidinger sein, um dem Abend Standing Ovations zu bescheren. Erst der Blick ins Programmheft zeigt, dass an ihrer Stelle Oliver Arno (Josi), Carin Filipčić (Romy) oder Marianne Curn (Emma) auf der Bühne gestanden sind.

Sonderapplaus gab es für Barbara Czar als komische Alte, die schon mit Johann Strauß Vater und Sohn Linkswalzer getanzt hat. Fabio Diso wird als Pablo Garcia von Thomas Höfner gecovert und steht der Erstbesetzung weder mit seinem eindrucksvollen Body noch im Singen nach. Wenn er nicht als Solist auftritt, findet man ihn im Ensemble, das in den blitzartig gewechselten Kostümen von Hotelpagen, sensationsgieriger Meute und sogar als Barbie und Ken zum großartigen Gesamteindruck dieser Produktion beiträgt.

Das Ensemble als sensationsgierige Meute © VBW / Deen van Meer
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