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Trennung für Feiglinge Ensemble © Rolf Bock

TRENNUNG für FEIGLINGE Umjubelte österr. Erstaufführung

Trennung für Feiglinge Ensemble © Rolf Bock

Zwei Männer wollen klüger sein als eine Frau

Allein das Ansinnen, durch die Hereinnahme des besten Freundes in die Wohnung die Freundin zu vertreiben, ist Schwachsinn. Paul hat sich diese Strategie, die von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, ausgedacht. Seit vier Monaten lebt er mit der attraktiven Sophie zusammen. Sie liebt ihn. Er hingegen meint, sie nicht ausstehen zu können. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund dafür, nichts, nicht den geringsten Anlass, der eine Trennung rechtfertigen würde. Da ihm gerade diejenige Eigenschaft fehlt, die bei Männern ohnehin im Aussterben begriffen ist, nämlich der Mut, weiß er nicht, wie er es ihr in ihr stets strahlendes G´sichterl sagen könnte. Also engagiert er Martin als Mitbewohner, um Sophie durch diese ihr aufgezwungene Ménage à trois zur Aufgabe und schließlich zum Auszug zu bewegen. Der Grund, warum Martin bei ihnen einziehen soll, ist so ziemlich das Blödeste, das wiederum nur einem Mann einfallen kann. Paul lässt die Mutter seines Freundes bei einem LKW-Unfall grausam ums Leben kommen. Der Arme, der sich anfangs gegen diese Rolle wehrt, muss nun auf Teufel komm raus trauern.

Leila Strahl (Sophie), Stefan Rager (Paul) © Rolf Bock

Aber statt damit Sophie auf die Nerven zu fallen, nimmt die Handlung eine vollkommen überraschende Wendung. Wie es weitergeht, wird hier natürlich nicht verraten, obwohl: Diese so wunderbar pariserische Komödie von Clément Michel (mit dem Originaltitel Une semaine, pas plus; eine Woche, nicht mehr! Deutsch von Frank-Lorenz Engel) steckt trotz haarsträubender Unwahrscheinlichkeiten, oder vielleicht gerade deswegen, so voller Witz, dass man auch beim zweiten Mal noch genug zum Lachen hätte.

Stefan Rager (Paul), Leila Strahl (Sophie), Michael Duregger (Martin) © Rolf Bock

Marcus Strahl mit seiner Schaubühne Wien hat die „Trennung für Feiglinge“ im Theater Center Forum erfolgreich auf die Bühne gestellt, übrigens das erste Mal in Österreich, und damit für unsere Kleinbühnenlandschaft die Auswahl an wirklich lustigem Boulevard um ein neues Stück bereichert. Martin Gesslbauer hat ihm dazu das Bühnenbild geschaffen, eine smarte Wohnung mit Aussicht auf das Dach von Notre-Dame. Hier hätte Paul mit Sophie (Leila Strahl) den Himmel auf Erden.

Er ist aber gefangen in seinen wirren Trennungsfantasien, die Stefan Rager gekonnt patschert zu verwirklichen versucht. Sophie hat für (fast) alles ein warmherziges Verständnis und schaut dazu noch blendend aus. Man fragt sich, welchen Narren sie an so einem Kerl gefressen hat, denn abgesehen von einem passablen Aussehen hat Paul kaum etwas vorzuweisen, das eine Frau von ihrem Format anturnen könnte.

Der dritte im Bunde ist Martin. Diese Rolle bietet Michael Duregger die Möglichkeit, sein ganzes Repertoire an komödiantischem Können auszuspielen. Angefangen von den Hämorrhoiden, denen stets der Polster unter dem Arsch weggezogen wird, über die Grimasse eines verzweifelten Trauergesichts bis zur Schimpftirade eines furzenden Matschos dient alles der Komik dieses Stücks, das zurecht bei der Premiere vom Publikum bejubelt wurde.

Michael Duregger (Martin), Stefan Rager (Paul) © Rolf Bock

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