Kultur und Wein

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Oreste Szenenfoto Ensemble © Stephan Polzer

ORESTE Blutiges Opfer in der Taurischen Schlachtbank

Sreten Manojlović, Shoko Toya, Johannes Bamberger  © Stephan Polzer

Ein Opern-Pasticcio von G. F. Händel ohne lieto fine, aber mit vielversprechenden Stimmen

Georg Friedrich Händel war nicht nur Komponist, sondern auch Unternehmer. Er war Impressario und damit für den wirtschaftlichen Erfolg seiner Opernkompanie verantwortlich. Er war aus dem King´s Theatre hinausgeschmissen worden und ein Konkurrent zog dort ein, nicht ohne sich die meisten von Händels Gesangsstars zu krallen. Händel musste in den Covent Garden ausweichen, einen berühmten Kastraten (Carestini) engagieren und vor allem, er musste Erfolg haben. Das bereits von Benedetto Micheli vertonte Libretto „Oreste“ schien ihm geeignet, nach geringfügiger Überarbeitung mit seiner Musik versehen zu werden. Es war damals durchaus ein gern geübter Brauch, dass Arienmelodien anderer Opern eingesetzt wurden, kurz gesagt, ein Pasticcio zu schaffen. Händel hatte davon offenbar genügend Material in petto, dass er das ganze Werk mit eigenen Melodien ausstatten konnte. „Oreste“ ist damit ein Best-of von Händel, das ihn zwar gegen seinen Rivalen bestehen ließ, aber trotz des wirtschaftlichen und künstlerischen Erfolgs nicht verhindern konnte, dass beide bankrott machten.

Vanessa Waldhart, Camillo Andres Delgado Diaz © Stephan Polzer

Es geht um den Aufenthalt von Orest in Tauris, wo seine Schwester Ifigenia als Priesterin der Göttin Diana wirkt und fallweise ankommende Fremde opfern soll. Orestes Freund Pilade verrät ihr, dass es sich bei dem wahnsinnigen Jüngling in seiner Begleitung um ihren Bruder handelt. Toante, der Tyrann von Tauris, hält nicht allzu viel von familiären Bindungen und macht sich seinerseits auch an Ermione, die Verlobte von Orest, heran. Eine durchaus geheimnisvolle Rolle spielt dazwischen in Adjustierung für den Life Ball der Hauptmann Filotete, von dem man nie genau weiß, zu wem er wirklich hält.

Oreste Ensemble © Stephan Polzer

Im Schlosstheater Schönbrunn hatten am 29. Und 30. Jänner 2018 Studierende der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Gelegenheit, die Virtuosität ihrer jungen Stimmen an der Musik von Georg Friedrich Händel zu beweisen. Begleitet wurden sie an beiden Abenden von der Beethoven Philharmonie unter der Leitung von Christoph U. Meier und dem Continuo, bestehend aus Michael Brüssing am Cello, Marco Primultini am Cembalo und Klaus Haidl an Theorbe und Barockgitarre.

Ganz unbarock hat Regisseur Sebastian Welker diese Barockoper in das barocke kleine Opernhaus des Barockjuwels Schönbrunn gestellt. Er hat eine Fleischbank daraus gemacht, ausgestattet mit blutigen Messern und hygienischen Plastikvorhängen, hinter denen bedrohlich Schatten wallen. Ganz in diesem Sinne geht das Stück auch alles andere als gut aus. Alle Beteiligten sind am Ende tot! Bis es aber so weit ist, hat am 29. Jänner Aytaj Shikhalizade (Orest) mit der kraftvollen Stimme eines Kastraten, sie tritt auch im Männergewand auf, in faszinierender Sicherheit tolle Stimmakrobatik gezeigt. Theodora Raftis gekleidet im knallengen Mini in der Rolle der Ermione brilliert mit hellem Sopran, Ifigenia (Sanna Iltapilvi Matinniemi), angetan mit blutverschmiertem Schlachterschurz, dagegen mit einer warmen, aber sehr sicheren Stimme. Johannes Bamberger ist ein herzlicher Pilade mit schlankem Tenor, der wunderschön singend seine Schwester Ifigenia erwürgt. Toarte, der Tyrann, hat mit Sreten Manojlović die entsprechende Bösartigkeit und Kraft gefunden, der nichteinmal ein Baseballschläger in seiner gewalttätigen Hand stand hält.

Shoko Toya wandelt mit Strapsen, das Gemächt ausgestopft und einer Husarenjacke als Filotete durch das Geschehen. Sie bzw. er ist es, der den Mordreigen mit einem Stich in Toartes Weichteile einleitet, und er bringt damit die anderen auf die unselige Idee des gegenseitigen Umbringens. Aber neben der ganzen Brutalität beherrschen alle ihre Partien und lassen vergessen, dass es sich um eine sogenannte „Schulaufführung“ handelt. Händel und Barock sind bei ihnen in den richtigen Kehlen.

Oreste Ensemble © Stephan Polzer
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