Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Bühne im Park von Schloss Pötzleinsdorf

DER WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUNG A Hetz mit Shakespeare

Jürgen Heigl, Claudia Kohlmann © Paul Elsbacher

PussyKate werden die Krallen gezogen

Dass nicht längst die FrauenrechtlerInnen gegen dieses Stück von William Shakespeare auf die Barrikaden gestiegen sind?! Da gibt der doch glatt eine Gebrauchsanweisung, wie man einer resoluten, selbstbestimmten Frau den gesunden Willen bricht. Die junge Truppe von Shakespeare im Park zeigt jedoch, dass man nicht alles, was der große Meister geschrieben hat, so ernst nehmen muss, wie es sich die Literaturgeschichte im Laufe der Jahrhunderte aufgebürdet hat. Es genügt ein Schuss Respektlosigkeit und schon schimmert ein Schmunzeln des Dichters durch die Zeit herauf, der sich offenbar bewusst war, dass eine solche Geschichte nicht mehr als der Traum unterdrückter Männer sein kann. Die Handlung ist an sich nicht fremd. Sie wurde, abgesehen von unzähligen Aufführungen auf Sprechbühnen, auch zum Hit als Musical und damit von jedem Theaterfreak in irgend einer Form schon mehrfach konsumiert. Kate küsst regelmäßig ihren Petrucchio und folgt ihm am Ende wie ein brav dressiertes Hunderl, nachdem der sie mit aller nur erdenklichen Brutalität weichgeklopft hat.

Adrian Stowasser, Dragana Weshmashina © Paul Elsbacher

Der Park von Schloss Pötzleinsdorf wird zu einem Campingplatz in Padua, der Palast zu einem klapprigen VW-Bus (Regie: Kilian Klapper). Dessen Betreiber ist Baptista Minola (Erik Willerstorfer), ein Wirt mit Schurz und dem praktischen Verstand eines zu Geld gekommenen Kleinunternehmers. Zeit der Handlung sind die ausgehenden 1960er-Jahre, in denen „Flower-Power“ und „Make Love Not War“ die Welt zu verbessern versuchten. Speziell der zweite der Slogans hat es den Herren Hortensio (Adrian Stowasser), Lucentio (Jakob Pinter) und dem uralten Geilspecht Gremio angetan. Sie buhlen um die Hand des Wirtstöchterls Bianca (Dragana Weshmashina). Allerdings hat diese eine ältere Schwester, nämlich Katharina (Claudia Kohlmann), die durch Kratzbürstigkeit und böses Mundwerk bisher noch alle Freier zur raschen Flucht bewogen hat. Erst wenn sie unter der Haube ist, darf an Bianca gedacht werden.

Hortensio, der im Kostüm von Jimi Hendrix als Musiklehrer bei Baptista anheuert, bekommt Kates Temperament umgehend zu spüren, wenn sie ihm seine Gitarre als Halskrause angepasst. Lucentio tauscht mit seinem Diener das Hawaiihemd und schon ist die Verwandlung vollzogen, um als recht ungelehrter Lehrer für Latein Bianca nahe sein zu können. Sein Diener schafft es indessen, den alten Gremio im Poker um das Heiratsgut mit einer mordsmäßigen Angeberei zu übertrumpfen.

Der Widerspenstigen Zähmung Ensemble © Paul Elsbacher

Wie der Deus ex Machina braust Petrucchio (Jürgen Heigl) mit einer Ente in die Szene und erklärt sich spontan bereit, die widerspenstige Katharina zu ehelichen und zu zähmen. Aus dem anfänglichen „Make War“ wird letztendlich doch „Make Love“, die anstelle des von Shakespeare vorgesehenen Landhauses ebenfalls in einem VW-Bus stattfindet. Übrig bleiben drei Paare: Petrucchio mit Katharina, Lucentio mit Bianca und Hortensio, der sich mit einer giftblonden Witwe mit Burschengesicht (Leonidas Aigner) tröstet. Inklusive des Personals bleiben trotz gewaltiger Kürzungen in der Besetzung dennoch mehr Rollen als Schauspieler übrig.

Für die Truppe von Shakespeare im Park ist das jedoch das geringste Problem. Ein paar Klamotten an oder aus und schon wird aus dem biederen Wirten der sanftmütige Althippie Curtis und aus der hübschen Kate der hässliche Gremio. Man schlägt sich tapfer durch teils recht altertümlich klingende Texte, die aber in einem reizvollen Gegensatz zum bunten Treiben in einer Zeit stehen, in der man sich fest vorgenommen hatte, Althergebrachtes einmal von einer ganz neuen Seite zu betrachten.

Jürgen Heigl, Claudia Kohlmann © Paul Elsbacher

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