Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Was Ihr wollt, Ensemble mit Nena Eigner © Fabian Steppan

WAS IHR WOLLT findet ihr in Shakespeares Everland

Nena Eigner, Patrick Kaiblinger © Fabian Steppan

Mann und Frau, Frau und Frau, Mann und Mann, was soll´s?!

Wer William Shakespeare erfrischend respektlos auf den Punkt gebracht erleben will, muss sich derzeit nach Mödling begeben. Im Konzerthof des Stadtamtes wird dessen vielleicht bösartigste Komödie „Was Ihr wollt“ in einer turbulenten Inszenierung von Nicole Fendesack zu einem erstaunlichen Ende voller Hochzeiten geführt. Ob man dabei von einem Happy End sprechen kann, steht jedem frei, denn die große Liebe betrifft nur die paar Hauptrollen. Die Übrigen werden im Grund zwangsverheiratet, um ihnen möglicherweise die Flausen auszutreiben, die sie zu einer Reihe von bösen Streichen und unsinniger Verliebtheit getrieben haben.

 

Bis es so weit ist, werden in der Mödlinger Fassung des um 1601 verfassten Stücks die Grenzen zwischen den Geschlechtern ganz einfach entfernt, sodass aus den gewohnten Männern Frauen werden und umgekehrt. Ein solcherlei Transgendern bietet sich förmlich an. Muss sich doch die von einem Schiffbruch gerettete Viola (Klara Steinhauser) als Cesario ausgeben, um in die Dienste des Herzogs Orsino (Patrick Keiblinger) eintreten zu können.

Samantha Steppan © Fabian Steppan

Er hegt offenbar unsterblich Zuneigung zur reichen Gräfin Olivia (Nena Eigner), die dessen Avancen aber in keiner Weise zu erwidern gedenkt. Es kommt, wie es kommen muss. Olivia verknallt sich in den als Boten auftretenden Cesario, der wiederum sein bzw. ihr Herz an Orsino verloren hat; was natürlich zu einer Reihe von knisternden Szenen führt, zum Beispiel wenn Orsino, ein erklärter Hetero, seltsam hochsteigende Gefühle für den jungen Cesario in seiner Hose verspürt. Der Begleiter von Sebastian (Nikolaus Stich), dem ebenfalls geretteten Zwillingsbruder von Olivia, ist nicht wie im Original ein Antonio, sondern eine korsarische Amazone namens Antonia (Samantha Steppan).

Die Narrenband in Aktion © Fabian Steppan

Sie ist ihrem Schützling von ganzem Herzen zugetan und will in ihrer animalischen Notgeilheit nichts anderes als mit ihm ins Bett. Weiters sind die beiden Saufkumpane Tobias von Rülps und Andreas von Bleichenwang in dieser Inszenierung die beiden Damen Minnie Mouse und Catwoman, pardon! Tabea und Aurora, von Claudia Marold und Bettina Soriat mit allen unangenehmen Eigenschaften besoffener und nicht weniger hintertriebener Weibsbilder verwirklicht.

Wie man sieht, es ist alles sehr kompliziert. Nicht einmal der strenge Haushofmeister Malvolio (Jörg Stelling) vermag Ordnung in das Durcheinander zu bringen. Er fällt selbst blöde grinsend auf die Nase, und das aus dem einzigen Grund, weil er sich´s auch die Gräfin steht. Der von der Zofe Mary zu Damian im Geschlecht umgewandelte David Czifer lässt ihn mit einem gefälschten Brief kräftig hineinsausen. Man kennt die Szene, wenn der arme Malvolio im finsteren Kerker um ein bisschen Licht und Schreibzeug bittet. In einer Welt voller Verrückter, in einem geographisch nicht näher verorteten „Everland“ (mehrstimmiges Echo aus dem Off: „Everland!“), hat einer wie er keine Chance. Zu viele Narren haben hier das Sagen. Feste, der bekannteste von ihnen, hat mit Clemens Fröschl seinen Darsteller gefunden. Die anderen lauern im „Orchestergraben“, sprich, in der Band (u.a. Matthias Semeliker, Frederic Lipgens, Fabian Steppan), die den Shakespeare mit Hadern „That´s Life“, „Strangers in The Night“ oder „Gente di mare“ auflockern. Sie verwandeln sich mit roten Nasen in ein gefährliches Kollektiv von Spaßmachern.

Ganz im Sinne des großen englischen Theaterdichters verdrehen sie ihrem Gegenüber jedes Wort so gründlich im Munde, bis es selber nicht mehr weiß, was es eigentlich sagen wollte. Aber nur so ist es möglich, den in Mödling durchaus hausgemachten Wirrwarr von Geschlecht und Liebe in dieser zwölften und letzten der Raunächte aufzulösen und, wie oben schon angedeutet, zu einem guten Ende, wenn auch verbunden mit etlichen Hochzeiten, zu führen.

Was Ihr wollt Ensemble © Fabian Steppan

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