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Stuette Kaiserin Elisabeth zu Pferd, Wiener Porzellan um 1855

Die sportliche Karriere der Kaiserin Elisabeth im Damensattel

Kaiserin Elisabeth zu Pferd. Ölgemälde von Franz Adam, 1857 © SKB, Koller

Sisi, wie sie hoch zu Ross dem Hof davon galoppiert ist

Ich lege meinen Stolz darein, zu zeigen, daß ich eines solchen Rumplers wegen nicht das Herz verloren haben“, schrieb Elisabeth 1875 an ihren Mann Franz Joseph. Zwei Tage zuvor hatte ihr Leibarzt Dr. Widerhofer eine schwere Gehirnerschütterung diagnostiziert, die sich Sisi bei einem Sturz vom Pferd in Frankreich zugezogen hatte. Mit dem angesprochenen Herz dürfte sie weniger ihren Gatten, als ihre Leidenschaft für das Reiten gemeint haben. Elisabeth war eine exzellente Reiterin, der sogar Franz Jebhart, Ausbildner der Spanischen Hofreitschule, ihr überragendes Können hoch zu Ross bestätigte: „Sie stellt jede Reiterin, die ich kenne, in den Schatten.“ Damals ritten die Frauen auf dem Damensattel, mit beiden Beinen auf der linken Seite des Pferdes. Aber auch in dieser uns möglicherweise unbequem erscheinenden Stellung konnte sie bei Hetzjagden mit den Männern mithalten, wird überliefert – und es dürfte sich dabei nicht nur um unterwürfiges Lob einer Kaiserin gegenüber gehandelt haben.

Damensattel mit der originalen Reitstrumnpfhose der Kaiserin

Dieser Sport war für Sisi mehr als eine Freizeitbeschäftigung, es war viel mehr eine Möglichkeit, der ungeliebten Etikette des Hofes einfach davon zu galoppieren.

 

Bis 8. Jänner 2017 gibt es eine Sonderausstellung im Audienzsaal der Kaiserappartements der Wiener Hofburg mit dem Titel „Elisabeth – Eine Kaiserin hoch zu Ross“. Im Mittelpunkt steht einer der beiden noch erhaltenen Sättel, beigesteuert von der kaiserlichen Wagenburg.

Gemälde Schimmel Flick und Flock © Dieter Nagl für SKB

Arbeiten aus grünem Maroquin und weißem Sämischleder zeichnen diesen Damensattel aus, der damit den prächtigen Roben der reitenden Kaiserin entsprach. Wie sich Sisi dabei im Sattel halten konnte, wird mit einer naturalistischen Nachbildung des kaiserlichen Unterleibs verständlich gemacht. Das Besondere daran: Die Strumpfhose unter dem Tüll ist original, was bedeutete, so die Kuratorin Olivia Lichtscheidl, dass die extrem schmale Mitte dieser Frau exakt ihren Maßen entsprechen musste.

Ergänzt ist dieser Einblick in die sportliche Karriere von Elisabeth mit Ölgemälden, unter anderem mit einer reizenden Darstellung der zwei von ihr dressierten Lieblingsschimmel Flick und Flock. Korrespondenzkarten und zwei Originalkuverts aus Combermere Abbey und Steephill Castle dokumentieren ihre Reiselust und die Suche nach reiterischen Herausforderungen, die ihr die flache Puszta rund um Gödöllö nicht bieten konnte. Es gibt auch eine „Liebesgeschichte“: Der „Pilot“ bzw. Vorreiter der Kaiserin war William George Middleton.

Mit diesem überdurchschnittlich großen, rotblonden und charismatischen Mann verband die Kaiserin, so heißt es in der Ausstellung, die Begeisterung am Reitsport und eine innige Beziehung, die schließlich für jedermann sichtbar wurde.

 

Gelernt hatte Sisi das Reiten schon als Kind von ihrem Vater Herzog Max in Bayern. Zum Reitsport hatte sie jedoch erst im Alter von ca. 30 Jahren gefunden. Mit ihrer auch in vielen anderen Bereichen immer eingebrachten Ausdauer und ihrem unglaublichem Ehrgeiz brachte sie es auch darin bald zu Höchstleistungen. Sie schuf damit eines der vielen typischen Bilder, die uns heute noch von ihr geläufig sind. Diese zwar kleine, aber exquisite Ausstellung liefert dazu Wissenswertes für die zahlreichen Sisi-Fans und stellt, so das Anliegen der Kuratorin, speziell für das Wiener Publikum einen willkommenen Anreiz dar, in den Kaiserappartements, dem Sisi-Museum und in der Silberkammer in der Wiener Hofburg wieder einmal zur Audienz zu erscheinen.

Kaiserin Elisabeth im Damensattel um 1880, Korrespondenzkarte © SKB

Um noch mehr dieser interressanten Geschichten zu ELISABETH - Eine Kaiserin hoch zu Ross

zu erfahren, gibt es Kuratorenführungen am 17. Juni, 8. Juli, 16. September, 14. Oktober, 4. November und am 2. Dezember 2016, Beginn jeweils 15.30 Uhr.

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