Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Olympia Enemsble © Rolf Bock

OLYMPIA Heute können wir darüber lachen

Michael Schefts, Boris Popovic, Edith Leyrer © Rolf Bock

Rache pikant wie die Liebe oder ein Telefonscherz

Der Ungar Ferenc Molnár, hierzulande besser bekannt als Franz Molnár, war noch in der k.u.k. Monarchie aufgewachsen und hatte sich als Muster eines Bohémien wohl schon als junger Mann prächtig über die dahinsiechende Welt des Adels amüsiert. Von seinem Kaffeehaustisch aus konnte er trefflich die Barone und Fürsten beobachten und sie dank seiner genialen Feder zur Zielscheibe seines Spottes machen. Standesdünkel waren in einer Zeit, in der längst das Bürgertum und sozialistische Kräfte im politischen Geschehen mitmischten, eine traurige Reminiszenz an eine ferne Vergangenheit, zumal Molnár jüdischer Abstammung war und gerade die so scheel angesehenen Juden nicht unwesentlich Wirtschaft und Kultur beeinflussten. In seinen Werken findet sich das Augenzwinkern eines Weisen, der eher Mitgefühl als Hass gegen all diejenigen empfindet, die ihn verachten. Er liebt ihre Sprache, von der die Dialoge seiner Stücke ihre diese so unnachahmlich feine Ironie erhalten, und er schreibt ihnen damit einen Nachruf, den die Betroffenen erst dann als solchen erkannt haben, als es zu spät war.

Boris Popovic, Tina Nitsche © Rolf Bock

Die Komödie „Olympia“ wurde erstmals 1928 in Deutsch in Wien aufgeführt. Die feudalen Titel waren in der jungen Republik verboten, aber man hörte sie noch gerne. An die Stelle der einstigen Durchlauchtigsten waren Neureiche getreten, die als Kriegsgewinnler oder gerissene Defraudanten die Szene beherrschten.

Ob sie es bemerkt haben, dass eigentlich sie mit der seltsamen Gesellschaft, die sich allsommerlich in einem Heilbad trifft, gemeint waren? Wer weiß? Aber sie könnten eins zu eins in die Rollen eingesetzt werden, in denen ein Fürst Plata-Ettin, dessen Gattin Eugenie und deren hochwohlgeborene Tochter bis zum Erbarmen von Molnár verrissen werden. Standesdünkel brauchen keinen Kaiser, sie sind zeitlos, egal ob von Stammbaum und Geburt oder schlicht vom schnöden Geld. Gefühle? Das ist der Luxus der Armen.

Susanna Hirschler © Rolf Bock

Für die Sommerspiele Schloss Sitzenberg hat Intendant Martin Gesslbauer Molnárs „Olympia“ dankenswerter Weise wieder auf die Bühne gebracht. Seine Inszenierung führt direkt in die Zeit zurück, als der Hochadel am liebsten eigene Röhren verlegen hätte lassen, um im heilkräftigen Wasser nur unter sich, abseits vom niederen Volk, baden zu können. Dazu braucht es selbstverständlich ein entsprechendes Ensemble, das seinem Ruf auf die malerische Anhöhe am Rande des Tullnerfeldes gefolgt ist.

Im Renaissancehof des Schlosses hat der Regisseur gleich selbst eine Bühne geschaffen, die das Publikum unmittelbar in die entspannte Atmosphäre eines mondänen Kurhotels entführt. Eine Terrasse mit elegant geschwungenen Bänken und Sesseln verführt zu Flirt und Bridge, den zwei Hauptbeschäftigungen der dort versammelten etwas gelangweilten Society. Deren moralische Instanz: das Kaiserbild im Hintergrund und der 18. August als Tag der Handlung

Gerhard Dorfer © Rolf Bock

Es wäre alles so nett, wäre da nicht der blöde Standesunterschied zwischen der in ihren Zwängen gefangenen Olympia (Tina Nitsche) und dem feschen Barna, Rittmeister bei den Husaren (Boris Popovic). Leben in diese Pattstellung der Emotionen bringt ihre Mutter. Edith Leyrer als Eugenie ist ein Erlebnis, das allein eine Fahrt hinaus aus Wien rechtfertigen würde.

Sie spielt mit einer hinreißenden Nonchalance sowohl die Überheblichkeit des Hochadels als auch die Abgeklärtheit einer Dame, der nichts mehr im Leben fremd ist. Ihr gegenüber steht mit Susanna Hirschler die Intrigantin persönlich. Ihre Lina hört alles, sieht alles und kann sich wunderbar über alles aufregen, was an sich überhaupt kein Grund zum Alterieren ist. Blöderweise ist sie noch immer in den Mann von Eugenie verliebt. Fürst Plata-Ettin hat mit Stephan Paryla-Raky den idealen Darsteller gefunden: ein jovialer Befehlshaber und gleichzeitig den Befehlen von Frau und Tochter ausgeliefert. Sein Freund Albert ist Gerhard Dorfer, der sich nicht auf ein Pferd zu setzen wagt, im Bett frühstückt und darüber lange und sehr unterhaltsam räsonieren kann. Die heimliche Hauptfigur des ganzen Schlammassels ist der Oberstleutnant der Gendarmerie namens Krehl. Michael Schefts erntet zu Recht Szenenapplaus für untertäniges Zusammenschlagen der Hacken und Salutieren, während er seines Amtes waltet und Staatsgewalt ganz im Sinne von Molnár so richtig blöd ausschauen lässt.

Edith Leyrer, Michael Schefts © Rolf Bock
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Schloss Sitzenberg  Foto:© Peter Bors

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