Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Wappen mit dem Namenszug MARIA THERESIA auf der Hietzinger Kasel von 1759 © Michael Himml

KIRCHE – KLOSTER – KAISERIN Maria Theresia und das sakrale Österreich

Brustkreuz und zwei Ringe © Verlag Janos Stekovics

Tiefe Frömmigkeit gepaart mit barocker Pracht

Sie hat sich, vor allem aber dem Stift Klosterneuburg ihr Seelenheil einiges kosten lassen. Die von Maria Theresia gewidmeten Paramente in der Schatzkammer des Stiftes legen davon ein beredtes Zeugnis ab. Aber nicht nur die prächtigen Messgewänder, auch die aufwändigen Hofwallfahrten und die dabei gegebene unvorstellbar opulente Tafel in den Kaiserzimmern verursachten ungeheure Kosten, die jedoch in erster Linie das Stift zu tragen hatte. Die Wallfahrten zu den Gebeinen des noch immer aktuellen Landespatrons Leopold des Heiligen waren für das Volk allerdings eine wunderbare Gelegenheit, die Herrscherin von ihrer frömmsten und zugleich freigiebigsten Seite kennen zu lernen.

Dalmatik vom Pfingstornat aus dem Kloster der Englischen Fräulein in St. Pölten © Stift Klosterneubu

Maria Theresias Vater Karl VI. hatte mit Klosterneuburg große Pläne gehabt. Er wollte das Stift zu einem zweiten Escorial ausbauen, nach seinem plötzlichen Tod 1740 wurde von seiner Tochter jedoch ein Baustopp verhängt. Fertig gestellt wurden von ihr lediglich die Kaiserzimmer, die eine würdige Residenz boten und mit dem Kuppelfresko von Daniel Gran im Marmorsaal ihre künstlerische Vollendung fanden.

Nicht frei von irdischer Eitelkeit ließ sich Maria Theresia darauf zwei Mal abbilden, einmal als weibliche Allegorie, der die deutsche Kaiserkrone angeboten wird, und einmal in idealisierter Form gemeinsam mit ihrem Gatten Franz I. Stephan. Über Spiegel in der Mitte des Saales kann man sich, ohne sich das Genick zu verrenken, in die Genealogie der Habsburger, deren Glorie und Majestät sich im Babenberger Leopold III., dem Heiligen (auf der Medaille in der Mitte) gründet, vertiefen.

 

Als Besucher der heurigen Sonderausstellung des Stiftes Klosterneuburg mit dem Titel „Kirche – Kloster – Kaiserin Maria Theresia und das sakrale Österreich“ (bis 15. November 2017) kommt man an diesem wahrgaft prächtigen Fresko unweigerlich vorbei.

Nähkästchen um 1780 © Peter Böttcher

Es ist sozusagen der eindrucksvolle Übergang zwischen der Schatzkammer zu den Kaiserzimmern. Die in der Schatzkammer gezeigten Paramente, wie sie Maria Theresia dem Stift gewidmet hat, stellen ein Best-of an liturgischen Textilien ihrer Zeit dar. Laut Mag. Wolfgang Huber, dem Kurator der Ausstellung, sind die Kasel, das Kelchvelum und die Dalmatika des Pfingstornates der Höhepunkt an sakraler Stickkunst. Hergestellt wurden die gezeigten Stücke von den Englischen Fräulein in St. Pölten um 1740, zu denen Maria Theresia ein besonderes Verhältnis hatte. Sie sind wahrhaftige Meisterwerke aus kunstvollen Blumenmotiven und unglaublich feinen Verzierungen mit Gold und Silberfäden. Vom anderen Ende ihrer Regierungszeit stammt die Goldene Kasel aus 1780, angefertigt aus Goldlamée und versehen mit charakteristischer Bändchenstickerei.

Maria Theresia (Ausschnitt), Werkstatt des Martin van Meytens nach 1745 © Michael Himml

Vorbei am Herzogshut und einem Figurinenzug, darstellend die Erbhuldigung von Maria Theresia, gelangt man zwei Stockwerke darüber in die Kaiserzimmer, die nahezu noch in ihrem Originalzustand erhalten sind. Hier erzählen fein ausgewählte Objekte über die Hofwallfahrten und den Leopoldipfennig. An der Tafel, die reichlich mit Zuckerwerk an die ehemalige Üppigkeit erinnern soll, staunt man nicht schlecht, wenn man erfährt, wie viel an Fleisch und Gemüse für das kaiserliche Diner geordert waren. Die Rede ist von zig Enten, Wachteln und Rehen, sogar von frischen Austern, die extra dafür aus Venedig importiert wurden, um eine Handvoll hochgestellter Mägen zu füllen. Es wird vermutet, dass der nicht verzehrte Rest an das Personal hinunter bis zum letzten „Küchenmensch“ aufgeteilt wurde.

 

Eine andere Form religiös bedingter Verschwendungssucht war der Leopoldipfennig.

Geschlagen wurde er in Gold und Silber und jeweils seinem Wert entsprechend großzügig an die Teilnehmer der Hofwallfahrt verteilt. Für das an sich begüterte Stift stellten die Leopoldifeiern verständlicherweise dennoch eine schwere Bürde dar, wie es im Katalog zur Ausstellung heißt. So wurde von Propst Berthold Staudinger versucht, die Spesen für die Verköstigung an den Hof zu übertragen, allerdings vergeblich, wobei eine Reduktion der Leopoldipfennige gar nicht zur Sprache kam. Erst 1752 wurde zur allgemeinen Erleichterung beschlossen, erst am Morgen des Leopolditages nach Klosterneuburg aufzubrechen und dem Stift damit die Kosten für die Verpflegung zu ersparen.

Im Jahre 1765 nach dem Tod ihres Gatten begann Maria Theresia, den Sparstift anzusetzen. In diesem Jahr kam nur Kaiser Joseph II. mit seiner Begleitung zum Hochamt in die Kirche, fuhr danach aber umgehend wieder nach Wien zurück, womit die Festtafel ohne die Vertreter des Hofes auskommen musste und die dabei erfolgende Verteilung des Leopoldipfennigs unterblieb. Mit dem Reformer Joseph II. endete auch die barocke Frömmigkeit, die mit seiner Mutter Maria Theresia ihre feierlichste und prächtigste Form gefunden hatte.

Leopoldipfennig des Propstes Ernest Perger © Wolfgang Szaivert, Wien
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