Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Symbolfoto Graten © Erich Steiner

GARTEN: LUST. LAST. LEIDENSCHAFT und eine große Liebe

Bauerngarten im Museumsdorf Niedersulz © Museumsdorf Niedersulz

Gartln von der Jungsteinzeit bis zum Urban Gardening

Irgendwann in grauer Vorzeit hat ein findiger Mensch begonnen, ein Stück Land abzuzäunen. Das war die einzige Möglichkeit, sich Landeigentum zu schaffen. Er musste, wie es Jean Jacques Rousseau ausgedrückt hat, nur genügend Dumme finden, die ihm seinen Anspruch auch abgenommen haben. Dieser erste Gärtner war also, so der Umkehrschluss, intelligenter als die anderen Zeitgenossen. Die Wildtiere konnten nicht mehr so einfach die von ihm kultivierten Pflanzen abgrasen und den anderen Vertretern der Spezies Homo sapiens waren gleichermaßen deutliche Grenzen gesetzt. Vielleicht rührt daher die alte Weisheit, dass Nachbarn nichts einander so nahe bringt wie ein guter Zaun. Er stellt klare Verhältnisse her und erlaubt trotzdem den freundlichen Tratsch. Diese Erkenntnis steht auch am Beginn der Ausstellung im Museum Niederösterreich, die unter dem Titel „GARTEN: Lust. Last. Leidenschaft“ bis 10. Februar 2018 eine Kulturgeschichte dieses vitalen menschlichen Bedürfnisses auf sehr kurzweilige und mit vielen Objekten anschauliche Art vermittelt.

Der Igel, ein beliebter und vor allem nützlicher Gartenbewohner

Die ursprünglichsten Vertreter dieser Art sind die Bauerngärten, die seinerzeit nicht viel anders ausgesehen haben mögen als wir sie heute bei einer Wanderung neben manch einem Bauernhaus bewundern können. Sie sind die Domäne der Hausfrau, die auf wohl gepflegten Beeten nicht nur den Küchenbedarf an Salat und Karotten zieht, sondern auch ihren Schönheitssinn auslebt, indem sie einer vielfältigen Blumenpracht Platz bietet. Dieses von den Feldern abgezwickte Stück Boden ist jedoch nur eine der vielen Arten, wie die Menschheit ihre Umgebung gärtnerisch gestaltet. Es gibt den Lehrgarten, botanische Gärten, den Therapiegarten und gar nicht so neu auch den Dachgarten, besser gesagt, das begrünte Dach. Um diese Vielfalt auch entsprechend an den Besucher zu bringen, wird er zu einer Zeitreise durch die verschiedensten Epochen eingeladen.

So begegnet man Werkzeugen aus Holz, zum Beispiel einer Sichel, die mit Feuersteinklingen besetzt ist. Aus der Bronzezeit stammen Tongefäße, in denen Emmer, Einkorn, Dinkel, Rispenhirse, Saubohne oder die Früchte der Linsenwicke aufbewahrt wurden. Färberwau, Färberwaid und Färberkrapp erlaubten gelbe, blaue und rote Textilien, mit denen sich der Mensch der Frühzeit bereits farbenfroh einkleiden konnte. Zur Anschaulichkeit werden Beispiele dieser uns zum Teil längst unbekannten Gewächse vorgestellt.

Mit Pflanzen gefärbte Wolle

Die Auswahl, die einem heutigen Gärtner zur Verfügung steht, war damals noch unvorstellbar. Aber das weiß man ohnehin aus der Geschichte. Paradeiser, Kukuruz und Erdäpfel, dafür musste erst die Neue Welt entdeckt werden. Davor besiedelten jedoch die Kelten unsere Lande und brachten neue Pflänzchen wie Roggen, Lein, Hafer, Dille und sehr wahrscheinlich auch den Wein, den die Römer zuerst in bester Qualität aus dem Süden importierten, um ihn später auch an der Donau zu kultivieren. Mit den Legionen kam auch der Horus rusticus, der eine vollkommen neue Dimension an Gartenkultur darstellte. Ins Mittelalter hinüber retteten die Mönche das Wissen um den Anbau all der köstlichen Früchte, die im Mittelmeerraum längst als eine Selbstverständlichkeit zählten.

Garten im Museum Niederösterreich © Daniel Hinterramskogler

Karl dem Großen wird eine lange Liste an Pflanzen zugeschrieben, die in seiner Dreifelderwirtschaft zu gedeihen hatten. Hildegard von Bingen ist zweifellos der Star dieser Tage, die kräuterkundig ihre eigene Medizin herstellte. Auf der Bodenseeinsel Reichenau wirkte Abt Walahfrid Strabo, der uns mit einem in lateinischer Sprache abgefassten Gedicht einen Überblick über das Wissen um die heilbringende Wirkung vieler der Pflanzen übermittelte.

Über die Renaissance, die beispielsweise im Garten der Schallaburg wieder belebt wurde, dem Barock, der den Pflanzen mathematische Strenge angedeihen ließ, dem englischen Landschaftsgarten, der Bäumen und Sträuchern wieder scheinbare Freiheit schenkte, und dem Stadt- und Volksgarten kommt man irgend wann wieder im Hausgarten an.

Als die Stadtbevölkerung im 19. Jahrhundert aufgrund von Nahrungsmangel nach Möglichkeiten suchte, diesen selbst zu beheben, kamen die Schrebergärten auf, das Grabeland, wo man um eine kleine Pacht Rüben, Gurken und anderes nützliches Gemüse ziehen konnte. Viele dieser kleinen Parzellen haben ihre ursprüngliche Funktion allerdings verloren. Sie wurden wegen einfacherer Pflege zu rasenbedeckten „Koniferengärten“ verunstaltet und dienen nicht selten dem deutlichsten Ausdruck des Kleingeistes: Sie sind die Heimat der Gartenzwerge, die frech aus Sagen und Märchen in die Kleingärten übersiedelt sind.

 

Der wahre städtische Gärtner hat sich mittlerweise andere Betätigungsfelder gesucht. Er bearbeitet eigens für das Gartln geschaffene Hochbeete in Parks, pflegt liebevoll sein kleines Grün in den Kräutertöpfchen auf dem Balkon oder nutzt sogar die Senkrechte, um an einst grauen Mauern mittels Vertical Gardening wie weiland im Bauerngarten Gemüse, Grünpflanzen und Blumen üppig gedeihen zu lassen.

Gartenzwerg
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