Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Schloss Schönbrunn und seine „geheime“ Geschichte

Vom Kaiserschloss zum Schlossmuseum

Das Schloss der österreichischen Schlösser, das ist Schönbrunn; eine Marke nicht nur für Wien, sondern für das ganze kleine Österreich, das von der Monarchie übriggeblieben ist. Zu Recht wird es als Tourismusmagnet bezeichnet und ist dennoch auch für die eigenen ehemaligen Untertanen ein Anziehungspunkt geblieben. Wo sonst als im Garten von Schönbrunn mit seinen akkurat geschnittenen Alleen und einer alles überragenden Gloriette ließe es sich so einfach und doch feudal lustwandeln.

 

Im Pichler Verlag ist nun in der Reihe „Die geheime Geschichte von Österreichs Kulturgütern“ ein Band über das Schloss Schönbrunn erschienen. Martin Mutschlechner, Historiker und als Guide daselbst tätig, gibt darin sein umfangreiches Wissen über seinen Arbeitsplatz, mit Garantie einen der nobelsten der Welt, preis. So ist auch sein Buch wie eine spannende Führung aufgebaut. Er lädt den Leser ein, ihn ganz exklusiv auf einer Zeitreise durch die Geschichte von Schloss und Garten Schönbrunns zu begleiten.


Martin Mutschlechner: Schloss Schönbrunn. Die geheime Geschichte von Österreichs Kulturdenkmälern, Bd. 2, Pichler Verlag 2012, ISBN 978-3-85431-574-2, Preis € 19,99.


 

Auf diesem Weg herauf von einem Vorgängerbau, der Katterburg, trifft man 1569 Kaiser Maximilian II., einen leidenschaftlichen Jäger. Eine seiner ersten Maßnahmen war die Einrichtung eines Tiergartens. Damals verstand man darunter jedoch nichts anderes als ein Gehege für das Wild, das auf diesem engen Raum von der adeligen Gesellschaft leichter erlegt werden konnte. Bis zum modern geführten Zoo mit seiner möglichst artgerechten Tierhaltung und der Funktion als Arche Noah war es noch ein weiter Weg.

 

Man begegnet auch Maria Theresia und lernt sie Dank Mutschlechners detaillierter Geschichtskenntnis genauestes kennen, aber auch ihren Gatten Franz, den Kaiser im Hintergrund der „leider nicht“ Kaiserin und den Nachwuchs, der ihrem Motto gemäß „Kinder kann man nicht genug haben, darin bin ich unersättlich!“ bekanntlich sehr zahlreich war.

Sogar der „Steirer“ Erzherzog Johann hat mit dem Tirolerhof seine Spuren hinterlassen und selbstredend ist das umfangreichste Kapitel Kaiser Franz Joseph gewidmet, dessen Leben und Wirken mit Schönbrunn aufs Engste verbunden war und noch immer ist.

 

Spannend waren für das Schloss die Jahre nach dem Ende der Monarchie. Die junge Republik hatte sich vom imperialen Erbe zu distanzieren und noch ehe sich ein einigermaßen entspanntes Verhältnis entwickeln konnte, kamen die Jahre des Nationalsozialismus, der Zweite Weltkrieg und dessen Ende, das für viele historische Bauwerke der Hauptstadt verheerend war. Schönbrunn war einigermaßen glimpflich davon gekommen, wurde wieder als Filmkulisse entdeckt und nicht zuletzt durch die „Sissi“-Trilogie zum Inbegriff einer verklärten Rückschau auf die „Kaiserzeit“ in ungebrochen strahlendem Schönbrunnergelb.

 

Ein Führer durch unterhaltsame Keller und geheimnisvolle Labyrinthe

Wiener Spaziergänge unterhalb der Stadt

Verlies unter dem Alten Rathaus mit den Resten der alten Ausschank

Wien hat mehr besuchenswerten Untergrund als nur den Dritten Mann und das Kanalnetz. Was man über der Erde sieht, also die schöne Fassade, ist möglicherweise nur ein Bruchteil einer ganzen Stadt in allen ihren Höhen und Tiefen. Wien ist seit seinem Bestehen gerade so gut nach unten wie nach oben gewachsen.

Bilder (© Pichler Verlag/Farbfotos Robert Bouchal) für Leseproben anklicken

Der Fotograf Robert Bouchal, spezialisiert auf besondere Stimmungen und außergewöhnliche Situationen, hat sich mit der Fremdenführerin und Buchautorin Gabriele Lukacs, sie bietet u.a. die beliebten Mystery Tours an, dort unten umgesehen. Das Ergebnis ist ein aufschlussreicher Führer durch viele bislang noch unbekannte Keller, Labyrinthe und fremde Welten in der „Geheimnisvollen Unterwelt von Wien“.


Robert Bouchal/Gabriele Lukacs: Geheimnisvolle Unterwelt von Wien. Keller, Labyrinthe, Fremde Welten. Pichler Verlag 2011, ISBN 978-3-85431-567-4, Preis € 24,99

 

Allein ein guter Teil des geselligen Lebens unserer so lebensfrohen Stadt spielt sich unter Erde ab. Sogar der Wein schmeckt einfach besser, wenn man einige Stufen zu ihm hinabgestiegen ist und ihn in einem der romantischen Ziegelgewölbe verkostet. Ähnliches gilt für den Jazz. Diese Musik braucht einfach den Underground, um richtig erdig zu klingen, was wiederum zu einer erstaunlichen Anzahl von Jazzkellern in einer Stadt der Klassik und des Walzers geführt hat.

 

Dazu kommen die Werkstätten und Lagerräume, die man mangels genügend Platz auf der Oberfläche nach unten verlegt hat. Es gibt noch die Eisgruben, in deren gleichmäßig temperierter Tiefe man einst mit dicken Eisblöcken die Winterkälte für den heißen Sommer speicherte, und es finden sich Brunnenröhren, in denen der Sage nach fallweise ein schröcklich´ Basilisk gehaust hat.

 

Das Wiener Kellerleben hat also Tradition, genauso wie der Tod, dem in der Finsternis verzweigter Grüfte in barocker Schaurigkeit gehuldigt wird. „Wenn´s amoi aus wird sein“, wird man nach unten begeben. Es muss ja nicht gleich ein Mord passieren, um nach dem Ableben in einem Untergeschoss auf den Jüngsten Tag warten zu müssen, wenngleich, Kellerleichen sind in Wien keine Seltenheit – siehe etliche Kriminalfälle von einst und jüngst.

Die geheime Geschichte des Stephansdoms

Mystische Botschaften verborgen im Stein

Es muss gar nicht Dan Brown erfunden haben, und es dürfen ohne weiteres seriöse Forschungsergebnisse sein, wenn es darum geht, mit Kirchen-Geschichten einen Leser zu fesseln. Für uns Heutigen erscheint vieles in der Kirche geheimnisvoll, weil zeitfern und unserem Denken fremd. Bei genauem Hinsehen erkennt man jedoch rasch, dass uns diese prickelnden Geheimnisse vielfach lediglich abhanden gekommenes Wissen beschert.

 


 

Leseproben verbergen sich unter den Bildern.

 


 

Hasmann erzählt darin teils nahezu unglaubliche Geschichten, die sich im, um und unter dem Stephansdom ereignet haben. Sie handeln vom Halbmond auf dem Stephansturm, dem Zahnwehhergott, elektromagnetischen Energiefeldern, Vulva und Penis als unverhüllte Sexualsymbolik und mehr. Sie wurden übersichtlich in Themenkreise verpackt, die mit anregenden Titeln wie „Gönner, Frömmler und Fanatiker“, „Mysteriöses rund um den Dom“ oder „Leichen und Reliquien“ nicht nur Neugier wecken, sondern dem Leser die unbekannten Seiten eines scheinbar alten Vertrauten auf spannendem Weg entdecken.


Ein in jedem Sinn gewaltiges Beispiel dafür ist unser Steffl, der Stephansdom mitten in Wien, gleichzeitig mitten in Österreich und in gewissem Sinne mitten in Europa. Man braucht sich nur mit ihm einzulassen. Wer sich in dieser Absicht durch das Portal am Heidentor dem Trubel der City entzieht, wird nach dem Gitter, das streng Touristen von Betern trennt, im gedämpften Licht von der tiefen Ruhe dieses sakralen Raumes umfangen. Der Blick, der vor langsamer werdenden Gedanken vorerst ziellos herum schweift, wird bald an Fragen hängen bleiben, die sich an den zahllosen Details dieser beredten Architektur stellen.

 

Um das Raunen, das über Jahrhunderte in die Gegenwart dringt, in verständliche Messages zu wandeln, muss man sich allerdings mit Wissen eindecken. Es gibt dazu eine reiche Auswahl an Lesestoff, der nun mit einem äußerst praktischen Büchlein bereichert wurde: Der Stephansdom (Gabriele Hasmann). Erschienen ist es im Pichler Verlag, der mit diesem Band 1 die verheißungsvolle Serie „Die geheime Geschichte von Österreichs Kulturdenkmälern“ (Herausgeber: Johannes Sachslehner) eingeleitet hat.

 


 

Hasmann, Gabriele: Der Stephansdom. Die geheime Geschichte von Österreichs Kulturdenkmälern, Band 1, Pichler Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85431-555-1, Preis € 19,95.