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Zweimal zwei Karten für das Erfolgsstück Weiße Neger sagt man am 31. Mai 2017 um 20 Uhr nicht im TAG gewinnen. Dazu einfach

 

Gewinnspiel

 

anklicken. Ein Mail öffnet sich mit dem Betreff Gewinnspiel Weiße Neger sagt man nicht. Name und Adresse einfügen. Die Karten werden für die Gewinnerin bzw. den Gewinner an der Kassa des TAG für diesen Abend hinterlegt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Weiße Neger sagt man nicht Ensemble © Anna Stöcher

WEISSE NEGER SAGT MAN NICHT besser s´Maul halten!

Nancy Mensah-Offei, Georg Schubert © Anna Stöcher

Wie man sich intelligent der Mitbewerber entledigt

Ist das TAG jetzt zur moralischen Anstalt geworden? Wird dem Publikum nun auch dort Rassismus und Fremdenfeindlichkeit um die Ohren gewatscht, wie in manchen anderen Theatern? Keine Angst, nein! Es wäre ja kein Paradoxon, das hinterlistig im Titel lauert. Die Rede ist da von weißen Negern, wobei das berühmte Unwort mit N dabei ganz deutlich ausgesprochen und es dem Zuschauer anheim stellt wird, wem er diese nach allgemeiner Ansicht diskriminierende Titulierung angedeihen lässt. Die Hautfarbe spielt in dabei die geringste Rolle, abgesehen von einigen Rülpsern und patscherten Äußerungen, die den anderen Teilnehmer gegenüber einer farbigen Mitbewerberin in – man möchte sagen – alter Gewohnheit ausrutschen. Solche Entgleisungen sind eher dreckiger Schnee von gestern und diejenigen, die derlei Unkorrektheiten eventuell noch als lustig empfinden, sind, brutal gesagt, nichts als Ewiggestrige. Da gibt es schon ganz andere Probleme in unserem Zusammenleben als mehr oder weniger Teint im Gesicht.

Raphael Nicholas © Anna Stöcher

Ob sie es so gewollt hat oder nicht, lässt sich schwer sagen, aber das Stück, dessen Texte von der Regisseurin Esther Muschol gemeinsam mit dem Ensemble des TAG erarbeitet wurden, ist vielmehr ein ernüchternder Blick auf die Willenlosigkeit von Karrieristen, denen in einem Assessment (der neusprachliche Ausdruck für ein Auswahlverfahren von Führungskräften) keine Peinlichkeit zu groß ist, um sich ihr nicht zu unterziehen.

Es wird der Arsch des Vordermannes bzw. der Vorderfrau willig massiert, man lässt sich ins Maul schauen und auf Mundgeruch überprüfen, oder macht bei saublöden Rollenspielen mit. Stellenweise ist das Stück erschreckend nah an der Realität. Das Lachen bleibt einem im Halse stecken, wenn eine Bewerberin aufgefordert wird, als Chefin einen schwierigen Mitarbeiter zurecht zu stutzen und nur deswegen ausgezeichnet reagiert hat, weil sie dessen Herzanfall ignoriert.

Georg Schubert, Jens Claßen © Anna Stöcher

Das Ensemble des TAG wird ein lebensnaher Kreis von Bewerbern, die um einen Führungsposten in einem internationalen Konzern rittern. Georg Schubert ist als Hans mit allen per Du. Er ist gelernter Funkenschuster, also Elektriker, der sich hochgearbeitet hat und nun mit rustikaler Natürlichkeit punkten will. Der schlanke Salomon Weiß (Raphael Nicholas) steht sich selbst ganz verkrampft auf den Zehen und vergisst allzu gern, sich nach dem Binkeln die Hände zu waschen. Michaela Kaspar macht als biedere Amelia Schulz ganz auf Naive, die zwischen Rissen in ihrer weiblichen Fassade die Härte von Stahl durchschimmern lässt. Björn Sellscheid ist doppelter Doktor und als Leiter des Assessments souverän. Jens Claßen lässt seinen Helden aber im Verlauf des Geschehens gekonnt zum armen Würstel mutieren, das sich bis zur Ratte erniedrigen lässt, nachdem zutage gekommen ist, dass er in das Verfahren nur als Testperson eingeschmuggelt worden war.

Die offenbar wirkliche Leiterin, die sich aber erst im Verlauf des Geschehens als solche zu erkennen gibt, scheint Beatrix Melichar zu sein, der Elisabeth Veit unangenehme Kälte verleiht. Als sie Titania Coleman, die einzige farbige Bewerberin, aufgrund eines Formfehlers – sie hat den Unterlagen kein Foto beigelegt – ausscheiden lässt, schlägt diese zurück. Nancy Mensah-Offei darf in dieser Rolle bereits in einem Prolog auf ihre Rache hinweisen und sich – mit Erfolg – fünf dumme weiße Neger suchen.

Weiße Neger sagt man nicht Ensemble © Anna Stöcher
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