Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Julian Loidl (Macbetz © Anna Stöcher

MACBETH Unterhaltsames Blutbad in den Highlands

Julian Loidl, Elisa Seydel © Anna Stöcher

Bereit und fit geht es zu dritt – alte Hexenweisheit

Was haben sich Zuschauer schon abgegruselt, wenn der tyrannische Macbeth und seine blutrünstige Lady Macbeth als Herr und Frau König über Schottland herfallen! William Shakespeare hat diese Gestalt aus grauer heidnischer Vorzeit in seinem Drama zum mordlustigen Leben erweckt, um sie am Ende zu allseitiger Beruhigung selbst ableben zu lassen. Es gibt wahrsagende Hexen, gespenstische Erscheinungen, finstere Burgen und wandelnde Wälder. Solche Highlands sind also alles andere als einladend und hätten als touristische Destination bestenfalls auf den Seiten Abenteuer-Urlaub eine Chance. Gernot Plass, Prinzipal des TAG, Meister der respektlosen Bearbeitung klassischer Dramen, konnte einem solchen Stoff natürlich nicht widerstehen. Er hat einen Macbeth auf die Bühne gestellt, der mit seinem Wortwitz und der Neuninterpretation britischer Vergangenheitsbewältigung das Publikum neben der getreulichen Vermittlung des originalen Inhalts des Dramas sogar zum Lachen verführt und die Zeit damit wie im Flug vergehen lässt.

Elisa Seydel als wahnsinnige Lady Macbeth © Anna Stöcher

Für Unterhaltung ist also gesorgt. Vor allem mit den drei Hexen. Sie werden zu Tussis, ganz zeitgemäß teils mit Vollbart. Der Grund dafür ist, dass sämtliche Rollen, und es sind bei Shakespeare nicht wenige, dazu der Hofstaat und ganze Heere mit und ohne Tarnung von einer Handvoll von Schauspielern im Schottenrock bewältigt werden müssen. Da wäre Elisa Seydel, die neben ihren Einsätzen als Lennox, Fleance und einem Clown als überzeugende Lady Macbeth ihren Gatten zu allerlei Morden überredet. Jens Claßen begleitet Macbeth als treuer Banquo, springt als Pförtner ein, versucht, angetan mit Zylinder und ausgestattet mit geschraubten psychologischen Statements, die dem Wahnsinn verfallene Lady Macbeth zu heilen und darf als Clown mit feiner Ironie blödeln. Moira, Ross, Lennox, Soldat, zweiter Mörder, Sohn und Clown schafft locker Raphael Nicholas, ebenso wie Lisa Schrammel Imke, Malcolm, Lady Macduff, Lennox, einen Möchtegernmörder, die Zofe und ebenfalls einen Clown. Als erstes Opfer kommt Georg Schubert als alter König Duncan zu Tode, lebt aber weiter in Hether, Macduff und einem köstlich g´scherten Mörder. Julian Loidl ist der einzige, der sich mit nur einer Rolle begnügen muss.

Aber schließlich ist Macbeth die Titelfigur, die Plass in vielen Facetten, vom unbezwingbaren Heerführer über den Zauderer, wenn´s um das Erstechen des Königs geht, bis zum verzweifelt an seine Grausamkeit gefesselten Tyrannen gezeichnet hat. Loidl macht jeden dieser an sich grundverschiedenen Charakterzüge nachvollziehbar und schafft damit ein neues, differenziertes Bild von einem Mann, den man aus der Literatur- und Operngeschichte meistens nur als mörderische Bestie kennt.

Lisa Schrammel, Georg Schubert, Raphael Nicholas als die drei Hexen © Anna Stöcher
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