Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Beate Gramer, Michael Mischinsky © Rolf Bock

BARFUSS IM PARK Broadway und Hollywood im Forum II

Barfuß im Park Ensemble © Rolf Bock

Scheidung in den Flitterwochen?

Es begann mit einem Erfolg am Broadway und wurde zu einem Kassenfüller in den Kinos. Der Zauber der US-Amerikanischen Komödie von Gene Saks liegt wohl darin, dass man sich als Zuschauer so wunderbar mit dem Geschehen identifizieren kann. Im Grund ist „Barfuß im Park“ eine alltägliche Geschichte. Ein junges Paar, seit sechs Tagen glücklich verheiratet, erlebt seinen ersten richtigen Streit. Natürlich ist sofort Auseinanderrennen und von Scheidung die Rede. Die zwei frisch Vermählten haben soeben ihre erste Wohnung bezogen, besser gesagt, ein Loch im fünften Stock, in dem nichts funktioniert, weder die Heizung noch der Küchenherd. Eisige Winterluft zieht ungehindert durch ein Loch im Fenster und das Bad hat keine Wanne. Ihr Optimismus ist jedoch gewaltig. Es wird schon irgendwie gehen, Hauptsache man liebt sich, da kann das Ehebett noch so klein sein. Für die beiden ist es, zumindest ihrer Ansicht nach, groß genug, um die stürmische Verliebtheit auszuleben. Er kann diese Freude an der Winzigkeit der zukünftigen gemeinsamen Bleibe nicht so recht teilen.

Stefan Wilde, Beate Gramer, Bernhard Dreisiebner © Rolf Bock

Als angehender Rechtsanwalt hat er seinen ersten Fall, für den er sich in der noch kahlen Wohnung vorbereiten soll. Aber alles wäre machbar, gäbe es nicht den Nachbarn im Dachgeschoss darüber, einen mittellosen Abenteurer, dessen Leben der Frau nach ein paar Gläsern Ouzo um so viel interessanter erscheint als der Juristenjob ihres Angetrauten. Und es erscheint ihre Mutter, die als Drohung in den Raum stellt, dass sie das Alleinsein satt hat, mit dem möglichen Hintergedanken, das junge Glück durch vermehrte Anwesenheit gründlich zu stören.

Stefan Wilde, Beate Gramer © Rolf Bock

Im Theater Center Forum hat Erich Martin Wolf das Stück erfolgreich auf die wahrlich nicht große Bühne im Forum II inszeniert. Er schafft es wie selbstverständlich, Broadway und Hollywood auf ein paar Quadratmeter zu konzentrieren. Es braucht dazu lediglich Kübel, in denen Farbe sein könnte, auf denen man aber auch sitzen kann, einen Telefonanschluss und später, wenn die Möbel da sind, ein Sofa, zwei Tischerln und ein Bord mit Whiskyflaschen, um die Bleibe wohnlich zu machen.

Bescheidenheit ist aber lediglich die Tugend der Ausstattung dieser Produktion. Vom Schauspielerischen her bleiben keine Wünsche offen. Der Regisseur hat dafür eine tolle Besetzung engagiert. Bernhard Dreisiebner ist ein sympathischer Telefonmonteur, wie ihn sich ein Kunde nur wünschen kann, Dagmar Truxa eine Ethel Banks, souverän abgeklärt im Umgang mit Tochter und Schwiegersohn, die lediglich erst nach dem Genuss von reichlich Alkohol ihre Contenance verliert. Kein Wunder, als sie zu sich kommt, ist sie mit Bademantel und Hausschlapfen von Victor Velasco (Michael Mischinsky) bekleidet. Schuld an allem ist besagter Velasco. Er verzaht, wie man in Wien sagt, die Ahnungslosen in eine albanische Kneipe, um sie mit den exotischen Seiten seines Daseins bekannt zu machen. Die hübsche Corie fährt darauf voll ab, endlich geht die Post ab in ihrem Leben.

Beate Gramer gibt ihrer Heldin den entsprechenden Übermut, der für jeden Blödsinn zu haben ist, aber auch die gehässige Hysterie, wenn ihr Gatte Paul (Stefan Wilde) statt zu streiten sich einfach ins Bett zum Schlafen legen möchte. Aber was macht er, der trockene Jurist? Statt als Spießer die Scheidung einzureichen, läuft er nachts bei Minus 15 Grad Celsius „Barfuß durch den Park“, nicht ohne sich eine ordentliche Erkältung dabei geholt zu haben.

Beate Gramer, Michael Mischinsky, Dagmar Truxa © Rolf Bock
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