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Schmetterlinge sind frei Ensemble © Sam Madwar

SCHMETTERLINGE SIND FREI und können auch im Dunklen fliegen

Angelo Konzett, Glenna Weber © Sam Madwar

Blindsein ist lediglich eine Frage des Sehenwollens

Ein junger Mann, sieht nicht schlecht aus und kann wunderbar zur Gitarre singen, streut die Asche seiner Zigarette auf den Tisch. Das Mädchen, das aus der Nachbarwohnung bei ihm hereingeschneit ist, hatte sich mit dem Aschenbecher, der vor ihm gestanden war, auf einen Sessel zurückgezogen. Sie bemerkt das sonderbare Verhalten, vor allem weil die Wohnung im Gegensatz zu ihrer bestens aufgeräumt ist. Sie will es anfangs nicht glauben, als er ihr sagt, dass er blind ist. Es war ihr bis dahin nicht aufgefallen, dass Don, so heißt der Nachbar, nicht sehen kann. Ab diesem Moment scheinen Probleme aufzutauchen, zum Beispiel der Umstand, dass unsere Sprache einfach eine ganze Menge an Ausdrücken enthält, die sich auf das Sehen beziehen. Jill, so heißt die 19jährige, darf sich jedoch entspannen. Auch Blinde verwenden derlei Redensarten ohne dabei jedes Mal in Depression zu versinken. Schwieriger wird es schon, wenn er auf ihrem Kopf in einen künstlichen Haarteil greift oder ihr mit seinen tastenden Sehfingern eine falsche Wimper vom Auge zupft. Aber auch das lässt sich erklären.

Angelo Konzett, Birgit Wolf © Sam Madwar

Jill, eine angehende Schauspielerin, hat diesen Nachmittag ein Vorsprechen und befindet sich bereits in Kampfadjustierung. Sex wird für die beiden reizenden jungen Leute zur einfachsten Sache der Welt, auch wenn sich das Liebeslager hoch oben knapp unter einer Dachluke befindet und als dritte im Bett eine Gitarre ihr Recht behauptet. Dass es dennoch Störungen gibt, die das frisch-fröhliche Glück stören könnten, dafür sorgt Mrs. Baker, Dons Mutter, und Ralph, eine Regisseur, der Jill ganz gut auch für sein Vergnügen gebrauchen könnte. Wie die Sache ausgeht, erfährt der Zuschauer nach einem mehr als vergnüglichen Abend im Theater Center Forum, in dem das Stück „Schmetterlinge sind frei“ bis 3. Februar 2018 auf dem Programm steht und anschließend mit der Neuen Bühne Wien von Marcus Strahl auf Tournee durch Niederösterreich und die Steiermark geht.

Glenna Weber, Angelo Konzett © Sam Madwar

Der amerikanische Bühnen- und Drehbuchautor Leonard Gershe hat mit dieser berührenden Komödie die Geschichte eines Blinden nachgezeichnet, der trotz seiner Einschränkung partout erfolgreich werden wollte und es auch geschafft hat. Ins Deutsche übertragen wurde der Text von Otto Beckmann und das Stück von Sam Madwar geschickt auf die wahrlich nicht große Bühne des Forums I gezaubert. Gemeinsam mit Martin Gesslbauer hat er eine urgemütliche Junggesellenbleibe erschaffen.

Dort wird geliebt, gestritten, verzweifelt und zu sich gefunden. Sam Madwar zeigt als der schräge Regisseur Ralph, dem man seine Freundin unter keinen Umständen zum Casting anvertrauen sollte, eine gute Portion Selbstironie. Was das Element der Störung betrifft, steht ihm Birgit Wolf als Mutter von Don zu Seite. Bis jetzt hat sie ihren blind geborenen Sohn mit Liebe und resoluter Fürsorglichkeit betreut und kann, oder besser, will es nicht verstehen, dass der nun imstande ist, ganz allein zu leben. An einen solchen Dragoner sollte man besser nicht geraten, außer man ist Jill.

Glenna Weber entwaffnet mit ihrer herzlichen Natürlichkeit wie nix auch einen solchen verbiesterten Moralsoldaten. Dass sich Don in Jill verliebt, ist das eine, dass Angelo Konzett, ein sehender Schauspieler, diese Rolle derart überzeugend spielt, dass man streckenweise meint, der Mann muss wirklich blind sein, ist das andere. Bleibt noch die wunderschön emotionale Botschaft eines Abends: Schmetterlinge sind frei und können in faszinierender Weise auch im Dunklen großartig fliegen.

Sam Madwar, Angelo Konzett, Glenna Weber © Sam Madwar

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