Kultur und Wein

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Così fan tutte Ensemble © Barbara Palffy

COSÌ FAN TUTTE Eine Inszenierung gar nicht so wie es alle machen

Così fan tutte Ensemble © Babrara Palffy

Ein Zeitsprung zurück in das Entstehungsjahr einer Oper

„Die Schule der Liebenden“ oder ganz g´scheit auf Italienisch „La scuola degli amanti“ erzählt bekanntlich vom Übermut zweier Burschen, die sich der Treue ihrer Bräute allzu gewiss sind. Auf Anstiftung des alten Philosophen Don Alfonso kommt es zur Liebesprobe, die natürlich fürchterlich in die Hosen geht. Der Menschenkenner Lorenzo da Ponte wusste, wie man Herzen brechen kann. Er war offenbar der Überzeugung, dass es alle (Frauen) so machen würden wie seine Fiordiligi und Dorabella. Wolfgang Amadeus Mozart dürfte ähnlich gedacht haben und schuf hörbar lustvoll mit diesem Libretto eine seiner größten Opern. Così fan tutte zählt zum gängigen Repertoire von Opernhäusers und Festspielen und hat im Laufe von 227 Jahren seit seiner Uraufführung unzählige Interpretationen in verschiedensten Inszenierungen durchgemacht. Der Hof, auf Auftrag von Kaiser Joseph II., erlebte zum ersten Mal die Gefühlsverwirrungen des jugendlichen Quartetts im Burgtheater am Michaelerplatz am 26. Jänner 1790.

Megan Kahts (Despina) © Barbara Palffy

Dass die neue Oper nicht, wie zuvor Le nozze di Figaro, umgehend in das Schlosstheater von Laxenburg transferiert wurde, hing mit dem Tod des Monarchen am 20. Februar des gleichen Jahres zusammen. Der Spielbetrieb der Wiener Theater war eingestellt worden und der Frühjahrsaufenthalt des Kaiserhauses entfiel.

Così fan tutte Ensemble © Babrara Palffy

Nun ist Così fan tutte doch noch nach Laxenburg gekommen. Das Teatro Barocco unter Bernd Roger Bienert hat in – man möchte fast sagen – gewohnter Manier die Uraufführung nachinszeniert. Es beginnt bei der Beleuchtung auf der in ihren Ausmaßen des alten Burgtheaters entsprechenden Bühne, die den Kerzen nachempfunden ist, mit denen man damals auskommen musste. Es setzt sich fort in den pompösen Gesten der Darsteller, mit denen sie ihre jeweilige Befindlichkeit ausdrücken.

Dazu kommen Ausstattung der Bühne, die Kostüme und der Klang der Originalinstrumente des für diese Produktion abgeschlankten Orchesters. Der Zuhörer erlebt einen Zeitsprung zurück in das Entstehungsjahr der Oper. Anstelle von Mozart sitzt lediglich David Aronson am Hammerklavier, der den Sängern den perfekten Teppich legt, um ihre Melodien in aller Schönheit ihrer Stimme darauf ausbreiten zu können.

 

Don Alfonso erfährt mit Wolfgang Holzmair die ideale Verkörperung des voll Lebensweisheit steckenden Alten, der sich über jugendliche Träumereien nur lustig macht. Ganz auf seiner Linie liegt die Cameriera Despina. Sie macht jeden Unsinn mit, verkleidet sich als Arzt und Notar und ist der personifizierte Hausverstand. Als Hausmädchen lässt Megan Kahts ihren Sopran brillieren, um ihn in der jeweiligen Verkleidung tongenau in eine lustig quäkende Stimme zu verwandeln.

Dorabella (Juliette Mars) und Fiordiligi (Anne Wieben) haben einfach große Stimmen, denen man mit Wonne beim Leiden um den Erhalt ihrer Treue zuhört. Thomas Elwin und Christian Kotsis sind die beiden jungen Offiziere Ferrando und Guilelmo, deren Timbre ideal auf ihre Rollen abgestimmt ist. Mozart hätte seine Freude gehabt, in der entspannten Atmosphäre von Laxenburg diese Aufführung seiner Oper erleben können, die so gar nicht così fan tutte, sondern ganz speziell ihm und seiner Zeit gewidmet ist.

Daniel Palkövi auf dem Naturhorn

Piramo (Maria Taytakova) © Barbara Palffy

Piramo e Tisbe, Intermezzo tragico als Oper des Barock

Piramo (Maria Taytakova), Tisbe (Megan Kahts) © Barbara Palffy

Sinfonia für einen Löwen

Als das Intermezzo tragico „Piramo e Tisbe“ 1768 in Wien uraufgeführt wurde, kannte wohl ein Großteil des erlauchten Publikums diese tragische Geschichte. Zu dieser Zeit gehörten antike Erzählungen zur Allgemeinbildung. Man wusste sich mit Göttern und Helden etwas anzufangen und schätzte Ovid, den tollen römischen Dichter, der in seinen Metamorphosen in wunderbaren Hexametern die Entwicklung der Welt vom Goldenen bis zum Eisernen Zeitalter beschrieben hat. Darin erzählt er auch von einem babylonischen Pärchen namens Piramus und Tisbe. Die beiden jungen Leute sind einander in Liebe zugetan, allerdings ohne Zustimmung der verfeindeten Väter. Wie man es bereits bei Romeo und Julia gesehen hat, geht eine solche Konstellation zumeist übel aus. Am Schluss sind alle tot, auch einer der sturen Väter, der vor den beiden Leichen der Kinder zur Einsicht kommt und sich ebenfalls umgehend umbringt. Einziger Überlebender ist der Löwe, der das Unglück mit blutigem Maul und viel Gebrüll heraufbeschworen hat.

Tisbe (Megan Kahts), Priamo (Maria Taytakova) © Babrara Palffy

Johann Adolph Hasse (1699-1783) hat zu einem Libretto von Marco Coltellini die Musik geschrieben. Hasse war zu seiner Zeit ein gefeierter Mann, einer, der sich in Venedig den Ruf „Il divino Sassone“, im übertragenen Sinne ein göttlicher Deutscher, erworben hatte. Während des Siebenjährigen Krieges war er nach Wien geflohen und wurde von Maria Theresia als Musiklehrer ihrer Töchter Maria Carolina und Marie Antoinette engagiert. Als Komponist geriet er als Absolvent der neapolitanischen Schule in die Auseinandersetzungen um Reformbestrebungen, die dieses Genre zu einer neuen Form führen wollten. Der Hof zu Wien hielt wenig von solcherlei Neuerungen und schätzte nach wie vor die hergebrachte Opera seria.

Allerdings merkte man dort nicht, dass sich ihr Komponist, eben Johann Adolph Hasse, mit „Piramo e Tisbe“ bereits vorsichtig den Reformern angeschlossen hatte. Es war sein vorletztes Werk. Seine letzte Oper, die er auf Auftrag von Maria Theresia gemeinsam mit Pietro Metastasio geschaffen hatte, fand wenig Resonanz, ganz im Gegensatz zu einer Oper des 15jährigen Wolfgang Amadeus Mozart. Hasse soll daraufhin gesagt haben: „Dieser Knabe wird uns alle vergessen machen.“

Vater (Peter Widholz), Tisbe (Megan Kahts) © Barbara Palffy

Damit sind wir in Stift Altenburg angekommen, das heuer bereits zum fünften Mal mit einer Produktion des TEATRO BAROCCO das Niederösterreichische Theaterfest feiert. Obwohl eine Oper von Hasse gegeben wird, steht Mozart im Mittelpunkt. Es ist das Anliegen von Intendant Bernd Roger Bienert, Werke der großen Vorläufer Mozarts in der Bibliothek des Stiftes genauso aufzuführen, wie sie zur Zeit ihrer Entstehung zu erleben waren. Das heißt, es gibt Kerzenlicht, das sanft von raffinierter Technik unterstützt die Bühne von unten her beleuchtet, Kostüme und Gesten, wie sie damals im Gebrauch waren, und ein Bühnenbild, das nichts an barocker Romantik zu wünschen übrig lässt. Um die Authentizität noch zu steigern, hat Bienert ganz nebenbei entdeckt, dass Ovids Werke zufällig neben der Bühne in den barocken Regalen einer der schönsten Klosterbibliotheken stehen.

Wenn man auch wenig Ahnung von den Feinheiten im Aufbau einer barocken Oper hat, den italienischen Text nicht versteht und trotz eines ausgezeichneten Einführungsgespräches nur am Rande mit dem historischen Hintergrund vertraut ist, ist „Piramo e Tisbe“ ein musikalisch kulinarischer Leckerbissen. Sowohl Tisbe als auch Piramo sind Soprane, die von Megan Kahts und Maria Taytakova gesungen werden. Der Vater ist der Tenor Peter Widholz und der gut brüllende Löwe Gabriel Wanka. Begleitet werden sie vom Ensemble TEATRO BAROCCO auf historischen Instrumenten, das vom Cembalo aus von Emanuel Schmelzer-Ziringer geleitet wird. Johann Adolph Hasse wird damit aus der Vergessenheit gerufen. Gleichzeitig wird daran erinnert, dass diese Oper, weil sie bei Maria Theresia so gut angekommen ist, in das kleine Schlosstheater nach Laxenburg transferiert wurde, wo im kommenden Frühling auf derselben Bühne(!) „Così fan tutte“ von Wolfgang Amadeus Mozart in der bewährten Originalität des TEATRO BAROCCO zu hören und zu sehen sein wird.

Piramo (Maria Taytakove), Tisbe (Megan Kahts) © Barbara Palffy
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