Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ehen werden im Himmel geschlossen Ensemble © Rolf Bock

„Ehen werden im Himmel geschlossen“ – genügend Stoff für eine schräge Komödie

Erwin Bail (St. Peter), Fritz Wickenhauser (der liebe Gott), Gertraud Frey (Magdalena) © Rolf Bock

Eine vom lieben Gott gestiftete Ménage-a-trois

Das schreit ja wirklich zum Himmel! Gott himself wird zum Wiederholungstäter! Er lässt sich von der heiligen Magdalena einreden, dass man Menschen in einer Dreierbeziehung glücklich machen könnte. Soviel weiß man aus der Bibel, dass diese Magdalena diesbezüglich genügend Lebenserfahrung gesammelt und einen besonderen Draht zum Herrn hat. Dass sie ihn aber dazu verführen kann, wider die Gesetze der Natur und der Moral in menschliche Schicksale einzugreifen, kann nur damit zusammenhängen, dass Gott amtsmüde ist.

Tobias Reinthaller (Tonio), Strefanie Elias (Renée) © Rolf Bock

Drei Leute bringen sich aus Liebe um; einer in Amerika, einer in Italien und eine junge Frau in Frankreich. Magdalena hat die unselige Idee, diesen dreien ein neues Leben zu schenken und sie miteinander zu verkuppeln. Dass dieser Versuch nicht gut gehen kann, ist von vornherein klar. Es scheint, um mit den Existentialisten zu sprechen, in der Natur des Menschen zu liegen, keine neue Chance nützen zu können. Da hilft auch göttliche Unterstützung nichts. Es wird immer schief gehen, egal ob in einer Villa in Cannes oder in der armseligen Wohnung eines Bergbauarbeiters.

Konrad Lusenberger, Tobias Reinthaller, Stefanie Elias © Rolf Bock

Der expressionistische deutsche Schriftsteller Walter Hasenclever (1890 – 1940) hatte keine Hemmungen, mit überirdischen Mächten ungewöhnliche Gedankenspielereien anzustellen. In seinem Stück mit dem nicht ganz passenden Titel „Ehen werden im Himmel geschlossen“ (in Wirklichkeit ist es zwei Mal eine Ménage-a-trois) geht’s oben genauso zu wie unten. St. Petrus hat einen überschuldeten Haushalt zu führen, und die heilige Magdalena lebt ungeniert ihre Eitelkeit aus.

Auch Gott ist alles andere als der ewige und allmächtige, wie man ihn von diversen Religionen vorgesetzt bekommt, sondern ein Dandy, der Mokka liebt, Bilanzen frisieren lässt und an seinen Ruhestand auf dem himmlischen Golfplatz denkt. Allein das wäre schon genug für eine Komödie der schrägen Art, wäre da nicht der bittere Background, dass der Mensch nichts als Spielball für deren seltsame Launen ist. Wie Hasenclever tatsächlich zu seinem Gott gestanden ist, weiß nur der Teufel. Sicher ist jedoch: Vor Menschen hatte der Dichter die größere Angst, denn 1940 nahm er sich im Internierungslager Les Milles beim Heranrücken der deutschen Truppen das Leben.

 

Fritz Holy und Erwin Bail haben für ihr engagiertes experiment theater am lichtenwerd diese literarische Kostbarkeit entdeckt und unter der Regie von Gertraud Frey erfolgreich auf die kleine Bühne im Keller des Hauses Lichtensteinstraße 132 gestellt. Gertraud Frey hat selbst die von ihren weiblichen Erfahrungen überzeugte heilige Magdalena übernommen, Erwin Bail einen herrlich menschlichen Sankt Peter und Fritz Wickenhauser einen sehr sehr lieben Gott.

Als Irdische durchleiden Konrad Lusenberger als Felix, Stefanie Elias als hübsche, aber in ihren Gefühlen zu zwei Männern hin und her gerissene Renée und Tobias Reinthaller in der Rolle des emotionalen Tonio das zweimalige Scheitern in einem neuen Leben. Man kann ihnen und dem Stück, das bestimmt nur selten irgendwo zu sehen sein wird, nur wünschen, der Theaterszene Wiens einen ganz und gar ungewöhnlichen Denkanstoß gegeben zu haben.

Konrad Lusenberger, Tobias Reinthaller © Rolf Bock
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