Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Plácido Domingo 1986 Wiener Staatsoper Sammlung Erich Wirl © Foto Fayer

PLÁCIDO DOMINGO Eine Verbeugung zum 50-jährigen Bühnenjubiläum

Tenorissimo_Domingo_Nabucco_2014_Wiener Staatsoper Sammlung Erich Wirl © Foto Michael Pöhn

Tenorissimo! Begeisterungsstürme in Wien

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Gänsehaut beim ersten Hören von Plácido Domingo. Es war die Samstagabendsendung von Heinz Conrads, der immer wieder Talente vorstellte und dieses Mal einen jungen spanischen Tenor präsentierte. Es war ein Erlebnis, das wir nach seinem kurzen Auftritt in Worte zu fassen suchten. Ist es das dunkle Timbre seiner Stimme, die Leichtigkeit, mit der sie aus ihm herausströmt oder der Schmelz, der jeden Ton zu einem unbeschreiblichen Genuss macht? Oder alles das zusammen? Er war einfach anders als die vielen Sänger und Sängerinnen, die man bis dahin gehört hatte. Plácido Domingo macht süchtig. Man muss ihn immer und immer wieder hören. Wenn man sich keine Opernkarte leisten kann, dann eben auf CD oder YouTube, den demokratischen Formen großen Musikgenusses.

 

Im Theatermuseum Wien ist bis 8. Jänner 2018 Plácido Domingo in einem Video mit Auftritten an der Wiener Staatsoper zu hören und zu sehen.

Tenorissimo_Domingo_Otello_1987_Wiener Staatsoper Sammlung Erich Wirl © Foto Fayer

Anlässlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums des Stars wurde ihm die Ausstellung „Tenorissimo! Plácido Domingo in Wien“ gewidmet. 1967, als er in der Titelrolle von Verdis „Don Carlo“ im Haus am Ring debütierte, galt er als Geheimtipp, der aber im Sturm das an sich kritische Publikum und seine Sängerkollegen eroberte. Wien blieb für Domingo bis heute eine „Liebesbeziehung“, und es war ihm persönlich auch wichtig, bei der Eröffnung dieser Ausstellung anwesend zu sein. In den bedeutendsten Opernhäusern der Welt hat man ihm zugejubelt, seine internationale Karriere ist beispiellos. Aber in Wien hat er mit Hans Krankl Fußball gespielt, wenn ihm die Proben für eine der 30 Rollen in gezählten 330 Vorstellungen dafür Zeit gelassen haben. Und: Plácido Domingo wurde zum österreichischen Kammersänger ernannt, ein Titel der wie kaum ein anderer die eigentliche (Wahl-)Heimat eines Sängers ausdrückt.

Gottfried Neumann-Spallart zu Alphabeth in Ewigkeit © KHM-Museumsverband

Der magische Raum Bühne – Bild – Modell Große Regieideen en miniature

František Troester zu Julius Caesar von William Shakespeare © KHM-Museumsverband

Paläste, Dome, romantische Landschaften und Schrottplätze als Spielwiese für die Phantasie

Wenn sich der Vorhang öffnet, geht nicht selten ein Raunen durch das Publikum. Das Bühnebild verrät schon sehr viel über die zu erwartende Inszenierung. Es trägt die Aufführung und ist gleichzeitig ein Ausweis für die Gedanken des Regisseurs. Die Schauspieler und Sänger sind auf diese Umgebung angewiesen, nicht selten von einem schrägen Boden geplagt, einem abenteuerlichen Irrgarten ausgeliefert oder zu halsbrecherischen Stunts herausgefordert. Aber es ist der Ort, der ihnen Gelegenheit gibt, die Zuschauer in die Welt des gerade gespielten Stückes zu entführen. Was nach der Premiere die Kritik darüber schreibt oder wie viel sich in der Pause das Maul darüber zerreißen, ist in diesem Moment uninteressant.

Heinz Bruno Gallée zu Notre Dame von Franz Schmidt © KHM-Museumsverband

Der Regisseur trägt dafür die Verantwortung, wenngleich unter dem Stichwort Bühne oder Ausstattung meist ein anderer Name angeführt ist. Von diesen Leuten stammen nicht selten die Idee und die Ausführung, der zahlreiche Schritte bis zur Verwirklichung vorangegangen sind.

Josef Hoffmann zu Die Zauberflöte von Wolfgang A. Mozart © KHM-Museumsverband

Eine der Hauptaufgaben des Bühnenbildners ist im Vorfeld, den Theaterdirektor und das Leading Team von einem Entwurf zu überzeugen. Die Entwerfer können durchaus auch von außen kommen, als Künstler wie Fritz Wotruba oder Xenia Hausner, deren Handschrift man sofort erkennt und deren Name gerne als Zugpferd für die jeweilige Produktion eingespannt wird. Für alle gilt jedoch das Gleiche: Ein Modell ist seit Jahrhunderten ein sehr probates Mittel für die Vorstellungskraft des Ensembles.

Geschickte Hände basteln die einzelnen Szenerien und schaffen damit eine praktische Krücke. Es ist ein unentbehrliches Arbeitsmittel der Bühnenkunst, das dem Publikum zumeist verborgen bleibt. Es sieht das Endergebnis: Einen Wald aus hohen, dicken Stämmen, wo sich die Paare des Sommernachtstraums verwirren und wieder zusammenfinden, ernste Säulen und weite Treppen eines griechischen Dramas und ein Schiffsdeck im dritten Akt der Grand opéra Die Afrikanerin.

 

Es handelt sich bei den genannten Bühnenbildern nur um einige wenige Beispiele aus der Modell-Sammlung des Theatermuseums, das mit fast 1000 Objekten zu den bedeutendsten Spezialsammlungen dieser Art zählt. Es war möglich, auf sieben Themeninseln 59 markante Beispiele auszustellen. Vertreten sind Antike, Mittelalter, Renaissance und Barock, Romantik und Revolution, Avantgarde und Gegenwart.

Damit ist nicht gemeint, dass es sich um historische Ausstattungen handelt, sondern um die Thematik des jeweils inszenierten Stücks. Der Zeitraum erstreckt sich vom 17. Jahrhundert bis ins Jahr 2014 mit einem Entwurf von Reinhard von Thannen für Quartett im Theater in der Josefstadt. Die Modelle mögen verspielt anmuten, erwecken aber doch das Bewusstsein im Theaterbesucher, wie viel Kleinarbeit hinter einer großen Aufführung steckt.

Max Reinhardt und Karl Walser zu Ein Sommernachtstraum von William Shakespeare © KHM-Museumsverband
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