Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Der Herr der Zwiebelringe Ensemble © Bettina Frenzel

DER HERR DER ZWIEBELRINGE Kulinarischer Spaß sehr frei nach J. R. R. Tolkien

Thomas Marchart mit schwarzen Drachenreitern © Bettina Frenzel

Ein Dinner mit Wobbits, Elben und Orks

Als Aperitif ein Becher Met und zum Hauptgang gebratene Ente, Rotkraut und gebackene Zwiebelringe, so verlockend sieht der Menüplan im Theater zum Fürchten aus, wenn es darum geht, mit den Wesen von Oberuntererde vergnügliche Abenteuer zu erleben. Wie schon bei J. R. R. Tolkien soll ein ganz bestimmter Ring um keinen Preis dem bösen Zauberer Sagrotan (bedrohlicher Donner!), äh! dem, dessen Name nicht genannt werden darf, in die Hände fallen. Wenngleich das Buch zu dieser „gastronomisch epischen Parodie auf die endlosen Waldspaziergänge durch magische Welten“ von Bruno Max stammt, wird doch Randolf Destaller zum Gamemaster, der die an sich in sechs dicken Büchern mit ausführlicher Vorgeschichte ausgebreitete Handlung in erfreulicher Kürze dem Publikum näher bringt. Per acclamationem wird die Hauptgestalt erwählt, dann der weitere Verlauf mittels eines 20äugigen Würfels gelenkt. Hinter jeder gefallenen Zahl verbirgt sich eine neue Wendung des Geschehens. Auskunft gibt darüber ein Skript mit Anweisungen, denen gehorsam zu folgen ist.

Anna Sagaischek im Kostüm des Synonym, Hans-Jürgen Bertram © Bettina Frenzel

Während die Zuschauer mit Gabel und Messer im Dunkel des Zuschauerraumes nach einem Stück Entebrust tasten, breitet sich vor ihnen eine fantastische Welt aus, bevölkert mit Wobbits, Zauberern, Elben, schwarzen Drachen-Reitern und Zwergen. Der Fantasie helfen eine ungemein aufwändige Bühne (Bruno Max) und Kostüme von Alexandra Fitzinger, bei denen sich die Macher des Films „Herr der Ringe“ einiges abschauen hätten können, auf die Sprünge. Die Gespräche der Herrschaften aus Oberunterwelt sind Kabarett vom Feinsten. Werbeslogans und Markennamen lassen grüßen.

Hendrik Winkler, Anna Sagaischek © Bettina FRenzel

An Banalitäten und abgedroschenen Redensarten wird ebenso wenig gespart wie an gezielten Wuchteln und Pointen. Das holt die hehren Formulierungen des Romans in witziger Weise auf den Boden von Mittelerde, wo sich Menschen über dieses Treiben über und unter ihrer Welt amüsieren können. Lachen ist erwünscht und fällt leicht, wenngleich das Thema eines magischen Rings durchaus ernst sein könnte, aber nicht ist, weil es eben ein Spaß mit Zwiebelringen und nichts anderes sein soll.

Bingo Windbeutel (Thomas Marchart) ist ein Wobbit, der von seinem Onkel Dildo (Peter Fuchs) den Auftrag erhält, den bewussten Ring, der seinem Träger Macht verleiht, in einem Krater zu versenken. Begleitet wird Bingo von Spam Semmelschmarrn (Robert Elsinger).

Mit von der Partie sind der etwas senile Zauberer Glamrock (Hans-Jürgen Bertram), Lemongrass, ein sehr reizvoller Elb (Hendrik Winkler), der mieselsüchtige Zwerg Perlon (Eva-Maria Scholz) und die WaldläuferInnen W-Lana (Samantha Steppan) und Amalgan (Benjamin Ulbrich). Auf ihrer fantastischen Reise begegnen sie bei der Wirtin im Grindigen Eber zum ersten Mal den unglaublich hässlichen Orks, grünen Monstern, die ihnen in der Folge das Leben ebenso schwer machen wie die schwarzen Reiter oder Synonym, der Thesaurus, in dessen schuppigem Drachenpanzer Anna Sagaischek beim besten Willen nicht zu erkennen ist. Dralon, der Zwergenschmied (Helmut Frauenlob) versteht es, für W-Lana eine sexy Rüstung zu fertigen. Der, dessen Name nicht genannt werden darf, ist Jackie Rehak, deren Sagrotan weniger ein mächtiger Zauberer, denn der CEO eines Ober- und Untererde umspannenden Konzerns ist. Freilich käme ihm in dieser Position der besagte Ring fürbass, aber der wird gemeinsam mit Schmierkas (Peter Fuchs als gefallener Elb) für alle Ewigkeit in einem Vulkan versenkt.

Der Herr der Zwiebelringe Ensemble © Bettina Frenzel
SCALA Logo 300

Statistik