Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Donadieu Ensemble © Bettina Frenzel

DONADIEU Mörderischer Starrsinn der Bekenntnisse

Bernie Feit, Wolfgang Lesky © Bettina Frenzel

Kann es, solange es Religionen gibt, Frieden geben?

Donadieu ist ein französischer Junker und Hugenotte. Zum Zeitpunkt, als zwei königliche Gesandte ihn um Nachtlager in seinem Schloss, besser gesagt, seiner Burg ersuchen, steht es um die Sache der Protestanten alles andere als gut. Im Ort treffen scharenweise Flüchtlinge aus eroberten Gebieten ein und das Schlimmste, hier ist man von jeder Nachricht abgeschnitten. Donadieu gewährt den beiden Edelleuten Gastrecht, obwohl sie Papisten sind, also von der Gegenseite. Es stellt sich heraus, dass der eine von ihnen vor Jahren die Frau des Burgherrn brutal gefoltert und umgebracht hat. Da das Gastrecht um Mitternacht endet, will Donadieu Rache nehmen und den Mörder seiner Frau in seinem Sinne hinrichten...

 

Conrad Ferdinand Meyer hat den Stoff in seiner Ballade „Die Füße im Feuer“ bereits 1864 thematisiert und zu einem von hoher Moral getragenen Ende gefunden. Fritz Hochwälder hat daraus das Drama „Donadieu“ (Erscheinungsjahr 1953, Uraufführung im Burgtheater) geschaffen.

Alina Bachmayr-Hayda, Margot Ganser-Skofic © Bettina Frenzel

Er hat es als packende Abrechung mit dem vielschichtigen Wahnsinn, der Religionskriegen oder besser jedem Krieg zugrunde liegt, einer offenbar nicht lernfähigen Gesellschaft ins Stammbruch geschrieben. Er zeichnet darin die Hugenotten als gute, aber jede Lustbarkeit des Lebens verneinende Menschen, die ihrem Bekenntnis unter den widrigsten Umständen treu bleiben wollen. Gerechtigkeit ist ihr Motto, das allerdings von den königlichen Truppen brutal missachtet wird. In intensiven Dialogen wird hinterfragt, was jemanden veranlassen könnte, für ein fiktives Gut, wie es Religion nun einmal ist, sein Leben hinzugeben oder ein anderes auszulöschen. Die Antwort lässt auch Fritz Hochwälder offen und reduziert das Ende auf eine nachvollziehbare Reaktion eines unter diesen Umständen normal denkenden Menschen. Nur eines wird klar: Den ersehnten Frieden kann es nicht geben, so lange an etwas geglaubt wird, das man mit Waffengewalt verteidigen bzw. bekämpfen zu müssen meint.

Dirk Warme, Wolfgang Lesky © Bettina Frenzel

Unter der Regie von Bruno Max erweckt die SCALA Wien dieses selten gespielte Werk wieder zum Leben. Die Bühne wird zum zentralen Ort der Auseinandersetzungen, mit dem die Zuschauer von zwei Seiten unmittelbar in die Zeit hineingezogen werden (Marcus Ganser, Bruno Max). Es ist der Palas einer Burg mit langem Tisch und der Feuerstelle, an der das Verbrechen an der Frau Donadieus verübt wurde. Ein Balkon eröffnet eine zweite Ebene und schafft damit weitere Räumlichkeiten des Schlosses. Die Darsteller treten, abgesehen von den Gummimänteln, in Kostümen und der Bewaffnung des 16. oder beginnenden 17. Jahrhunderts auf, ohne dass daraus eine der billigen Mantel und Degen-Storys wird. Die einzige alles entscheidende Fechtszene findet draußen, also vor dem Zuschauerraum statt.

 

Die Besetzung entspricht der Bedeutung des Stücks. Publikumsliebling Bernie Feit ist Escambarlat, ein allseits verachteter Poet, den es aus irgendwelchen unglücklichen Umständen zum Protestantismus verschlagen hat.

Möglicherweise waren es die Psalmen, die er so schön umgedichtet hat, dass sie von den Calvinisten begeistert gesungen wurden. Er sorgt gekonnt für das Lächeln, das auch einer so todernsten Handlung wie dieser immer gut ansteht. Berthelien, der besonnene Pfarrer des Ortes, ist Roger Murbach und Kari Rakkola ein cholerischer schwedischer Hauptmann, der mit seinen Söldnern unter Umständen noch einen militärischen Umschwung herbeiführen könnte. Die Schaffnerin Barbe, die an frivolen Gedichten schon vom Bekenntnis her keine Freude hat, wird von Margot Ganser-Skofic mit entsprechender Resolutheit verkörpert. Die zweite weibliche Rolle spielt Alina Bachmayr-Hayda, die ihre Judith, die 18jährige Tochter Donadieus, zur leisen Zeugin des grausamen Geschehens werden lässt. Lavalette ist mit Wolfgang Lesky der nicht unsympathische papistische Edelmann, der an seinem Kameraden Du Bosc hugenottische Gerechtigkeit verübt.

Dirk Warme wandelt sich als solcher vom Fieber geschüttelten königlichen Boten in den ekelhaften Sadisten, der lustvoll zugibt, all die ihm vorgeworfenen Untaten verübt zu haben. Sein Kontrahent ist Donadieu, der sich von ihm bespucken lässt, nachdem er erkannt hat, dass seine Art der Vergeltung nicht Gott gewollt ist. Clemens Aap Lindenberg ist der Mann, der bei Conrad Ferdinand Meyer über Nacht ergraut und bei Hochwälder zum Schöpfer eines möglichen Friedens mutiert.

Clemens Aaap Lindenberg, Wolfgang Lesky © Bettina Lesky
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