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HABSBURGS KAISERINNEN Mehr als nur Mütter des Nachwuchses

Maria Amalie, Habsburger Regentin auf dem Wittelsbacher Thron (aus Habsburgs Kaiserinnen

Die Frauen an der Seite der Kaiser: unbekannt, rätselhaft oder übermächtig

Ihre Namen sind großteils nur Historikern bekannt, sie scheinen im Stammbaum der Habsburger zwar auf, aber sie wurden zumeist von der Forschung nicht mehr als eine Randnotiz behandelt. Manche von ihnen waren selbst zur Kaiserin gekrönt worden, andere erhielten diesen Titel aufgrund ihrer Ehe mit einem Kaiser und die berühmteste von allen, Maria Theresia, war überhaupt nie Kaiserin und blieb doch als solche bis heute im Gedächtnis Österreichs erhalten. Die Habsburg Spezialistin Sigrid-Maria Größing ist dem Phänomen Kaiserin nachgegangen und hat diese Frauen in ihrem jüngsten Buch „Habsburgs Kaiserinnen, Rätsel und Schicksale der geheimen Herrscherinnen“ (Ueberreuter 2017) aus dem Dunkel der Geschichte herausgeleuchtet. Das Erstaunliche dabei: Auch etliche ihrer Gatten, die zu ihrer Zeit ein riesiges Reich beherrscht haben, sind mittlerweile dem allgemeinen Vergessen anheim gefallen. Wer außer einem Historiker kann sich auf Anhieb mit Friedrich III. etwas anfangen, abgesehen vielleicht von seinem Wahlspruch AEIOU, mit dem er der Welt bis heute ein ungelöstes Rätsel aufgegeben hat.

Maria Anna, Gemahlin von Ferdinand I. (aus dem Buch Habsburgs Kaiserinnen)

Oder mit Maximilian II., von dem man hier erfährt, dass er vor der Heirat ein zügelloser Lüstling war, von seiner Frau Maria von Spanien aber zur Räson gebracht wurde und die beiden in einer durchaus harmonischen Ehe lebten.

Maria Ludovika, Gemahlin von Franz I.

Es ist wohl dem erzählerischen Können der Autorin zu verdanken, dass sich die Geschichten um die einzelnen Kaiserinnen auch für einen Laien kurzweilig lesen. Man trifft die arme reiche Kaiserin Bianca Maria Sforza von Mailand, die das Unglück hatte, mit dem viel älteren Maximilian I. verheiratet zu werden. Sie galt, so Sigrid-Maria Größing, als Goldmädchen, das der sich stets in Geldnot befindliche Kaiser nicht ausschlagen konnte. Sie schreibt, dass das Aussehen dieser jungen Frau dem Brautwerber einigermaßen bedeutungslos war. „Er sehnte sich nicht nach einer neuen Frau, ihm ging es lediglich um die blanken Dukaten.“ Er kümmerte sich nicht um seine Gattin und trug dazu bei, dass sie sich, nachdem ihr Vermögen verbraucht war, zu vernachlässigen anfing.

Halb verhungert, fristete sie ihr Dasein, ohne Mann und Kind zog sie im Lande umher und nirgendwo erkannte man in der heruntergekommenen Frau mit dem eisgrauen Haar die einstmals steinreiche Gemahlin des Kaisers.

Das Kapitel, das Elisabeth, kurz Sisi, gewidmet ist, erscheint erstaunlich kurz im Vergleich zu allen den Mythen um diese Kaiserin, mit denen ganze Bibliotheken gefüllt worden sind. Sigrid-Maria Größing zieht kurz und lapidar den Schluss, dass Elisabeth nur im Film eine Märchenkaiserin war und dass „es herzlich wenig war, was diese Frau zu ihren Lebzeiten für das Land, in dem sie Kaiserin war, bewirkt hat.“ Feststellungen wie diese bergen natürlich Sprengstoff in sich und dürften nicht unwidersprochen bleiben. Aber was könnte einem Buch besseres passieren, als diskutiert zu werden, um auf diesem Weg ein bisher eher unbearbeitetes Kapitel der nicht unwesentlichen Geschichte der Habsburger einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen.


Sigrid-Maria Größing: Habsburgs Kaiserinnen, Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2017, IBN 978-3-8000-7681-8-9, Preis € 21,95

Eleonore Magdalena von der Pfalz, Gemahling Leopold I. (aus dem Buch Habsburgs Kaiserinnen)
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