Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Bühne von Unser Theater im Festsaal der Bezirksvorstehung Döbling

„Eine Frau in Gefahr“ – erfolgreiche Mördersuche in Döbling

Manfred Baatz (Poirot), Karl Vojtisek (Hastings) © Hans Prammer

Ein spannendes Wiedersehen mit einem selten gespielten Krimi von Agatha Christie

Man trifft sie alle wieder, alle die Typen, die man von der großen Engländerin Agatha Christie kennt. Es gibt die attraktiven Damen mit den schönen unschuldigen Augen, denen man nie im Leben eine Untat zutrauen würde, den grimmigen Fremden, der wie ein Gespenst im unerwarteten Moment auftaucht, den Butler, der aufgrund seiner zwielichtigen Machenschaften von vornherein verdächtig ist, den unsympathischen Rechtsanwalt, den man so gerne als Täter sehen möchte, oder den ein bisserl patscherten englischen Captain Hastings, dessen Aufgabe ausschließlich darin besteht, als Begleiter des berühmten Hercule Poirot dessen Genialität zu unterstreichen. Poirot ist natürlich der einzige, der die fein geknüpften Gespinste der Untaten durchschaut und am Ende entwirrt, und zwar in einer derart unterhaltend einleuchtenden Weise, dass man sich als Zuschauer fragt, warum man nicht selbst von Anfang an die gleichen Schlüsse gezogen hat. Am Ende sagt man sich: „Eh klar!“, aber dann ist es zu spät.

Claudia Vörösmarty, Christian Joannidis, Veronika Ertl © Hans Prammer

Und außerdem, hätte man es vorher schon gewusst, dann wär´ es ja kein Fall gewesen, den nur der belgische Meisterdetektiv, sondern auch der von Natur aus einfältige örtliche Kieberer der englischen Polizei lösen hätte können.

Isabella Krankl-Weber, Sascha Merényi (Ehepaar Croft) © Hans Prammer

In „Eine Frau in Gefahr“ geht es um geheimnisvolle Anschläge auf die elegante junge Maggy Buckley, Herrin auf Haus Friedenshöh, um eine Erbschaft und das damit verbundene Testament, und einen Mord an einer scheinbar vollkommen Unbeteiligten, für den sich nicht zu Unrecht der zufällig anwesende Hercule Poirot ordentlich schämt. Dass die Kusine Maggies, Marge Buckley, erschossen wurde, ist nicht zuletzt seine Schuld, denn er hätte schon vorher die richtigen Schlüsse ziehen müssen.

Die Lösung des Puzzles gelingt ihm erst nach eingehender Beschäftigung mit den verzweigten Verhältnissen innerhalb dieser illustren Gesellschaft, was natürlich wie in diesen Kreisen üblich, etliche inspirierende Cognacs, Martinis und Whiskys erfordert. Derart beflügelt, lassen sich kriminelle Abgründe von bisher völlig unbescholten scheinenden Mitmenschen um einiges leichter verklickern. Die Folge sind entsetzte Gesichter von Ladies und Gentlemen, aus denen der Horror des eben Erfahrenen jedoch umgehend entschwindet, wenn es heißt: Täter tot, alles gut!

Manfred Baatz (Hercule Poirot) © Hans Prammer

Ein solches Stück bietet eine stattliche Anzahl von Rollen, angefangen vom Kellner Henry (Claudio Trimmel) über den braven Inspector Weston (Alexander Bogensberger) und das reizend einfältige Pärchen Frances Rice (Veronika Ertl) und Teddy Ord (Christian Joannidis), den aalglatten Rechtsanwalt Charles Vyse (ganz in seinem Metier: Niklas Hintermayer) und Commander George Challenger (Thomas Maszar) bis zum seltsamen Ehepaar Croft (Sascha Merényi, Isabella Krankl-Weber). Als grauslicher Fremder erschreckt Karl Tattyrek die Zuschauer, ganz im Gegensatz zu seiner sonstigen Tätigkeit als launiger Vertreter des Wiener Schmähs. Claudia Vörösmarty ist die schöne Maggie Buckley und Johanna Habring deren ebenso hübsche Cousinen Marge und Pamela. Butler Gilder wurde von Prinzipal Reinhard Mut übernommen, der sich mit den Schnüffeleien von Captain Hastings (Karl Vojtisek) und von Hercule Poirot in seinem Reich nicht abfinden will. Manfred Baatz hat seinen Peter Ustinov wohl studiert und hält die Handlung vom ersten Auftreten bis zur Lösung des Falles amüsant am Kochen.

Nachdem „Unser Theater“ eine Laienbühne ist, war die Besetzung zumindest kein finanzielles Problem. Edith Weindlmayr-Mut, von der Theaterleidenschaft gleichermaßen wir ihr Gatte Reinhard besessen, stellte die verzwickte Geschichte auf die Bühne im Festsaal der Bezirksvorstehung Döbling. Man spürt das Bemühen, ihren Amateurdarstellern den Geist der Figuren von Agatha Christie einzuhauchen.

Es wurde bei der Premiere auch mit großem Einsatz und versuchter Unterdrückung der Nervosität gespielt. Bei hin und wieder eintretenden Hängern half die Regisseurin als Souffleuse dem Gedächtnis derer da draußen auf der Bühne nach und kleine Pannen wurden vom Publikum mit einem wohlmeinenden Lächeln quittiert. „Unser Theater“ ist schließlich kein Profibetrieb, macht aber auf seine Weise wertvolle Kulturarbeit und vor allem charmante Unterhaltung.

Unser Theater Ensemble von Ene Frau in Gefahr © Hans Prammer
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