Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Oskar Kokoschka, Der Prager Hafen, 1936 © Belvedere Wien

KLIMT IST NICHT DAS ENDE, sondern Aufbruch in eine neue Kunst

Béla Kádár, Stadtbild mit Brücken, um 1921 © Deák Collection, Székesfehérvár

Malen auf den Trümmern der Habsburgermonarchie

Das Belvedere versucht mit dem Titel der Ausstellung „Klimt ist nicht das Ende Aufbruch in Mitteleuropa“ (bis 26.. August 2018) zu provozieren. Warum sollte Gustav Klimt das Ende sein?! Er starb 1918, in dem Jahr, als die über viele Jahrhunderte bestehende Monarchie zerbrach und Untertanen in eine neue Zeit entließ. Bis dahin hatte sich die Kunstwelt um Wien gedreht. Man hatte sich nach den Tendenzen der Hauptstadt zu richten, um als Maler überhaupt wahrgenommen zu werden. In Wien wurde studiert und hier fanden die richtungweisenden Ausstellungen statt. Von einem Tag auf den anderen standen die Künstler vor einer vollkommen neuen Voraussetzung. Sie waren nun tschechische, slowakische oder ungarische Maler, die ihrer Herkunft verpflichtet waren, aber dennoch nicht an den internationalen Trends, die damals kraftvoll von Frankreich ausgingen, vorbeisehen konnten. Ihre Werke sind nun zum Teil erstmals in Wien zu sehen. Beleuchtet werden dabei die letzten Jahre des Habsburgerreiches.

Gustav Klimt, Johanna Staude, 1918 © Belvedere, Wien

Was aber viel spannender ist, sind die nächsten beiden Jahrzehnte, in denen sich in den neu entstandenen Ländern eine Kunst zu etablieren begann, die zwar in die damaligen Strömungen eingebettet war, in ihrer Art aber das eigenständige Gedankengut der jeweiligen Nation widerspiegelt. Es gelang erstaunlicherweise trotz immensen Eigensinns, über die neuen politischen Grenzen hinweg zu kommunizieren, kosmopolitische Netzwerke und Vereinigungen zu schaffen, ohne als Heimatverräter gebrandmarkt zu werden.

Maximilian Oppenheimer, Klingler-Quartett, 1917 © Belvedere Wien

Diese Botschaft ist vielleicht die wesentlichste dieser Ausstellung, die Werke von Josef Capek, Ernő Schubert oder Antonin Prochaska neben letzten Arbeiten von Gustav Klimt und Egon Schiele oder den bahnbrechenden Gemälden eines Oskar Kokoschka zeigt. Trotz aller Antipathie gegen Angehörige eines anderen Volkes verstanden sich die Kreativen als Gemeinschaft, die nicht vor einer Kooperation mit Angehörigen einer ehemals verhassten Nation zurückscheute. Der Ort, an dem man sich traf, war jedoch nicht mehr Wien, sondern Berlin oder Paris. Mit der Künstlern eigenen Sensibilität wurde das Aufkommen der Nazis beobachtet.

So hat John Heartfield, eigentlich Helmut Herzfeld, eine Kröte vor eine Sonne mit Hakenkreuz fotografisch montiert. Das Bild betitelt der mit „STIMME AUS DEM SUMPF“. Sein Kommentar: Dreitausend Jahre konsequenter Inzucht beweisen die Überlegenheit meiner Rasse! Róbert Berénys „ Zu den Waffen! Zu den Waffen!“ (1919). Es ist ein erschreckender Aufruf zur Gewalt, ebenso wie János Tábors brutale Propaganda „Rote Soldaten vorwärts“ (1919).

Deren Hass scheint erst durch andere Künstler wie János Mattis-Teutsch mit seiner in Richtung Abstraktion gehende „Symmetrie“ (1927) überwunden. Ob es die Schreckensvisionen eines Alfred Kubin oder die harten Kriegsbilder von Bohumil Kubišta sind, sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind Zeugnisse einer Zeit, in der sich Auseinanderstreben und der Wille des Zusammenfindens fast gleichstark messen, aber in ihrer Konfrontation ungemein starke Kunst entwickelt haben.

Ausstellungsansicht "Klimt ist nicht das Ende Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien
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