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Gewinnspiel

 

an. Ein Mail mit dem Betreff WELTMUSEUM öffnet sich. Name und Adresse eintragen und abschicken. Den Gewinnern werden die Eintrittskarten postalisch zugeschickt.

Einsendeschluss ist der 31. Dezember 2017.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Sonderausstellungsansicht "Sharing Stories. Dinge Sprechen" © KHM-Museumsverband

WELTMUSEUM WIEN als Ort der Begegnung unterschiedlicher Kulturen

Altmexikanischer Federkopfschmuck „Penacho“ © KHM-Museumsverband

Ein kritischer Blick auf Museomanie und die Entstehung von ethnographischem Wissen

Nach etlichen Jahren haben wir wieder ein Museum für Völkerkunde, besser gesagt, ein Museum, das uns die Menschen dieser Welt zeigt, eben das Weltmuseum. Man ist stolz auf gewaltige Sammlungen, die im Laufe der Zeit die Bestände des Museums gefüllt haben. Sie umfassen den gesamten Erdkreis und wurden von verschiedensten Leuten nach Wien gebracht; von Forschern, von Mitgliedern des Corps diplomatique, aber auch von reisenden Adeligen und den Habsburgern wie Erzherzog Franz Ferdinand, der nach eigener Aussage an Sammlerwahn und Museomanie litt. Die überbordende Fülle an ethnographischen Objekten erlaubte es, den Besuchern des Museums, das ab 1876 Teil des k. k. Naturhistorischen Museums war und ab 1928 als Museum für Völkerkunde in der Neuen Hofburg eingerichtet war, mit laufenden Ausstellungen jeweils eine ganz bestimmte Sicht auf ferne Völkerschaften zu zeigen. Man tut den einstigen Gestaltern Unrecht an, wenn man ihre Arbeit herabwürdigt. Es gab großartige Ausstellungen, die modernster Wissensvermittlung dienten.

Zwei Hofzwerge © KHM-Museumsverband

Mit Fernreisen, TV-Dokumentationen und nicht zuletzt deswegen, weil eben Menschen aus der ganzen Welt auch nach Österreich gezogen sind, wurde der bisherige Betrieb jedoch problematisch. Er erschien unter mittlerweile radikal veränderten Vorzeichen antiquiert, oder wie es Direktor Steven Engelmann im Rahmen der Eröffnung ausgedrückt hat, beleidigend für die diesbezüglich Betroffenen. Man ist deswegen auf die Wurzeln dieser Wissenschaft zurück gegangen und versucht diese unter Verwendung der vorhandenen Sammlungen kritisch zu beleuchten.

Einblick Saal "Sammlerwahn. Ich leide an Museomanie!"  © KHM-Museumsverband

Der Besucher des neuen Weltmuseums erfährt, dass Ethnographische Museen zu Zeiten des Kolonialismus entstanden sind. Dass dabei stets die Arroganz einer „zivilisierten“ Bevölkerung Mitteleuropas gegenüber den von ihnen beherrschten „Primitiven“ mitgeschwungen hat, versteht sich von selbst. Die ehemaligen Kolonien haben nach dem Zweiten Weltkrieg sukzessive ihre Unabhängigkeit erkämpft bzw. erlangt, so Dr. Claudia Augustat, Kuratorin der Sammlung Südamerika.

Sie schreibt dazu, dass die Zeit in den ethnographischen Sammlungen still zu stehen schien. Das Völkerkundemuseum hatte als „Gebrauchsanleitung für exotische Völker“ ausgedient. Die seit 2013 neue Bezeichnung „Weltmuseum“ soll signalisieren, dass es Wien und Österreich mit der Welt verbindet und als Ort der Begegnung dienen soll. Vielstimmigkeit ist angesagt. Es kommen auch diejenigen zu Wort, deren eigene Vergangenheit anhand der Sammlungen dargestellt wird. Wissenschaftler aus den Herkunftsländern und Vertreter der Diaspora-Gemeinden in Wien wurden medial in die Ausstellung miteinbezogen, ohne Scheu vor kontroversen Ansichten, durch die auch Besucher zu Diskussionen angeregt werden sollen.

Ausstellungsansicht Saal Geschichten aus Mesoamerika © KHM-Museumsverband

Angesichts dieser Voraussetzungen stellt sich freilich die Frage, was nun tatsächlich im neuen Weltmuseum Wien gezeigt wird. Es kommt ganz darauf an, bei welchen der vier Eingänge im Mezzanin die Runde durch die 14 Säle begonnen wird. Um einen entsprechenden Eindruck von den Neuerungen zu erhalten, sei der Zugang links vom Haupteingang und die Gehrichtung nach rechts empfohlen. In einer weiß gehaltenen Ausstellungsarchitektur wird man unmittelbar mit der oben beschriebenen Problematik konfrontiert. Ein Wandtext erzählt von einem Kulturkampf, der Ende des 19. und zu Beginn des 20.Jahrhunderts in Wien getobt hat. Pater Wilhelm Schmidt vom Missionsorden SVD sah in der aufstrebenden Wissenschaft der Völkerkunde eine Möglichkeit, die kirchliche Soziallehre zu untermauern. Deren Grundlagen muten heute sonderbar verschroben und lächerlich an, damals wurden sie aber ernst genommen. Die Menschheitsentwicklung setze im Paradies ein, Monogamie sei die Urform menschlicher Beziehung und Gott habe sich von Anbeginn seinen Geschöpfen offenbart.

Um seine Theorien zu beweisen, regte Wilhelm Schmidt Mitbrüder an, die materielle Kultur und die religiösen Vorstellungen „niederer Jäger“ zu dokumentieren. Er war der Meinung, dass die in dichten Urwäldern lebenden „Urvölker“ der Schöpfung am nächsten stünden. Die von ihm verfasste „Universalgeschichte der Menschheit“ ist überholt, geblieben sind die dabei entstandenen Sammlungen als wertvolles kulturelles Erbe.

Ausstellungsansicht "Ein Dorf in den Bergen" © KHM-Museumsverband

Einige Räume später ändert sich das Aussehen der Dauerausstellung entschieden. Man wandelt wie in früheren Tagen durch dunkle, üppig gestaltete Schauräume, wohl gefüllt mit „Gegenständen mit Migrationshintergrund“ (© Steven Engelmann). Ein Prunkstück ist das Modell einer Daimyô-Residenz der Edo-Periode. Anlässlich der Wiener Weltausstellung 1873 hatte auch Japan die Öffnung nach dem Westen vollzogen und war bestrebt, sich als moderner Staat zu präsentieren.

Ein kultureller Austausch mit Europa setzte ein und zeitigte nicht zuletzt die Kunstrichtung des Japonismus als eine der Grundlagen des Jugendstils. Begegnungen mit dem Verlorenen Paradies betitelt sich die Sammlung mit Artefakten aus der Südsee. Zentrales Objekt ist die Federbüste eines Gottes aus Hawaiʻi, die James Cook von seinen Reisen mitgebracht hatte. Abenteuerlicher noch als die Unternehmungen des englischen Seefahrers nimmt sich die Geschichte aus, wie dessen Sammlung nach Wien gelangt ist. Die Briten selbst dürften nur wenig Interesse daran gezeigt haben und ließen sie 1806 in London versteigern. Bestbieter war Kaiser Franz I., der dem Weltmuseum damit einen unschätzbaren Dienst geleistet hat. Einen besonders innigen Bezug zur Gegenwart vermittelt „In eine neue Welt“ mit den „First People“ Nordamerikas, kuratiert von Gerard van Bussel, der damit das Anliegen des neuen Weltmuseums auf den Punkt bringt.

Für ihn zeugen heilige Gegenstände, Werkzeuge und Menschen selbst von ihrer Identität und Herkunft. Er schreibt dazu. „Diese Tradition setzt sich heute im Gebrauch von Flaggen, Kleidung und moderner Kunst fort ... und ermöglicht ein Leben in beiden Welten. Jede wehende Stammesfahne, jedes moderne Kleidungsstück mit traditioneller Symbolik oder die Herstellung traditioneller Kunst teilt der Welt eindeutig mit: Wir sind immer noch hier!

Einblick in den Saal "In eine neue Welt" © KHM-Museumsverband
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