Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht © KHM mit MVK und ÖTM

Eine Ausstellung als Verbeugung vor dem Gründer des Museums

Erzherzog Franz Ferdinand mit geschossenem Elefanten Foto: Eduard Hodek junior © KHM mit MVK und ÖTM

Franz Is Here! Schießt Elefanten, jagt nach Souvenirs und spricht mit der Stimme von Obonya

1906 ließ Erzherzog Franz Ferdinand den Corps de logis-Trakt der Neuen Hofburg für seine sammlerischen Bedürfnisse adaptieren. Vorangegangen war eine 10-monatige Weltreise von 1892 bis 1893. Sie hatte den designierten Thronfolger in (damals) unbekannte Länder und Kontinente geführt. Grund dafür war die Neugier, oder wie er selbst in seinem Tagebuch festhält, „aus der persönlichen Anschauung anderer Erdtheile, aus dem Einblick in fremde Staatsgebilde und Gemeinwesen, aus der Berührung mit fremden Völkern und Menschen, mit ausländischer Cultur und Sitte Belehrung“ zu gewinnen, sowie „aus der Besichtigung wundersamer Werke, aus der Betrachtung fremdartiger Natur und ihrer unerschöpflichen Reize Genuss“ zu schöpfen.

 

Obwohl es sich im Grunde dabei um nichts anderes als eine kombinierte Besichtigungs- und Jagdreise handelte, die durchaus der familiären Tradition der Habsburger entsprach, hatte sein Onkel, Kaiser Franz Joseph, keineswegs seine wahre Freude damit.

Tanzmaske, Malanggan-Totenritual Papua Neuguinea) © KHM mit MVK und ÖTM

Schließlich und endlich ließ er den nur mäßig geliebten Neffen doch ziehen. Das modernste Kriegsschiff der k.u.k. Kriegsmarine, der stattliche Torpedo-Rammkreuzer „Kaiserin Elisabeth“ war gerade gut genug für dieses Unternehmen. Anders als bei etlichen anderen europäischen Reichen war dieses martialische Gefährt nicht auf koloniale Eroberungen aus, sondern stand wie schon etliche Jahre zuvor die Fregatte „Novara“ im Dienste der Forschung.

Erzherzog Franz Ferdinand & Mahbub Ali Khan Foto: Lala Deen Dayal © KHM mit MVK und ÖTM

Im Laufe der Reise füllte sich der Bauch des Schiffes mit Sammelgegenständen, mit ethnographisch durchaus wertvollen „Souvenirs“, die teils fair angekauft und peinlichst genau verbucht wurden, und teils mit Jagdtrophäen. Der Jäger Franz Ferdinand war bekanntlich ein schusswütiger Nimmersatt. Statt der heimischen Zwölf- und Vierzehnender, von denen er unzählige erlegt hat, hatte er nun Elefanten und Tiger vor der Flinte – und er nützte weidlich die Gelegenheit. Alles und jedes wurde von ihm penibel im Tagebuch notiert, auch Reflektieren und Staunen über das persönliche Verhalten: „Eigenthümlich ist die Kaufmanie, die den Reisenden in fremden Ländern so leicht erfasst. Er fühlt sich gedrängt, jede Kleinigkeit, ob schön, ob hässlich, mitunter sogar argen Tand zu erwerben, nur um etwas für den betreffenden Ort Charakteristisches heimzubringen.

Nachdem Franz inkognito als Graf Artstetten von Nordamerika wieder in sein „geliebtes Wien“ heimgekehrt war, strömten die Wiener in Scharen herbei, um die Beute ihres Erzherzogs zu bestaunen. Nicht zuletzt dieses Interesse seiner „Unterthanen“ veranlasste Erzherzog Franz Ferdinand, seinen „Schätzen“ den ihnen gebührenden Raum und Rahmen zu geben.

Ankunft Franz-Ferdinands von Österreich-Este in Tokyo August 1893  © KHM mit MVK und ÖTM

Das Weltmuseum Wien dankt es ihrem Gründer mit einer Ausstellung zum hundertsten Jahrtag seiner Ermordung in Sarajewo: „Franz Is Here! Franz Ferdinands Weltreise um die Erde“ (bis 2. November 2014). In wunderbar altmodisch anmutenden Vitrinen, aber bestens ins Licht gesetzt, wird ein kleiner, aber feiner Teil der Sammlung gezeigt.

Was immer der wahre Beweggrund für solch hemmungslose Sammlerei gewesen sein mag, eins kann nicht bestritten werden: Franz Ferdinand hat damit der Wissenschaft, im Besonderen der Völkerkunde, einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Auszüge aus seinem Reisetagebuch, also seinen intimen persönlichen Aufzeichnungen, führen dabei den Besucher rund um die Welt und erhellen Teile dieser bis heute umstrittenen Persönlichkeit, der in dieser Ausstellung niemand Geringerer als Burgschauspieler Cornelius Obonya seine Stimme leiht.

 

„Moctezumas Federkrone“ – erforscht und präsentiert

Penacho,

Mythos und Wahrheit

In seinem Roman „Die dritte Kugel“ beschreibt Leo Perutz 1915 mit großer dichterischer Freiheit die Eroberung des Aztekenreiches durch Hernán Cortés. Seine bildhafte Darstellung der Geschehnisse mag die Fantasie seiner Zeitgenossen angeregt haben, eine altmexikanische Federkrone dem legendären Aztekenherrscher Moctezuma (Montezuma) II. zuzuschreiben; möglicherweise angeregt durch die Wissenschaft, die sich kurz vor Erscheinung dieses Romans überhaupt erst darauf geeinigt hatte, dass es sich bei diesem zwar prächtigen, aber längst äußerst restaurierungsbedürftigen Artefakt um einen Kopfschmuck handelte (1908).

 

Wer tatsächlich den „Penacho“, so die mexikanische Bezeichnung, getragen hat, weiß man nicht. Man kennt aber zumindest einige Stationen, die er aus Mexiko auf seinem Weg ins Museum für Völkerkunde durchgemacht hat. 1596 wird er im Nachlassinventar zu den Rüstkammern und der Kunstkammer des Tiroler Landesfürsten Erzherzog Ferdinand II. auf Schloss Ambras (nahe Innsbruck) als „ain mörischer Huet“ erwähnt. Während der Napoleonischen Kriege gelangte er nach Wien, wo er 1878 von Ferdinand von Hochstetter entdeckt und nach einer Restaurierung im k. k. Naturhistorischen Hofmuseum öffentlich gezeigt wurde.

 

Im Rahmen eines Kooperationsprojektes untersuchte nun 2010-2012 eine österreichisch-mexikanische Expertenkommission den gegenwärtigen Zustand und widmete sich seiner historischen Bedeutung. Diese breite Basis der Zusammenarbeit erklärt sich im Fall des „Penacho“ mit der Einzigartigkeit des Objektes. Er ist der letzte seiner Art, in seiner Pracht absolut einmalig und aufgrund der hauptsächlich verwendeten organischen Materialien konservatorisch äußerst anspruchsvoll. Zudem erfordert gerade dieser Kopfschmuck aufgrund seiner „politischen“ Bedeutung ein äußerst sensibles Vorgehen aller Beteiligten.

l.o.& Titelseite: Federkopfschmuck Mexiko, Azteken, frühes 16. Jahrhundert, Museum für Völkerkunde, Wien, Inv. Nr. 10.402

r.o.: Der Quetzalvogel (Pharomachrus mocinno) lebt in den oberen Baumbereichen der Nebelwaldgebiete Mittelamerikas. Durch Vernichtung der Wälder und die Jagd ist der Quetzal heutzutage stark bedroht.

Leiste: Abzeichen oder Fächer Zentralmexiko, 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts, Museum für Völkerkunde, Wien, Inv. Nr. 43.381


 

Die Ergebnisse werden nun in einer umfassenden Publikation und einer Ausstellung präsentiert. Durch schmale Gänge mit eingezogenem Licht auf die einzelnen Schauobjekte wird der Besucher auf die unmittelbare Begegnung mit dem Penacho vorbereitet. Wenn man ihm schließlich ehrfürchtig gegenübersteht, sollte man bereits wissen, dass seine prächtigen Federn vom Quetzal stammen, einem nicht zuletzt wegen seiner Schwanzfedern in seiner Art bedrohten Vogel, dass der Kopfschmuck im Laufe seines Aufenthaltes in der Alten Welt als Schürze oder als Standarte angesehen worden war und dass zu seiner Zeit kunstvoller Federschmuck an sich als Zeichen von Hoheit und Würde angesehen wurde.


Das  Buch zur Ausstellung:

Sabine Haag, Alfonso de Maria y Campos, Lilia Rivero Weber, Christian Feest (Hg.)

DER ALTMEXIKANISCHE FEDERKOPFSCHMUCK

ZKF Publishers, Altenstadtd 2012, ISBN: 978-3-9811620-5-9, Preis € 19,90


 

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