Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Karl Marx in Wien Ausstellungsansicht

KARL MARX IN WIEN Ein anschaulicher Besuch

Karl Max in Wien Ausstellungsansicht

Das Rote Wien und das Andenken an den sozialistischen Vordenker

Über 1,1 Kilometer erstreckt sich in Wien Heiligenstadt der „längst zusammenhängende Wohnbau der Welt“. Benannt wurde er nach dem deutschen Philosophen, Ökonomen, Gesellschaftskritiker und Journalisten Karl Marx. Mit diesem Namen verbindet sich sofort der Satz „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“, dem Aufruf am Ende des sogenannten kommunistischen Manifests, verfasst von Marx und Friedrich Engels. Zur Zeit seiner Errichtung waren in Wien die Sozialisten am Ruder. Man kann davon halten, was man will, aber sie haben die Stadt, den von der Monarchie verbliebenen Wasserkopf, mit fortschrittlichen Initiativen für ihre Bewohner lebenswert gemacht. Dazu gehörte auch der Wohnbau, der den Menschen ein würdiges Dasein ermöglichen wollte und sie, wie man an den „Februarereignissen“ 1934 sehen kann, auch als Trutzburg die Sozialisten schützen sollte. Dem geistigen Gründer dieser politischen Weltanschauung, eben Karl Marx, wurde mit der Benennung dieses für seine Zeit ungemein modernen Wohnhauses eine längst schuldige Reverenz erwiesen. Sein 200. Geburtstag am 8. Mai 2018 ist nunmehr Anlass, ihm eine Ausstellung zu widmen.

Karl Marx in Wien Ausstellungsansicht

Im Waschsalon, dem ehemaligen Tröpferlbad im Karl Max Hof, wird den Spuren von Karl Marx in Wien und dem Geschehen bis zum Ende des Roten Wien nachgegangen. Dem Grafiker P. M. Hoffmann wurde die Aufgabe übertragen, Geschichte auf Tafeln nachzuzeichnen, zu verdichten und so zwischen Wandbildern, wie wir sie noch aus der Schule kennen, und zum Hinsehen einladenden Comics anschaulich zu machen. Das für das Verständnis nötige Wissen findet sich auf der Rückseite und wurde von den Kuratoren Lilli Bauer und Dr. Werner T. Bauer erarbeitet. Ein wichtiger Abschnitt ist dabei der Besuch von Karl Marx in Wien. Noch wenige Tage vor seiner Ankunft jagte die Nationalgarde eine große Demonstration von Wiener Arbeitern gewaltsam auseinander. Die sogenannte Praterschlacht forderte 18 tote Arbeiter, vier tote Soldaten und 282 Verletzte.

Am Sonntag, 3. September 1848, also wenige Tage danach, ist Karl Marx Zeuge der „großen Leichenfeier für die am 23. August gefallenen Arbeiter“, die sich zur mächtigsten Demonstration seit den Märztagen dieses Revolutionsjahres entwickelt. Vom prominenten Gast dürfte man in diesen Wirren wenig wahrgenommen haben, denn Marx reist am 7. September 1848 wieder nach Berlin ab und ist enttäuscht, dass es ihm nicht gelungen ist, größeren Einfluss auf die Wiener Arbeiterschaft auszuüben. Sarkastisch nennt er Österreich „das europäische China, das einzige Land, dessen innere Einrichtungen nicht durch die französische Revolution erschüttert wurden...“ Der Sozialismus hat sich dennoch auch hierzulande durchgesetzt, trotz erbitterter innerer Richtungskämpfe, bei denen man auch vor gegenseitigen Beschimpfungen nicht zurückgeschreckt ist. Die böse Bemerkung hat man Marx auch verziehen. Sein Name prangte an der Fassade über der Menschenmenge, die sich am 12. Oktober 1930 zur feierlichen Eröffnung eingefunden hatte und der von Bürgermeister Karl Seitz der wunderschöne Satz zugerufen wurde: „Wenn wir einmal nicht mehr sind, werden diese Steine für uns sprechen!“

Karl Marx in Wien Ausstellungsansicht
Waschsalon Logo

Statistik