Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


 

Wein Guide Österreich Rot (und süß) 2013:

Zufrieden Gläser zählen

Ein kurzer Blick in den jüngsten Wein Guide (Österreich Rot 2013 – inklusive Österreichs beste Süßweine) genügt, um befriedigt festzustellen zu können, wie hoch das Qualitätsniveau hierzulande ist. Fünf Gläser gelten für das Team um Walter Tucek (Herausgeber und Chefredakteur) und Wolfgang Schmid (AIWS Herausgeber und Verkostungsleiter) als Höchstnote. Allein bei der Sorte Blaufränkisch finden sich 35 Weine, die damit ausgezeichnet wurden. Dass sich darunter auch Betriebe finden, die außerhalb der bekannten BF-Regionen liegen, vergrößert die Freude an dieser Erkenntnis.

Foto © Katharina Schiffl

Wolfgang Schmid, Germanos Athanasiadis, Willi Klinger, Walter Tucek bei der Präsentation am 10.12.2012

In Gesprächen mit „Fünf-Glas-Winzern“ anlässlich der Präsentation dieses Guides kam stets auch das Potential unseres Rotweines zu Sprache. Bewertet wurden die Jahrgänge 2009 und 2010, eigentlich alles noch Jugendliche, die zum Teil erst vor kurzem dem Fass entronnen und abgefüllt worden sind. Man durfte also bei jeder Kostprobe vorausdenken, manche kleine Spitze oder Unruhe einfach ignorieren, in der berechtigten Hoffnung, von diesen Weinen in einigen Jahren vielleicht noch ein Fläschchen zu ergattern oder sich einfach, mit einen Blick in den Wein Guide, rechtzeitig mit entsprechenden Vorräten davon einzudecken.

 

Das Rebenmuseum am Lieselehof in Kaltern – mehr als sehenswert

Denkanstöße zur Zukunft des Weines

„Mein größtes Geschenk, das ich in meinem Leben erhalten habe, ist die Rebe“, merkt Werner Morandell im Vorwort seines Buches dankbar an. Er ist leidenschaftlicher Weinbauer in Kaltern. Sein Anwesen, der Lieselehof, ist bekannt in ganz Südtirol. Einen Teil zu diesem guten Ruf trägt das Rebenmuseum bei. In der Nähe seines Hauses hat Morandell einen Weingarten mit 300 verschiedenen Rebsorten angelegt und damit einen Anziehungspunkt für Reben- und Weinexperten aus der ganzen Welt geschaffen.

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r.o.: Im Rebenmuseum auf dem Lieselehof

l.o.: Frühing auf dem Lieselehof

l.: Werner Morandell

Den überwiegenden Platz des Buches beanspruchen daher die PIWI-Reben. Gemeint sind damit kurz gesagt pilzwiderstandsfähige Züchtungen. Die verschiedenen Anbaumethoden werden kritisch gegenübergestellt, vom traditionellen und dem biodynamischen Anbau bis zu den genmanipulierten Reben, genauso wie die Krankheiten, für deren Bekämpfung findige Köpfe immer wieder nach neuen, für die Natur möglichst schonenden Wegen suchen.

 

Werner Morandell plädiert klar für den Anbau von PIWI-Sorten. In diesen Reben sieht er die Zukunft des Weinbaus. Er untermauert seine Ansicht mit acht Argumenten, unter anderem damit, dass richtiger biologischer Anbau ohne chemische Behandlung auskommen soll, Anbau ohne Spritzmittel appetitlicher, PIWI Anbau wirtschaftlicher (als die anderen Methoden) ist und pilzwiderstandsfähige Rebsorten innovativ und zugleich divers sind.


Erhältlich ist das Buch direkt am Bioweingut

 

Freilich wäre dem Rebenexperten Morandell sein Museum ein eigenes Buch wert. Aber seine kürzlich unter dem Titel „Meine Reben“ erschienenen Gedanken gehen weit darüber hinaus. Sie beginnen gründlich mit den ersten Wildreben und der Geschichte der Weinkultur. Es folgt ein Überblick über den italienischen Weinbau mit einer Vorstellung aller Regionen, um sich anschließend kurz in seiner nächsten Umgebung, in Südtirol, umzusehen, bevor der Text mit Anekdoten aus dem Rebenmuseum aufgelockert wird.

 

Was die Rebenzucht betrifft, ist Werner Morandell familiär „vorbelastet“. „Als Bub schaute ich im Winter fasziniert meinem Vater beim Rebenpelzen zu“, erinnert er sich, und hat sich so schon früh mit der Weinpflanze an sich intensiv beschäftigt. In seinem Buch beschreibt er detailliert, wie kompliziert und mühsam der eigentliche Kreuzungsvorgang abläuft, wie lange es bis zur ersten Verkostung dauert, und dass aus 30.000 Samen vielleicht erst nach 30 Jahren eine wertvolle Rebsorte übrigbleibt, die dann aber sogar das die Umwelt belastende Spritzen unnötig machen könnte.

Für Leseproben Bilder aus dem Buch (o. & u.) anklicken

o.: Solaris

u.: Cabernet Cantor

Er ist sich wohl bewusst, wie schwer es ist, einem Weinfreund Weine mit so klingenden Namen wie Muscaris, Aromera, Solaris, oder Cabernet Cantor nahezubringen. Um rechtzeitig Vorbehalten nach dem Motto, was der Bauer nicht kennt… zu begegnen, stellt er daher die PIWI-Reben einzeln vor, mit eingehender Beschreibung von Eigenschaften und Herkunft, einem durchaus Vertrauen einflößenden Bild, sowie einer beigelegten Karte seines Rebenmuseums, in der verlässlich der Standort der jeweiligen PIWI-Rebe vermerkt ist.

 

Der Weinpfarrer präsentiert österreichische Wein-Legenden

Hochwürdige Weine

Als Hans Denk vom Lieben Gott zum Arbeiter in dessen Weinberg berufen wurde, war die Sache mit dem Wein durchaus wörtlich gemeint. Denk ist ausgestattet mit einem sensationellen Sensorium, verfügt über ein unglaubliches Wissen um den Wein, und er hat die Gabe, die daraus gewonnen Eindrücke in wundervollen Formulierungen weitergeben zu können. Er ist nicht nur Seelsorger der kleinen Gemeinde Albrechtsberg im Waldviertel, er ist längst unser aller Weinpfarrer. Und wir lauschen gerne seinen „Predigten“.


Für Leseproben Bilder (© Pichler Verlag) anklicken.

Legenden sind an sich Geschichten von Heiligen, von Persönlichkeiten, die uns als Vorbilder auf dem Weg in den Himmel führen wollen. Einem Weinpfarrer muss es gestattet sein, diesen Ausdruck auch auf die Frucht des Weinstocks umzulegen und von legendären Weinen zu sprechen. Auch sie können uns in die (zumindest temporäre) Seligkeit entführen und eine Erhabenheit des Daseins vermitteln, die ohne den Wein versperrt bliebe wie das Tor zum Paradies.

 

In den Schatzkammern der bedeutendsten Winzer Österreichs ruhen solche Legenden. Etliche davon wurden für Hans Denk gehoben, von ihm verkostet und für legendär empfunden; wohl die besten, denn es fielen bemerkenswerte Sätze wie: „Ich bin zwar nicht unfehlbar wie der Papst, aber das weiß ich sicher: Dieser Wein ist ein Pinot wie aus dem Bilderbuch.“ (Weingut Paul Achs, Pinot Noir 2004) oder „Ein Wein, der sich dem Unsterblichen, dem Göttlichen nähert.“ (F.X. Pichler, Riesling Unendlich 2002).

Begleitet wurde der Weinpfarrer auf seiner Visitationsreise zu den großen Weinen von den Autoren Christina Fieber und Herbert Hacker. Sie haben das Ergebnis in einem Buch zusammengefasst und erzählen im jeweiligen Artikel über Weingut, Winzer und die Umstände, die für die Größe des jeweiligen Weines verantwortlich waren. Der Fotograf David Ruehm hat dabei Weinpfarrer und Weinmacher in sehr persönlichen Bildern festgehalten.


Christina Fieber, Herbert Hacker: Legendäre Weine Österreichs, präsentiert von Weinpfarrer Hans Denk, erschienen im Pichler Verlag 2011, ISBN 978-3-85431-529-2, Preis € 24,99.


Plädoyer oder Nachruf? Ein Genussbuch über Stoppelzieher

Von vielen Arten, den Kork zu ziehen

Das feine Plopp! wird seltener. Immer öfter hört man nur das kurze Knacksen, mit dem sich der Drehverschluss einer Weinflasche nach kurzem Würgen öffnet. Oder man hört gar nichts mehr, wie beim Glaspfropfen mit der Silikonauflage. Ganz verschwinden wird der Korken aber nie. Zu innig sind hohe Qualität des Inhalts und adäquater Verschluss des Flaschenhalses ineinander verquickt.


Das Stoppelziehen, wie man in Österreich zum Entkorken sagen darf, stellt den Weinfreund allerdings nicht selten vor Probleme. Es kann an nötiger Armeskraft, eher aber an geeignetem Werkzeug mangeln. Seit Flaschen mit Kork verschlossen werden, steht die dem Wein ergebene Menschheit vor diesem Problem und hat an dessen Lösung getüftelt.

 

Die daraus entwachsene Fülle an Formen und Patenten ist ohne Zahl. In logischer Folge waren Sammler von dieser Vielfalt fasziniert und haben ihre Leidenschaft dem Korkenzieher verschrieben. Es können mehrere Tausend Modelle sein, von denen keines wie das andere aussieht. Es kann sich um ein sachliches Stahlgewinde handeln, um hochtechnisierten Schnickschnack oder um verspielte erotische Figürchen mit Schraube an pikanter Stelle, alle verfolgen im Grunde nur den einen Zweck: Die Entfernung des Korkens aus dem Flaschenhals.

Ein in jedem Sinn anschauliches Buch stellt unter dem Titel PLOPP Die wunderbar verdrehte Welt der Korkenzieher vor. Erstaunlich, wie viel Witziges und G´scheites zu einem an sich einfachen Gegenstand unseres täglichen Gebrauches (jawohl, täglich im Gebrauch!) gezeigt und geschrieben werden kann: Anekdoten, Historisches, Technisches und Diskussionsstoff, der einen ganzen Abend lang bei gutem Wein für angeregte Gespräche sorgen kann.


PLOPP - Die wunderbar verdreht Welt der Korkenzieher. Rainer Schillings (Text), Ansgar Pudenz (Fotos), Verlag 99pages 2011, ISBN 978-3-942518-03-1, Preis € 20,60