Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Don Giovann oder der letzte Mann Ensemble © Sabine Hauswirth

Und wieder wird ein Klassiker durchs Lustspielhaus gezogen

Adi Hirschal, Gottfried Neuner, Gabriele Schuchter © Sabine Hauswirth

Don Giovanni,

eine humorige Abrechnung mit dem letzten Mann

Was Shakespeare und Hugo von Hofmannsthal recht sein musste, ist auch für Da Ponte und Mozart billig. Adi Hirschal hat den Drehbuchautor Max Gruber gewonnen, um ihm große Oper für das Wiener Lustspielhaus zurechtzuschneidern. Die Wahl ist auf Don Giovanni gefallen, um dem Prinzipal Gelegenheit zu geben, tief in der männlichen Seele verankerte Wunschvorstellungen zumindest auf der Bühne verwirklichen zu können. Der größte Aufreißer der Opernliteratur wurde zu einem Modeschöpfer umgewandelt, zu einem Vintage Lover, der in Zeiten von Frauenpower und Transsexualität ordentlich in die Krise kommt. Gehorsam seinem Motto „Die Treue ist ein Festhalten am Unmöglichen“ baggert er nur jedes erreichbare weibliche Wesen in seiner Umgebung an – aber das wissen wir ja ohnehin von Lorenzo Da Ponte – und kommt, wie auch in der Oper, nie wirklich zum Erfolg. Gruber hat sich zwar immer wieder ans Vorbild gehalten, die strenge Moralpredigt aber zu einer Mordsgaudi unserer Tage umgeschrieben.

Florian Haslinger, Sylvia Haider © Sabine Hauswirth

Wenn Adi Hirschal ruft, dann kommen auch die Schauspieler gerne. Für den Commendatore, Chef der „CASA DELLA MODA DA PONTE“, wurde der Altmeister des schrägen Humors, Peter Lodynski, gewonnen. Als alter Herr, der gerne einen Schluck zu sich nimmt, soll er seinem Chefdesigner mitteilen, dass er ihn nicht mehr braucht.

Don Giovannis Kollektionen sind Ladenhüter und die von ihm entworfene Mode alles andere als zeitgemäß. Eigentlich ist es das Angehen seiner attraktiven Tochter Anna (Sylvia Haider). Ein ehemaliges Verhältnis mit Don Giovanni hat aus ihr eine frustrierte machtgierige Frau gemacht, die es nicht erwarten kann, ihren Verlobten, den fügsam harmlosen Ottavio (Florian Haslinger) an der Stelle ihres mittlerweile gehassten Liebhabers zu sehen.

Betty Schwarz, Nikolaus Firmkranz © Sabine Hauswirth

Als Opernsängerin Elvira reiht sich Gabriela Schuchter in die Liste der abgelegten Verhältnisse ein. Der Vortrag Leporellos (Gottfried Neuner) aus dem Register seines sexsüchtigen Herrn zeigt Wirkung und lässt sie, getrieben von Rachegelüsten, sogar die höchsten Töne der Königin der Nacht treffen. Ein Mädchen vom Catering und ihr Freund, ein Beleuchter bei der Modeshow, werden zu Zerlina (Betty Schwarz) und Massetto (Nikolaus Firmkranz).

Sie gehen mit erfrischender Natürlichkeit mit den Verführungsversuchen Don Giovannis um. Zerlina wäre bereit fürs Abenteuer, für das Massetto allerdings kein Verständnis hat und ganz ungeniert den Ständchen singenden Schwerenöter in seinen neckischen Shorts kurzerhand verprügelt. Wie es eben ist, Don Giovannis haben, abgesehen vom Wiener Lustspielhaus, nichts mehr auf dieser Welt zu melden.

Adi Hirschal, Peter Lodynski © Sabine Hauswirth
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