Kultur und Wein

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Landessieger TBA: Sämling 2008, Weingut Heiss Maria (Illmitz)

Jetzt ist der Erfolg perfekt

Prädikatswein war für Franz Heiss sein ganzes Winzerleben lang ein Herzensanliegen und eine Aufgabe, die er stets auf seine ganz besondere Weise löste. Sein Süßwein soll fruchtig sein, schlank und animierend. Auf Frische, Duftigkeit und Eleganz wird größter Wert gelegt. Der Erfolg konnte damit gar nicht ausbleiben. Eine dicke Mappe ist voll mit Anerkennungen, hymnischen Beschreibungen seiner Süßen in internationalen Fachmagazinen, mit Rezepten, die Spitzenköche zu seinem Wein komponiert haben, und mit Bestenlisten von Wettbewerben, in denen sich sein Weingut regelmäßig ganz vorn befindet.

 

Auch der Sieg bei der Landesweinbewertung hat sich bereits abgezeichnet. „Unser schönster Wein ist der Sämling 88 Trockenbeerenauslese“, Franz Heiss holt einen Zeitungsausschnitt aus der Mappe, „bei Falstaff 2009 bester Süßwein, 2010 im Stechen um den Landessieger, bei der AWC beste Trockenbeere und die Weintrophy im Süßweinbereich.“ Mit der zweiten Füllung wurde dieser Wein nun Landessieger 2011, als vielleicht schönste Bestätigung für den richtigen Weg in einem speziell anspruchsvollen Bereich.

„Die meiste Arbeit macht das Wegnehmen der Geiztriebe“, erklärt ausgerechnet der Winzer, der – möglichweise als einziger – einen „Geiztriebwein“ in seinem Sortiment führt. Aber das, so Franz Heiss, ist eine ganz andere Geschichte. Aufgrund von Schnittverletzungen bildet die Rebe Geiztriebe, die sechs Wochen nach der Hauptblüte ebenfalls zur Blüte kommen. Bei der Sorte Bouvier werden sie bewusst am Stock belassen. „Er ist die früheste Sorte. Für Most und Sturm kann schon in der ersten Augustwoche geerntet werden, Mitte August für den Jungwein“, erklärt er, „dadurch werden die Stöcke entlastet. Ich kann die Geiztriebe nun wachsen lassen, und es bleibt so viel Kraft, dass sie schnell reifen.“ Die große Nachfrage seitens seiner Kunden bestätigt ihm die Qualität dieser Rarität.

 

Wer einen solchen oder auch jeden anderen Wein vom Weingut Heiss Maria für den eigenen Keller anschaffen will, muss sich allerdings schnell entschließen. 2011 wird der letzte in Flaschen abgefüllte Jahrgang sein. Franz Heiss selber ist bereits im Ruhestand, Betriebsführerin ist seine Frau Maria. Sie haben bisher alles selber und gemeinsam gemacht, sagt er, vom Rebschnitt bis zur Buchhaltung.

Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, so Franz Heiss, Sauberkeit: „Grundsätzlich wird lange entschleimt, kühl mit Reinzuchthefe vergoren und wiederum kühl gelagert.“ Beim gründlichen Entschleimen darf der Most über Nacht in einem Topf absitzen. Der Trub sinkt auf den Boden, der klare Saft wird behutsam zur Vergärung abgezogen.

Die eigentliche Basis für großen Wein wird aber bekanntlich im Weingarten geschaffen. Man braucht mit Franz Heiss nur eine Führung durch seine Rebanlagen zu machen, um zu verstehen, was damit gemeint ist. Es beginnt bei der mustergültig straffen Drahtbespannung, an der seine Stockreihen von weitem zu erkennen sind. Bei genauerem Hinschauen sieht man auch die Unterschiede am Austrieb auf den einzelnen Reben. Er ist nicht zuletzt das Ergebnis eines geschickten Schnittes, mit dem Frostschäden oder Auswirkungen von Schädlingsbefall abgefedert werden können.

 

Auf die Traube selbst wird natürlich das größte Augenmerk gelegt. Noch vor der Blüte, also am Gescheine, wird bereits alles Unnötige entfernt. Reduziert wird pro Stock auf acht Trauben, von denen noch eine zu lange Spitze abgezwickt wird. Solcherart Korrekturen gibt es den ganzen Sommer über, bis zum letzten Feinschliff vor der Ernte. „Ich hab´ schon von Kollegen gehört, dass sie bei mir nicht Wein sein wollen“, lacht Heiss, „aber jeder zusätzliche Handgriff, der den Wein verbessern kann, ist positiv und verfeinert das Ganze.

Begonnen wurde mit einem gemischten Betrieb der Eltern, der nach und nach zu einem reinen Weingut aus- und umgebaut wurde. Als Zusatzeinkommen werden Zimmer vermietet. Schließlich liegt das Weingut im Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel und damit in einem wunderbaren Erholungsgebiet am See und etlichen Lacken im Hotter (Gemeindegebiet) von Illmitz. An diesen seichten Gewässern, die teils über den Sommer austrocknen, tummeln sich Scharen von Wildgänsen und anderen Wasservögeln, die sich von den Radfahrern und Fotografen längst nicht mehr stören lassen.

 

Ein solcher Ausflug durch den Nationalpark muss ja nicht gerade durch die „Hölle“ führen. „Die Hölle ist reinster Sandboden, der im Sommer so heiß wird, dass man nicht draufsteigen kann“, erzählt Heiss, „und dieser Platz ist auch weit weg vom Dorf, das Hinkommen war also früher für die Leute sehr beschwerlich. Dann gibt es hier auch die Salzlacken, in denen beim Austrocknen der Boden weiß vom Salz wird – ein Naturschauspiel.“

Selbstverständlich wird auch dieser Sandboden für den Weinbau genützt. Dem nunmehr pensionierten Winzer wird´s schwer ums Herz, wenn er einen Rückgang der Weinanbaufläche feststellen muss. Wie es aber mit den eigenen Weingärten weitergeht, ist noch nicht entschieden, denn verpachtet wird bei ihm nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Seine Weingärten müssen genauso weitergepflegt werden wie bisher. Wenn sich niemand finden sollte, würde er auch aufs Geld verzichten.


In seinen Plänen für die Zukunft spielt Geld an sich keine Rolle. „Ich habe viel an Freizeit versäumt, die ich jetzt nachholen werde“, sagt Franz Heiss und meint damit: „Fürs erste Jahr gleich habe ich mir vorgenommen, drei Weinernten in der Welt mitzumachen.“ Die auf solchen Reisen erworbene Bildung soll – selbstverständlich auch gratis – seinen Freunden zugutekommen, „weil ich Freude dran habe, wenn bei ihnen für guten Wein mehr herausschaut.“


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Vinum Saxum: Wein für jeden Geschmack

Im Zeichen des Steines

Die besten Lagen des Weingutes Kugler liegen rund um den berühmten Römersteinbruch St. Margarethen. Aus diesem Sandstein wurden bereits Carnuntum erbaut, der Stephansdom und bedeutende Bauwerke an der Wiener Ringstraße. Große Bildhauer haben daraus Denkmäler geschaffen und damit die Bedeutung der darin Dargestellten für die Ewigkeit in Stein gemeißelt. Geblieben ist eine imposante Kulisse für Opernfestspiele und für die Passionsspiele, bei denen die gesamte Familie Kugler begeistert im Einsatz steht.


Auch die Familie selbst stützt sich auf den festen Grund des Zusammenhaltes. Neben Maria und Josef Kugler, den Eltern, ist mittlerweile auch die Jugend im Weingut eingebunden. Die ältere Tochter Angelika hat als Österreichische Weinkönigin mit ihrem Amt neben dem österreichischen Wein natürlich auch das elterliche Weingut in aller Welt bekannt und beliebt gemacht. Sohn Alexander werkt seit zwei Jahren fix im Betrieb. Victoria hat den ersten Teil ihrer Ausbildung in Klosterneuburg mit Matura und Diplomarbeit abgeschlossen und strebt derzeit im Rahmen eines Wirtschaftsstudiums an der Fachhochschule Eisenstadt einen BWL-Abschluss an. Die junge Frau ist überzeugt, dass für die neue Winzergeneration genau diese Wissens-Kombination ungemein wichtig ist, um in Produktion, Vermarktung und vor allem mit Fremdsprachen international bestehen zu können.

Es war also naheliegend, dass dieser Steinbruch, zumindest der Stein daraus, zum Wahrzeichen des Weingutes werden könnte. 1991 wurde aus dem Hubertushof in St. Margarethen Vinum Saxum. Aus der gemischten Landwirtschaft der Altvorderen war ein reines Weingut geworden, mit 13 Hektar, die seither von der Familie bewirtschaftet werden und behutsam auf 14 Hektar erweitert werden sollen. Ein dafür eigens angeschaffter Stein mit der Aufschrift Vinum Saxum steht unübersehbar im Hof des Weingutes, seit kurzem umgeben von Granitblöcken, Resten der eingestürzten Reichsbrücke, die auf ihre Weise den Zusammenhang zwischen Wein und Felsen, Vinum und Saxum, unterstreichen.

In diesem Punkt kann ihre Mutter bereits einiges an Erfahrung einbringen. Sie ist diejenige, die bisher die Weinmessen und Auslandsmärkte betreut hat. Sie weiß, wo man was und wie gerne trinkt. Was bevorzugt der Schweizer und was der Hamburger? Womit kann man sogar einen Salzburger gewinnen? Wo liegen die Unterschiede in den Trinkgewohnheiten zwischen Mann und Frau? Die Weinkarte von Vinum Saxum weist daher eine beachtliche Anzahl von Sorten auf, bei der jeder Gusto und jede Vorliebe für diesen oder jenen Wein fündig werden kann.

 

Von Maria kam auch die Idee zur „Versuchung“, einem „lieblichen“, also halbtrockenen Zweigelt, der sich in bestimmten Kundenkreisen zum wahren Renner entwickelt hat. Der weitaus größte Teil ihrer Weine ist aber, wie man es von einem nordburgenländischen Weingut erwartet, trocken ausgebaut – auch der Frizzante Victoria, den, wie schon der Name sagt, Victoria kreiert hat: „Intensiv wie Sekt, aber leicht zu trinken.“

Sie alle zusammen sind ein perfekt eingespieltes Team, bei dem jeder jeden seiner Handgriffe weiß und auch bestens beherrscht. Das Ergebnis sind Top-Platzierungen bei Wettbewerben und nahezu ein Abonnement auf einen der Landessieger, vor allem bei den Premium Rotweinen und Prädikatsweinen, die am Label mit VISION ausgezeichnet werden. „Wir heben die Typizität jeder Sorte hervor“, umreißt Victoria die erfolgreiche Philosophie von Vinum Saxum, „und es gibt bei uns keine gefeilten Weine. Sie dürfen Ecken und Kanten haben, und man soll den jeweiligen Jahrgang spüren.“

 

Neben einigen Sorten finden sich auf der Karte geheimnisvolle Zusätze. Am ehesten erklärt sich noch „Jung & Sexy“ beim trockenen Gelben Muskateller. Ein Sauvignon Blanc und ein Zweigelt mit dem „Nepal Wein(t)“ und einem weinenden Kind auf dem Etikett werden damit erklärt, dass beim Kauf jeder Flasche unter dem Motto „So gut kann Helfen schmecken“ ein Euro an die Nepalhilfe geht. Angeregt wurde diese Initiative von jungen Bergsteigern, die auf ihren Reisen die erschütternde Not in Nepal kennengelernt haben und unter anderem mit solchen Spenden wirkungsvoll vor Ort Entwicklungshilfe leisten können.

Gemeinsam ist ihnen dabei das strahlende Gesicht, wenn sie von „ihren“ Passionsspielen erzählen. Es ist Ehrensache, dort dabei zu sein, trotz eines großen Zeitaufwandes. Es beginnt schon lange vorher mit Besprechungen, dann folgen die Proben und schließlich die Aufführungen der Passionsspiele 2011, für die bis 15. August jedes Wochenende gerne einer immerhin gut dreistündigen Aufführung gewidmet wird.


l.o.: Maria und Victoria mit Frizzante Victoria

l.: Krönungswein von Angelika I.

o.: Festspielwein "Passio Domini"

u.: Victoria im Weingarten

Das für alle St. Margarethener wichtigste Wort des heurigen Jahres ziert einen Welschriesling und einen Blaufränkischen: „Passio Domini“, das Leiden unseres Herren Jesus Christus. Am 12. Juni 2011 haben heuer wieder die Passionsspiele im Römersteinbruch begonnen. Sie finden laut einem Gelöbnis alle fünf Jahre statt. Begonnen wurde 1938 in einem kleinen Bauernhof, 1961 wurde erstmals im Steinbruch gespielt, „auf dem nackten Stein“, beschreibt Maria Kugler die Stimmung: „Man kann sich hineinversetzen, wie es vor 2000 Jahren ausgesehen haben könnte.“

 

Vater Josef, der sich für seine Rolle als Nikodemus einen biblischen Vollbart wachsen ließ, war genauso wie seine Frau Maria schon als Kind dabei, und ihrerseits haben sie die Kinder genauso früh mit dem Passionsspielvirus infiziert. Maria dirigiert das Volk, immerhin 400 Personen, die sich auf der Naturbühne zur richtigen Zeit am richtigen Ort befinden müssen. Insgesamt sind es 450 Mitwirkende, allesamt aus St. Margarethen, allesamt freiwillig und ohne jede Gage. Angelika ist Maria Magdalena, Victoria die Ehefrau von Pilatus und Alexander je nach Szene römischer Soldat oder Ehemann.