Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Revolverkopf  Florentina Pakosta

FLORENTINA PAKOSTA und die Angst der Männer

Zeitgenossen  Florentina Pakosta

Eine Künstlerin der feministischen Avantgarde – ein dröhnender Nachklang

Gut kommen sie nicht weg bei ihr, die Herren der Schöpfung. Zu genau hat sie in ihre Gesichter geschaut, um darin nicht nur seltsame Grimassen, sondern auch spitze Schnäbel und schussbereite Revolver zu entdecken und Männer zu entindividualisieren, zu gleichförmigen Massenwesen zu degradieren. Mag sein, dass diese kunstvoll ausgedrückte Abneigung daher rührt, dass Florentina Pakosta (*1933) als junge Malerin von der männlich dominierten Szene nicht entsprechend anerkannt wurde. Secession und Künstlerhaus blieben ihr anfangs verschlossen und damit auch der Markt, den sie für ihre Bilder dringend gebraucht hätte. Sie hat sich schließlich doch durchgesetzt und gilt heute als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der feministischen Avantgarde.

Rosa Flutlicht  Florentina Pakosta

Neben Valie Export und Maria Lassnig hat sie den Aufbruch der Malerinnen auf eine für die Gesellschaft nicht selten provozierende Art mitgestaltet. Ecken und Kanten sind auch im späteren Werk geblieben. Es sind gegenstandsfreie Stillleben, die in ihren geometrischen Formen einfach scheinen und doch bei genauem Hinsehen mit einer tief begründeten Regulatur der Farben das Auge des Betrachters eine gute Weile in Bann halten können. Florentina Pakosta ist nach wie vor aktiv am Malen, ganz nach ihrer Devise, die sie so formuliert hat: „Entgegen der oft zitierten Meinung, dass Künstler nur für sich arbeiten und kein Publikum ansprechen wollen, glaube ich, dass jedes Bild ein Mittel der Kommunikation ist, das Inhalte und Informationen enthält und verbreitet. Jedes Bild ist eine bewusste Aussage, die die Beschauer zum Dialog auffordert und somit eine psychologische und plitisch-weltanschauliche Beeinflussung anstrebt.

 

Gelegenheit zu einem der von ihr angesprochenen Dialoge mit ihrem Werk gibt es bis 26. August 2018 in der Albertina. Es handelt sich um ein Geburtstagsgeschenk zum 85er. Die Retrospektive ist ganz in der Art der Albertina mit über 100 Werken mächtig angelegt, als dröhnender Nachklang auf die feministische Avantgarde, und spannt dazu säuberlich geordnet einen Bogen über die thematische Vielfalt von den 1970er-Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart.

Allein vom großen Format der Grimassenköpfe, wie sie den Besucher beim Eintreten in die Propter Homines Halle anstarren, könnte man eingeschüchtert werden, aber auch von ihren Selbstporträts, die eine ernsthafte, selbstbewusste und kämpferische Frau zeigen. Man duckt sich unwillkürlich weg vor der Faust, die aus ihrem Mund in „Zungenschlag“ herausschnalzt. Das tradierte Frauenbild, dem Schönheit und Sinnlichkeit zugrunde liegt, wird von Pakosta schonungslos konterkariert. Sie arbeitet brutal mit der Satire, wenn sie Bösartigkeiten wie in Schraubzwingen eingespannte Köpfe auf Spitzendecken serviert, die auf das häusliche Umfeld, in dem die Künstlerin die Ursache für die Unterdrückung der Frau ortet, hinweisen sollen. Die Bilder sind dennoch nicht unangenehm zum Anschauen, da sie nicht das Augenzwinkern vermissen lassen, mit dem schon ihr großes Vorbild, der barocke Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt, die Physiognomie der Menschen verzerrt und gerade deswegen zeitlos wahrhaftig dargestellt hat.

Vorfreude  Florentina Pakosta
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