Kultur und Wein

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Ruth Baumgarte: An einem abgelgegenen Ort

Ruth Baumgarte: An einem abgelgegenen Ort

RUTH BAUMGARTE Afrikas Licht in glühenden Farben

Ruth Baumgarte, Ausstellungsansicht in der Säulehalle

Ruth Baumgarte, Ausstellungsansicht in der Säulehalle

Künstlerische Annäherung an eine Kultur, die für uns bestenfalls intuitiv zu verstehen ist

Ruth Baumgarte (1923-2013) ist eine deutsche Malerin, deren Œuvre in den letzten Jahren mehr entdeckt wird. So konnte es nicht ausbleiben, dass sich auch die Albertina dieser Künstlerin widmet, um ihre Sicht des „dunklen Kontinents“ unter dem (seltsamerweise) englischen Titel „Africa: Visions of Light and Colors“ (bis 5. März 2023) in der Säulenhalle an fein ausgewählten Werken darzulegen. Man könnte einiges gegen eine solche Ausstellung einwenden: Die Bilder sind gegenständlich, deren Symbolik drängt sich nahezu auf und die Künstlerin ist eine „alte weiße Frau“. Weiters könnten sie als Versuch gewertet werden, eine exotische Welt mit den Augen ehemaliger Kolonisatoren zu betrachten. Zumindest zum letzten Punkt erhielt Baumgarte die Absolution. Der simbabwische Dichter Chirikure Chirikure sagte über sie: „Die Länder Afrikas und seine Völker waren für sie keine Modelle, die es auf der Leinwand festzuhalten galt, sondern ein integraler Bestandteil ihrer Lebensreise“, die sie in ihren späten Jahren, also ab den 1950er-Jahren bis ins hohe Alter über vierzig mal nach Afrika geführt hat.

Athi-Patra Ruga Jakob, bereit zum Ringkampf mit einem Engel, 2021 © Athi-Patra Ruga

o.: Athi-Patra Ruga Jakob, bereit zum Ringkampf mit einem Engel, 2021 © Athi-Patra Ruga

r.: Ruth Baumgarte Misunderstanding, 1993 © Kunststiftung Ruth Baumgarte

Ruth Baumgarte Misunderstanding, 1993 © Kunststiftung Ruth Baumgarte

Auffallend ist ihre Begeisterung für die heiß wirkenden Farben wie flammende Rottöne und sattes Orange-Ocker über Gelb, Rosa und Violett zu entschiedenen Violett-Blau-Tönen in der Tiefe. Sie waren notwendig, um das faszinierende Licht in diesen Ländern in ihren Kompositionen wiederzugeben. An Ort und Stelle wurden Skizzen angefertigt, die im Atelier in Deutschland in Gemälde umgesetzt wurden. Jedes einzelne Thema wird mit spürbarer Empathie abgehandelt, vor allem das Dasein der Frauen und deren Lebensumfeld. Damit entfällt jede Überheblichkeit des weißen Außenstehenden, der mit wissenschaftlicher Neugier ethnische Besonderheiten erforscht.

 

Es gibt die Kunststiftung Ruth Baumgarte, deren Preis heuer der südafrikanische Künstler Athi-Patra Ruga (*1984 in Umtata) entgegennehmen durfte. Einige seiner Werke wurden in die Präsentation der Künstlerin eingebettet.

Es ist frappierend, wie sich Arbeitsweise und Inhalt ähneln. Man muss immer wieder genau hinschauen und die einzelnen Infotafeln lesen, um zu wissen, welche Arbeit vom wem ist. Die damit verschwimmenden Grenzen sind ein beeindruckender Beweis für Aktualität und globales humanistisches Gedankengut von Kunst, die auch außerhalb des Mainstreams tiefe Berechtigung hat.

Athi-Patha Ruga Auto Exotic / Auto Erotic, 2022 © What if the World Gallery (Cape Town) Detail

Athi-Patha Ruga Auto Exotic / Auto Erotic, 2022 © What if the World Gallery (Cape Town) Detail

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