Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Franz Födinger, Natalia Bezak, Ensemble © Gregor Nesvadba

DER VOGELHÄNDLER Präsenter Adam und absenter Fürscht

Ilia Staple, Clemens Kerschbaumer © Gregor Nesvadba

Tiroler Brauchtum in der Rheinpfalz als herzerwärmende Show

Carl Zeller hat mit „Der Vogelhändler“ einen Dauerbrenner geschaffen. Die Fülle der angenehm im Ohr haftenden Melodien wird kaum von einer andern Operette übertroffen. Damals, also zur Zeit ihrer Entstehung Ende des 19. Jahrhunderts, war es durchaus noch üblich, dass sich junge Tiroler im gesamten deutschen Sprachraum als Entertainer verkauften. Die Burschen waren kernig und die Mädchen nicht zimperlich. Das mochte man auch bei den feinen Gesellschaften. Der Tirolerhut wurde zum Symbol einer ganzen Unterhaltungsindustrie. Sehr viel hat sich, man beachte TV-Sendungen wie den Musikantenstadel, bis heute nicht geändert. Vielleicht rührt auch daher die Langlebigkeit, die diesen Liedern beschieden ist. Man könnte sich als bierernster Kulturbetrieb insofern distanzieren, dass man aus der lockeren Handlung eine humorlose Analyse gesellschaftlicher Phänomene mit Musikbegleitung macht. Dann wäre das Begrüßungslied des Adam mit „Grüß euch Gott, alle miteinander“ um kein bisschen weniger schwungvoll, aber dennoch blutleer.

Matjaž Stopinšek, Sébastien Soulès © Christian Husar

Wenn dieser junge Mann nun aber vor einer romantischen Waldschenke mit Pavillon mit seinem Vogelkäfig auf dem Rücken hereinstürmt, dann fühlt man sich auch als Zuschauer persönlich bei einer Zeitreise willkommen geheißen, die man allzu gerne mitmacht, um zu erleben, wie sich Adelige recht dumm anstellen und das einfache Mädchen, die Christel von der Post, am Schluss allen den Kopf zurechtrückt.

Verena Scheitz, Regina Riel, Ensemble © Christian Husar

Christa Ertl hat in Baden Regie geführt und einen Abend geschaffen, der kein Auge trocken lassen sollte. Die Bühne (Christof Lerchenmüller) besteht aus drehbaren Elementen und erlaubt auf offener Szene den Umbau vom Inneren des Schlosses in dessen Vorplatz, nachdem im ersten Akt der deutsche Wald den Hintergrund für die dramatische Zuspitzung in den diversen Beziehungskisten bildet. Dort, also vor dem Wirtshaus treiben sich die des Wilderns verdächtigen Dorfleute herum.

Dahinter steckt der kräftig singende Chor, angeführt von Bürgermeister Schneck (Franz Födinger), der dem windigen Baron Weps (Sébastien Soulés) ein Hausschwein für den Abschuss durch den Fürsten andreht, nicht ohne dafür ein Vermögen als Kaution zu erlegen. Echter Schwung kommt ins Geschehen, als Adam und sein Gefolge mit den Singvögeln auftaucht. Clemens Kerschbaumer ist die ideale Verkörperung des goscherten Naturburschen, der zwar stimmgewaltig die Sehnsucht besingt, endlich seine Braut heiraten zu können, aber umgehend auch mit der als einfaches Bauernmädchen verkleideten Kurfürstin flirtet. Regina Riel glänzt stets mit einer Innigkeit ihrer Stimme, steigert diese aber zum Atemanhalten in der Paradenummer „Als geblüht der Kirschenbaum“.

Beppo Binder, Artur Ortens, Ensemble © Gregor Nesvadba

Da der Fürscht, wie ihn Adam despektierlich nennt, selbst nie in Erscheinung tritt, übernimmt Matjaž Stopinšek als verschuldeter Graf Stanislaus dessen Rolle. Bei diesem schmelzend weichen Tenor braucht eine Frau schon ordentliche Widerstandkraft, um nicht schwach zu werden. Baronin Adelaide wäre ja sehr von ihm angetan, laut böswilligem Libretto(!) kann ihre Schönheit aber nicht mit dem Reichtum mithalten. Als Komödiantin und Coupletsängerin jedenfalls ist Verena Scheitz unübertroffen.

Für die Lacher sind freilich auch Artur Ortens (Professor Würmchen) und Beppo Binder (Professor Süffle) gut, wenn sie den Prodekan lustvoll verarschen. Im Grunde dreht sich aber alles um die hübsche Christel von der Post, als die Ilia Staple die Männer temperamentvoll erzieht.

Ihre Stimme ist gerade so hell wie das Glöckchen, das sie anschlagen soll, um den falschen Fürsten zu entlarven. Das Pünktchen auf dem i ist das Ballett, das ganz tirolerisch zu Holzhackerbuam mutiert und schuhplattelt, dass es eine Freude ist. Damit heben sie die Stimmung, nachdem Adam gemeinsam mit dem Orchester der Bühne Baden unter Franz Josef Breznik und dem mitsummenden Publikum das besinnliche „Wie mein Ahnl zwanzig Jahr“ mit aller Zeit dieser Welt zelebriert hat.

Maria Penyaz, Verena Scheitz, Karina Gieler © Christian Husar
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