Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Beppo Binder, Reinhard Alessandri, Robert Kolar, Ensemble © Christian Husar

FATINITZA Ein frech schillerndes Operetten-Kleinod

Regina Riel, Bea Robein, Ensemble © Christian Husar

Transgender-Spaß trotz Krieg und Soldateska

Wie es sich für eine ordentliche Operette gehört, müssen zwei Liebende über eine Reihe von Hindernissen hinweg zueinander finden. Begleitet werden sie dabei von Intrigen, Missverständnissen und süßschmerzlichen Enttäuschungen. Über all dem liegt Musik, die in die Ohren geht und die Welt um die beiden Hauptgestalten mit dem Plüsch großer Melodien und warmer Akkorde verzaubert. Das alles gilt natürlich auch für „Fatinitza“, die Franz von Suppé zu einem Libretto von Camillo Walzel und Richard Genée vertont hat. Das Datum der Uraufführung am 5. Jänner 1876 ließe aber kaum vermuten, dass ein scheinbar vollkommen modernes Thema die Handlung trägt. Ein Mann wird zur Frau und wieder zum Mann. Der Geschlechtswechsel vollzieht sich zwar spielerisch, denn Wladimir Dimitrowitsch Samoiloff, ein Leutnant der russischen Armee, kann seiner großen Liebe Lydia nur in der Verkleidung als türkisches Mädchen näher kommen. Blöderweise verliebt sich deren Onkel, General Graf Timofey Gawrilowitsch Kantschukoff, heiß in die angebliche Fatinitza.

Bea Robein (Fatintza), Reinhard Alessandri (General Kantschukoff) © Christian Husar

Nur mehr rasche Flucht rettet sie bzw. ihn aus der verfänglichen Situation. Bei der Belagerung einer türkischen Festung taucht ein Bekannter des Leutnants auf. Der deutsche Journalist Julian von Golz hat die ungewöhnliche Lovestory zu einem Theaterstück verarbeitet und will dieses nun von den ohnehin gelangweilten Belagerern aufgeführt sehen, selbstverständlich mit Samoiloff in der Titelrolle. Es kommt, wie es kommen muss. Der General erscheint, die Liebe zu Fatinitza flammt erneut auf. Er löst damit einen tollen Wirbel und Cultur Clash aus, den nur das Ableben der fernen Fatinitza und die Heirat von Samoiloff und Sylvia beilegen können.

Thomas Zisterer (Julian von Golz), Franz Suhrada (Izzet Pascha) © Christoph H. Breneis

Allzu oft steht dieses schillernde Meisterwerk von Suppé nicht auf den Programmen der ohnehin wenigen Häuser, die noch Operette pur zu spielen imstande sind. Die Bühne Baden ist eine der bewundernswerten Ausnahmen. Leonard Prinsloo hat den von Robert Kolar witzig und flott umgearbeiteten Text mit einem Ensemble, das Humor vom Feinsten versteht, und dem routinierten Orchester der Bühne Baden unter Franz Josef Breznik raffiniert zwischen Zeiten und Geschlecht inszeniert.

Als geheimnisvolle Kommentare gleiten über die Rückwand surrealistisch anmutende, dennoch romantische Projektionen, während vorne auf einer schiefen Ebene ein Chor von russischen und türkischen Soldaten gemeinsam mit dem Ballett und einem Quartett wacker singender Haremsdamen die Solisten umkreist. Aus der ursprünglichen Sprechrolle des Izzet Pascha macht Franz Suhrada einen fröhlich singenden Oberbefehlshaber, der sogar zum Kismet launig zeitnahe Ideen hat, die er im Duett mit dem Bariton Thomas Zisterer als Julian von Golz durchdekliniert. Robert Kolar muss sich als Sergeant Bieloscurim einiges an Misshandlungen gefallen lassen, zumal dann, wenn der oberste Boss, eben General Kantschukoff in Person des Tenors Reinhard Alessandri auftaucht und sich trotz ansprechender Stimme als Peitschen schwingender Berserker aufführt. Beppo Binder als Leutnant Safonoff weicht hingegen recht geschickt den Aggressionsausbrüchen seines Chefs aus.

Die Lacher auf seiner Seite hat Robert R. Herzl, wenn er im Diskant den Harem scheucht oder als alter Pope am Rollator fast von der Bühne rollt. Regina Riel mit durchsetzungsfähigem Sopran lässt bei ihrer Lydia nichts anbrennen. Sie hat nur ein Ziel, und zwar den hübschen Leutnant Samoiloff. Dabei stört es sie nicht im Geringsten, dass dieser meiste Zeit im Fummel herumrennt. Aber schließlich ist Bea Robein selbst eine attraktive Frau mit großer Stimme, die ja nur so tut als wäre sie ein Mann.

Bea Robein (Leutnant Samoiloff), Ensemble © Christian Husar
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