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Ein Fall für Miss marple Ensemble © Gloria Theater

EIN FALL FÜR MISS MARPLE aus Floridsdorf

Peter Lodynski, Gerald Pichowetz © Gloria Theater

Sogar ein angekündigter Mord kann für Lachen sorgen

Raffinierte Mörder schrecken nicht davor zurück, ihre Tat in der Zeitung anzukündigen. Die geheinsvolle Annonce „Am Dienstag, den 24. Dezember 1940 findet um 18 Uhr 30 in ,Little Paddocks´ ein Mord statt“ ist nicht nur der dort sich gerade befindlichen Gesellschaft, sondern auch der aufmerksamen Miss Marple aufgefallen. Nachdem jeder Leser von Agatha Christie weiß, dass die Polizei dümmer ist als sie es selbst erlaubt, macht sich die alte Dame auf den Weg, um entweder die Bluttat abzuwenden oder zumindest den Täter zu entlarven. Den Mord kann sie nicht verhindern, aber doch dem dafür eingeteilten Inspektor zeigen, wer von ihnen beiden der G´scheitere ist und den Fall löst.

 

Willy Honauer & Gerald Pichowetz haben das auf dem Roman „A Murder Is Announced“ basierende Theaterstück „Ein Fall für Miss Marple“ für das Gloria Theater zu einer amüsanten und spannenden Krimikomödie bearbeitet. Der Prinzipal selbst schlüpft in einen altmodischen Rock, setzt sich eine Perücke auf und schon steht Miss Marple wie wir sie alle kennen und lieben auf der Bühne.

Elisabeth Osterberger © Gloria Theater

Diesmal ist´s nichts mit dem Blödeln, die legendäre Detektivin ist auch für einen Vollblutkomiker wie Pichowetz eine ernste Angelegenheit. Also müssen die anderen für die Hetz sorgen. Eine Garantie für Lacher ist Peter Lodynski, der als Mister Stringer die Anweisung seiner „Chefin“, inkognito zu gehen, auf recht originelle Weise interpretiert. Er erscheint ganz unauffällig als Weihnachtsmann, als Erzbischof im Vollornat und als Riesenhase. Die zweite Gaudinummer ist Martha Butbul, besser bekannt als Jazz Gitti. Ihre Mitzi ist eine vor den Nazis aus Österreich geflohene Jüdin, die in London bei Letitia Blacklock Aufnahme als Haushaltshilfe gefunden hat.

Ein Fall für Miss marple Ensemble © Gloria Theater

Mit ihrem breiten Dialekt kann sich die goscherte Wienerin in der englischen Society nur schwer verständlich machen, wird von der Hausfrau aber wegen ihres Könnens als Gulaschköchin nicht nur am Weihnachtsabend hoch geschätzt. Mit einer hemmungslosen Zuneigung zu harten Getränken punktet Elisabeth Osterberger auf dem Spaßsektor in der Rolle der Alkoholikerin Dora Bunner. Sie schafft es mit feiner Balance, stets auf der (komischen) Welle zu surfen, ohne dabei im Schnaps abzusaufen.

Wenig zu lachen haben die anderen Mitspieler, wenn ihnen Inspektor Craddock (Christian Spatzek) dienstbeflissen auf den Zahn fühlt. Er muss einfach jede und jeden verdächtigen, und alle haben was auf dem Kerbholz. Da wären die aufbrausende Julia Simmons (Julia Sailer) und der coole Patrick Simmons (Sandro Swoboda), aber auch die fesche Philippa Haymes (Roswitha Straka) und Edmund Swettenham (Andreas Wutte), dessen Name keiner richtig aussprechen will. Sie alle haben sich pünktlich zum Mord in Little Padock bei der ein großes Erbe erwartenden Letitia Blacklock (sehr elegant mit dicker Perlenkette: Dorothea Parton) eingefunden. Wer von ihnen hat nun den armen Rudi Scherz (Leopold Böhm mit Kürzestauftritt) wirklich erschossen?

Er oder sie wird, soviel darf verraten werden, von Miss Marple verlässlich der Tat überführt, und das alles im anheimelnden Ambiente einer gediegenen Londoner Wohnung, geschmackvoll eingerichtet von Robert Notsch. Dass man es nicht vergisst: Die Handlung spielt im Zweiten Weltkrieg, mit bedrohlichem Bombenalarm und einem Lebensmittel-Schleichhändler (Leopold Vodicka), was diesem „Weihnachtsstück“ neben allem Spaß auch ein gut angemessenes Stück Besinnlichkeit verleiht.

Ein Fall für Miss Marple Ensemble © Gloria Theater
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