Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


treger saint silvestre: the art brut collection.! Ausstellungsansicht © Ludwig Schedl

treger saint silvestre: the art brut collection.! Ausstellungsansicht © Ludwig Schedl

CENTRO DE ARTE OLIVA Eine weltweite Sammlung bei uns zu Gast

Ausstellungsansicht, vorne: Dexter Nyamainasche, United Global Villages

Ausstellungsansicht, v.:  Dexter Nyamainasche, United Global Villages

Faszinierende Beispiele für das globale Myzelium von Art Brut

Der Pianist Richard Treger aus Zimbabwe trifft in Paris auf den Künstler António Saint Silvestre, einem Autodidakten aus Mozambique. Sie spüren spontan ihre Verbundenheit und beschließen, in dieser Metropole der Kunst eine Galerie zu eröffnen. Irgendwann schmerzt aber jeder Verkauf eines Werkes und die beiden beschließen, fortan sich dem Sammeln zu widmen. Nachdem die Galerie verkauft ist, gelangt die Sammlung 2014 in das Centro de Arte Oliva in São João da Madeira in Portugal. Mit mehr als 1500 Werken von rund 350 Künstlern ist eine der umfangreichsten Privatsammlungen zur internationalen Art Brut entstanden. Unter dem Titel „treger saint selvestre: the art brut collection.!“ sind ausgewählte Werke bis 11. September 2022 im museum gugging im wahrsten Sinn des Wortes zu erleben, denn diese Form der Kunst ergreift neben ihrer eigenwilligen Ästhetik direkt das Gemüt der Betrachter. Sie fordert geradezu zum genauen Hinschauen auf, wenn es gilt, auf teils dicht mit Strichen überzogenen Papier- und Leinwandflächen die unzähligen Details der unmittelbar mitgeteilten Inhalte zu enträtseln.

Prophet Royal Robertson, Ohne Titel (Detail)

Prophet Royal Robertson, Ohne Titel (Detail)

Philipp Schöpke, Puhr 10 Jahre, 1986, Treger Saint Silvestre, Werk und Foto © Art Brut KG

Philipp Schöpke, Puhr 10 Jahre, 1986, Treger Saint Silvestre, Werk und Foto © Art Brut KG

Die Begeisterung von Johann Feilacher, künstlerischem Leiter des museum gugging, ist nachvollziehbar, wenn er in aller Kürze umreißt, was die nunmehrige Ausstellung für sein Haus bedeutet: „Neben der hohen Qualität der gesammelten Arbeiten sticht die Treger Saint Silvestre Collection durch die globale Ausrichtung ihres Sammlungsansatzes hervor.“ Zwei Punkte sind daran faszinierend. Erstens stammen Künstler und Arbeiten aus allen Teilen der Welt. Unter ihren Namen finden sich deswegen auf den Informationstafeln auch die jeweiligen Heimatländer, u. a. Paraquay, Kuba, Elfenbeinküste, Iran, Indien aber auch Österreich. Damit ist man bereits beim zweiten Faszinosum angelangt. Die Bilder weisen frappierende Ähnlichkeiten auf. Kein nationaler oder ethnischer Stil hat die Arbeitsweise dieser Menschen in eine bestimmte Richtung hin wesentlich beeinflusst. Sie scheint direkt aus den Tiefen der Seele emporgestiegen zu sein, aus einer darunter liegenden gemeinsamen Quelle, einer Art weltumspannendem fruchtbaren Myzelium.

treger saint silvestre: the art brut collection.!, Ausstellungsansicht © Ludwig Schedl

treger saint silvestre: the art brut collection.!, Ausstellungsansicht © Ludwig Schedl

Auch die beiden Sammler streuen dem Museum Rosen, wenn sie erklären: „Wir sind sehr begeistert und geehrt, dass Teile unserer Sammlung im museum gugging in Österreich gezeigt werden.“ Sie sind überzeugt, dass Gugging eine der wichtigsten Art Brut Institutionen der Welt ist und hoffen, „dass diese Ausstellung den Menschen zeigt, dass unsere Sammlung ausschließlich aus der Liebe zu den Bildern entstanden ist und sich nicht an großen Namen orientiert.“ Dass es dennoch Stars dieser Szene gibt und deren Arbeiten auch präsentiert werden, ist eine andere Geschichte, die jedoch bei diesem Rundgang durch eine wohltuend irritierende Welt der Kunst nur von untergeordneter Bedeutung ist.

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