Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Zelt Collage © Kern jochi

DER VERSCHWENDER Die Eckert als Raimunds guter Geist

Martin Bermoser, Christina Polzer © Sophia Wiegele

Die Poesie eines Märchens in der romantischen Zauberwelt von Gutenstein

In einer der Szenen zeigt Flottwell seinen Gästen und der Dienerschaft ein prächtiges Gemälde. Er öffnet dazu nur ein imaginäres Fenster und beschreibt dem Publikum, was von der Bühne aus gerade bewundert wird. Ein Tal, das alle Voraussetzung erfüllt, Menschen glücklich zu machen, und sei es nur für den Moment des intensiven Hinschauens. Ferdinand Raimund hat in Gutenstein gelebt und in dieser Gegend wohl die vielen Geister selbst getroffen, die in seinen Stücken eine Welt ganz knapp neben der der Sterblichen bewohnen. In seinem Stück „Der Verschwender“ sind es die liebreizende Fee Cheristane und der Geist Azur. Blöd nur, dass sie sich in einen Irdischen verliebt hat und diesen nun nach Verbrauch der letzten Wunderperle seinem Schicksal überlassen muss. Ihr Angebeteter ist der durch ihre Gaben reiche Julius Flottwell, ein sensibler junger Mann, der seine größte Freude daran hat, anderen Gutes zu tun. Dass derlei Weichherzigkeit auch missverstanden wird, beweist der Kammerdiener Wolf, der sich hemmungslos an der Freigiebigkeit Flottwells bereichert.

Andrea Eckert © Joachim Kern

Gott sei Dank gibt es auch den treuen Valentin und den auf ihn angesetzten Schutzgeist Azur. Als Bettler stellt dieser die unbescheidensten Forderungen, um zumindest einen Teil des Vermögens für seinen Schützling zu retten. Flottwell kann nämlich sehr rasch verarmen, wie es heutzutage Glücksritter an der Börse üblicherweise zu tun pflegen, und seinen Palast nur mehr von außen bewundern.

Holger Schober, © Joachim Kern

Intendantin Andrea Eckert hat selbst die Rolle des Azur übernommen und lässt diesen an sich guten Geist ungemein gespenstisch durch die Gesellschaft um Herrn Julius von Flottwell (Martin Bermoser) weben. Den wiederum will man so gerne vor dem Fall warnen, die ihm ins Buch des Schicksals eingetragen ist. Bermosers Flottwell ist kein harter Nabob, sondern ein gutherziger Spender und stets verliebt. Das erste Ziel seiner Wünsche ist die attraktive Fee Cheristane (Grischka Voss). Als diese ihm klar machen kann, dass seine Liebe zu ihr hoffnungslos ist, entführt er Amalie (Christina Polzer), die Tochter von Präsident von Klugheim (Michael Pogo Kreiner), nach England. Warum muss der hübsche Bursch seinem Wunschschwiegervater auch in Unterhosen gegenübertreten? Eine Frage, die nur Marie Sturminger (Kostüm) beantworten kann. Alle anderen Beteiligten sind nämlich durchwegs korrekt oder zumindest nicht auffällig angezogen, abgesehen vielleicht von Simon Alois Huber als Juwelier im neckischen Kleidchen einer bekannten bärtigen Sängerin.

Im Übrigen ist die Inszenierung (Veronika Glatzner) ausnehmend poetisch. Das Zaubermärchen wird mit, sagen wir es so, symphonischer Ruhe liebevoll erzählt. Es gibt Atempausen, fallweise so lang, dass den Zuschauern fast die Luft ausgeht.

 

Dazwischen betreiben der gierige und eitle Wolf (Dominik Warta als sehenswerter Bösling) und der ungeniert die Gastfreundschaft ausnützende Dumont (Eduard Wildner als origineller Franzose) ihre Machenschaften. Zu den Objekten ihrer Begierde zählt auch das so resolut natürliche Kammermädchen Rosa (Elisa Seydel), die jedoch den guten Valentin als Lebenspartner vorzieht. Holger Schober hat seinen großen Auftritt mit dem Hobellied, mit dem er das Publikum wenn nicht zu Tränen, so zumindest zu einem Sonderapplaus zu rühren vermag. Begleitet wird er dabei von den Musikern Michael Pogo Kreiner, Christina Polzer, Simon Alois Huber und dem als Schauspieler nur wenig eingesetzten Raphael Nicholas (Kurzauftritte als Flitterstein, Sockel, Helm und Max).

Es gibt eine ganze Reihe von Doppelrollen und genügend Möglichkeiten, auch Kinder wirksam auf die Bühne zu bringen. An reizvollen Ideen mangelt es im Ganzen nicht. Das Bühnenbild ist ein raffiniert geschnittener Teppich, dessen Teile strategisch hochgezogen einen Palast ebenso wie bewegte Fluten oder das bescheidene Heim eines Tischlers ergeben. Zauberei von Paul und Marie Sturminger? Nein, nur ganz so, wie es sich für ein Original-Zaubermärchen von Ferdinand Raimund gehört.

Ensemble Raimundspiele 2018, © Joachim Kern
Raimundspiele Gutenstein

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