Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


 Elena Luksch-Makowsky Die Landeskinder, 1900  Foto: Christopher Kesting / Belvedere, Wien

ELENA LUKSCH-MAKOWSKY eine Vergessene IM BLICK

Ausstellungsansicht IM BLICK: Elena Luksch-Makowsky © Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Eine Kosmopolitin im Europa des Jugendstils

Die Malerei war ihr gleichsam in die Wiege gelegt. Hineingeboren wurde Elena Makowsky am 14. November 1878 in St. Petersburg in eine Künstlerdynastie des zaristischen Russlands. Ihr Vater war Hofmaler, ihre Tante Landschaftsmalerin, ein Onkel berühmter Maler und Professor an der Petersburger Akademie und bereits der Großvater einer der Gründer der Moskauer Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur. Ende des 19. Jahrhunderts ließ es sich für solch betuchte Schöngeister in einem Russland unter dem Zaren gut leben. Trotz Trennung vom Vater besucht Elena den Kunstunterricht in der Gesellschaft zur Förderung der Künste und wird 1895 in die Privatschule von Ilja Repin, dem bedeutendsten Vertreter des russischen Realismus, aufgenommen. Zwei Jahre später wird sie zum Studium an der Akademie zugelassen, ein Umstand, der ihr in diesen Jahren in Wien als Frau noch nicht möglich gewesen wäre. Ihrem Talent hatte sie es zu verdanken, dass der Bankier und Industrielle Johann von Bloch ein Porträt von ihr erwirbt und sie mit einem Auslandstipendium ausstattet. Die erste Station ist München, wo sie ihren späteren Mann Richard Luksch kennenlernt. Wieder zurück in St. Petersburg wendet sie sich erneut an Professor Repin und darf als Gasthörerin sein Atelier besuchen. Dazu kommt ein erwachendes Interesse an der Skulptur, das wiederum einen ersten großen Erfolg mit dem Auftrag zur Gestaltung eines Friedensdenkmals in Paris 1900 zeitigt, zu dessen Ausführung es allerdings aus politischen Gründen  nie gekommen ist.

 Elena Luksch-Makowsky, Adolescentia, 1903  Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Noch im selben Jahr wird in der Künstlerkolonie in Dachau geheiratet und nach Wien übersiedelt. 1901 nimmt sie mit in Deutschland entstandenen Porträts an der X. Ausstellung der Wiener Secession teil. Bald zählt sie in Wien zu den Größen der Avantgarde, bleibt ihren russischen Wurzeln jedoch treu und kehrt immer wieder nach St. Petersburg zurück. Mit der Oktoberrevolution 1917 müssen die Brücken zur Heimat jedoch abgebrochen werden. Neuer, bleibender Mittelpunkt ihres Kunstschaffens wird Hamburg, wo sie 1967 stirbt.

 

Die Kunstgeschichte hat es mit Elena Luksch-Makowsky nicht gut gemeint. Sie wurde schlicht übersehen, Werke von ihr wurden falschen Personen zugeordnet und ihre Pioniertätigkeit für Frauen in der Kunst hat man einfach ignoriert. Dem Belvedere ist zugute zu halten, dass etliche ihrer Bilder und Skulpturen angekauft wurden und ihre Name beispielsweise in der Ausstellung „Stadt der Frauen“ ins rechte Licht gerückt wurde. Die Schau „IM BLICK“ im Oberen Belvedere ist nun ganz allein ihr gewidmet. Kurator Alexander Klee konnte dafür aus dem eigenen Bestand des Museums und dank einer Reihe von Leihgebern einen Überblick über das Schaffen dieser schillernden Persönlichkeit gestalten. Bis 10. Jänner 2021 ist auch eines ihrer Hauptwerke zu erleben. Im Ölgemälde „Ver Sacrum“ hält sie ihren Sohn Peter nackt dem Betrachter entgegen, als wolle sie das Kind einer Gottheit als Opfer bringen. Mit Entwürfen zu „Tod und Zeit“ oder einem Foto, das einen Blick in Karl Wittgensteins Jagdhaus Hochreith und auf das von ihr entworfene Zierpaneel über dem Kamin bietet, wird deutlich, wie sehr die Künstlerin in den Wiener Jugendstil eingebunden war

Ebenso wichtig sind auch ihre Beiträge zum „Silver Age“, wie der russische Jugendstil benannt wird. Auffällig ist die Haltung ihrer Mädchen und jungen Frauen. Sie stehen seltsam x-beinig, körperlos, aber selbstbewusst für ihr Geschlecht, dessen Wertung in „Adolescentia“ besonders deutlich wird, wenn sich hinter der nackten Hauptperson schmächtige Jünglinge zu einer neugierigen Schar versammeln. Mit der Wiener Werkstätte wurden von Elena Luksch-Makowsky ganz praktische Arbeiten umgesetzt. So gibt es eine Serie von Postkarten, die launig russische Sprichwörter interpretieren oder (aus Gründen der Covid-Einschränkungen nur als Drucke) großformatige Reliefs, die sie 1905 für das Wiener Bürgertheater geschaffen hat.

 

Der Abschluss schlägt wieder eine Brücke zu ihrer Kindheit. Ein Schrank ist voll gefüllt mit Spielsachen, die Elena Luksch-Makowsky für ihre Sammlung russischer Volkskunst zusammengetragen hat. „Pferdeschlitten“, „Mann mit Ziegenbock“ oder die beweglichen Figuren „Schmied und Bär“ sind eine harmonische Ergänzung zu ihren Volksbilderbögen, in denen mit einem Lächeln die Eigenarten ihrer Landsleute karikiert werden. So enthält eine der Beschriftung eines dieser Aquarelle die bis heute gültige Weisheit: „Russland ist des Trunkes froh, ohne ihn können wir nicht leben.“

 Elena Luksch-Makowsky, Ver Sacrum, Selbstporträt mit Sohn Peter © Johannes Stoll © Belvedere
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