Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Axel Hütte, Rosenthaler Platz, 1990-92 © Axel Hütte

AXEL HÜTTE Fotokunst Imperial – Majestic – Magical

Axel Hütte, Portrait#22, 2005 © Axel Hütte

Retrospektive auf haluzinatorische Sachlichkeit

Ab welchem Moment wird aus einem normalen Foto ein Kunstwerk? Kein anderes Genre der Kunstproduktion macht es dem Betrachter so schwer, diese Entscheidung zu treffen. Die Fotografie ist vielschichtig, reicht vom Schnappschuss mit dem Handy über das professionelle Porträt mit der Kamera eines gelernten Fotografen und in Inhalt und Technik perfekten Dokuserien in Illustrierten bis zum Bilddruck, der darüber hinaus noch den Anspruch Kunst zu sein stellt. Mit Axel Hütte zeigt die Kunsthalle Krems bis 10. Juni 2018 einen dieser Meister, die sich mit ihren Arbeiten dieser schwierigsten aller Sparten widmet. Mit den drei thematischen Vorgaben Imperial, Majestic und Magical wird der Zugang zu seinen Arbeiten eröffnet. Florian Steininger, Direktor der Kunsthalle Krems, bezeichnet den in Düsseldorf lebenden und arbeitenden Fotokünstler als Doyen der Landschaftsfotografie. Hütte geht aber über die Landschaft weit hinaus.

Axel Hütte, Altenburg, Bibliothek, 2017 © Axel Hütte

Zum einen sind es die Porträts, die den Betrachter verstören und irritieren, nicht allein aufgrund diverser sehr subtil angelegter Unschärfen und des hypnotisch frontalen Blicks der Abgebildeten. Und zum anderen sind es Aufnahmen von U-Bahnstationen, Klosterbibliotheken, venezianischen Palazzi und aus dem Frühwerk Einfahrten zu Tiefgaragen, die gerade durch ihre „Unnatürlichkeit“ den Blick auf sich ziehen.

Axel Hütte, Furkablick, Schweiz, 1994 © Axel Hütte

Empfangen wird der Besucher jedoch von wilden Berglandschaften, von schroffen Gipfeln, um die bedrohliche Nebel wallen. Wie beruhigend wirkt auf dem Furkablick (Schweiz) die hart an den Rand gerückte Fassade eines Hotels, die vor dem gefährlichen Schlechtwettereinruch nahen Schutz verspricht. Hütte lässt den Betrachter aber auch ganz allein mit dem Toben der Elemente wie am Rettenbacherferner, dem Staller Sattel oder dem Totenkopf. Emotionen werden erzeugt, die sich durch das Schlagwort Majesttic jedoch von kleinlicher Ängstlichkeit eines auf dem Berg Vergessenen in Bewunderung der Größe noch vorhandener Natur wandeln sollen.

Der Zauber in Magical ist die Verunsicherung des Blicks. Wasseroberflächen verzerren die Realität, schaffen damit aber eine neue Ästhetik und ermöglichen einen eigenen Zugang zum Erkennen des Dargestellten, zumal uns dieses nicht wie in einer Spiegelung verkehrt herum, sondern wieder seitenrichtig entgegentritt. Imperial hingegen sind die Aufnahmen auf Glasdruck. Aus den barocken Ornamenten der Admonter Stiftsbibliothek oder dem Winterpalais Prinz Eugens blitzen Spiegel.

Sie erhöhen den Glanz des Gezeigten, manifestieren aber durch die Reflexion der augenblicklichen Umgebung das Hier und Jetzt. Damit haben sie im Grund die gleiche Aufgabe wie die Wolken an steilen Berggraten, das unscharfe linke Ohr eines Porträtierten, der menschenleere Abgang zur U-Bahn oder die indifferente, algenüberlagerte Teichoberfläche. Sie sind, wie Axel Hütte seine Arbeitsweise selbst definiert, Ausdruck einer haluzinatorischen Sachlichkeit, die seine Fotografien zu Kunstwerken erhöhen.

Axel Hütte. Imperial - Majestic - Magical  © Kunsthalle Krems / Foto: Christian Redtenbacher
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