Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


PICASSO - GORKY - WAHROL, Ausstellungsansicht © Kunsthalle Krems / Christian Redtenbacher

NEUES IN DER KUNSTHALLE KREMS Sammlung Hubert Looser und Eva Schlegel

Eva Schlegel, orbit, 2014 © Eva Schlegel / Bildrecht, Wien, 2018

Picasso – Gorky – Warhol auf Papier und mit Skulpturen gegenüber unscharfen Spaces einer Künstlerin

Gut, dass es Menschen gibt, die über ein derart unfassbares Vermögen verfügen, dass sie Werke erwerben können, deren Preise der Kunstmarkt längst in unvorstellbare Höhen getrieben hat. Besser, dass diese damit nicht nur ihre eigenen vier Wände dekorieren, sondern auch die Öffentlichkeit am Genuss des Schauens daran teilhaben lassen. Am besten ist wohl anzumerken, dass Sammler wie der Schweizer Hubert Looser auch an andere denken, die am gegenseitigen Ende des Besitzens ihr Dasein fristen müssen. Diesen Bedürftigen kommt zugute, dass ein gleicher Teil des Geldes von Hubert Looser in verschiedene humanitäre Projekte einfließt. Darauf legt er großen Wert und hält damit auch nicht hinter dem Berg, ganz nach dem Motto: Tue Gutes und sprich darüber! Zudem soll die von ihm seit 1962 zusammengetragene Kunst auch weniger begüterten Museen Identität, wie Hubert Looser es formuliert, verleihen, da es sich durchwegs um Schlüsselwerke der Kunst des 20. Jahrhunderts handelt, aus denen sich diese wahrhaft imponierende Sammlung zusammensetzt.

Pablo Picasso Sylvette, 1954 © Succession Picasso / Bildrecht Wien 2018, Foto: Fond. Hubert Looser

Damit ermöglicht er Besuchern der erwähnten Häuser das Erlebnis von einer Begegnung mit den großen, zumindest den teuersten Meistern der Gegenwart und jüngsten Vergangenheit. Erwähnt werden sollte auch, dass der Sammler die Artefakte einer Stiftung als Dauerleihgabe übertragen hat und diese damit zu gegebenem Zeitpunkt beschenken wird.

Andy Warhol Mao, 1973 © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. Bildrecht Wien

Die Schau in der Kunsthalle Krems legt den Schwerpunkt auf Skulpturen und Arbeiten auf Papier. Deren Schöpfer sind im Titel „Picasso – Gorky – Warhol“ nur angedeutet. Es finden sich Holzschnitte auf Bastfaserpapier von Brice Marden ebenso wie „Grand geste végétal“ von Giuseppe Penone aus Bronze, „Walzer“ von Arnulf Rainer, blaue Körperspuren auf Leinwand von Yves Klein, unbetiteltes Öl und Papier auf Leinwand von Willem de Kooning und „Woman Music“ aus Lack und Stahl von David Smith. In Anbetracht der Daten der Entstehung der gezeigten Werke, wird die Ausstellung (bis 4. November 2018) zu einem anregend informativen Rundgang durch die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Andererseits aber auch zu einer Wanderung durch die Biographie eines Sammlerlebens, wie es Hubert Looser empfindet, wenn er sagt: „Die Kremser Ausstellung veranschaulicht den Werdegang meiner Sammlung von den 1960er-Jahren bis heute, Wie habe ich meinen Fokus auf die Kunst verändert? Wie hat sich mein Kaufverhalten geändert? Vom zuerst mehr regional Schweizerischen zum Internationalen zu kunsthistorisch Gewichtigem.

Cloudspace, 2018 Installationsansicht Dominikanerkirche © Kunsthalle Krems / Farid Sabha

Ab 1. Juli 2018 sind in der Kunsthalle Krems und in der Dominikanerkirche auch Arbeiten der Künstlerin Eva Schlegel unter dem Titel SPACES zu sehen. Regelmäßigen Besuchern der Kunsthalle ist die Glaswand mit unscharfer Schrift auf der Rampe vom Oberlichtsaal zum großen Ausstellungsraum sicher schon aufgefallen. Nunmehr gibt es viel mehr Eva Schlegel, das es ermöglicht, ihr gesamtes Arbeiten erleben zu können. Eine neue Serie großformatiger Fotografien thematisiert die Architektur von Innenräumen. Die Räume werden, wie Schlegel sagt, durch die Unschärfe und die Betonung des Lichts abstrahiert.

Dabei werden rationale Betrachtungsebenen bewusst ausgespart. Anliegen der Künstlerin sind poetische Seherlebnisse, die in der Zentralen Halle mit ihrem filmischen Werk vertieft werden.

 

Der zweite Schauplatz dieser Ausstellung ist die längst als stimmungsvoller Kunstraum bekannte Dominikanerkirche in der Altstadt von Krems, die mittlerweile von der Kunsthalle bespielt wird.

Trotz ihrer, wie sie selbst zugibt, anfänglichen Antipathie dem längst entweihten Sakralraum gegenüber hat Schlegel zwei Installationen mit Spiegeln geschaffen, in der das spätgotische Ambiente mit dem Besucher zu einem in seltsamer Weise konterkarierten Bild verschmilzt. Setzt man sich aber in eine der Installationen hinein, ist man von diesem Gegensatz befreit und erfreut sich an himmlischer Ruhe, um sich Gedanken über das Spannungsfeld „Leere versus Fülle“ zu machen.

Eva Schlegel im Gespräch mit Kurator Andreas Hoffer Foto: Lena Heneis
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