Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Vigilius Eriksen (Kopenhagen 1722–1782 Rungstedgård) Katharina II. © St. Petersb., Staatl. Eremitage

DIE EREMITAGE ZU GAST als Paarlauf Alter Meister

Bernardo Strozzi Der Prophet Elias und die Witwe von Sarepta © KHM-Museumsverband

Ein Best-of aus zwei der größten Kunstmuseen Europas mit Meisterwerken von Botticelli bis Van Dyck

Für einen wahren Kunstfreund ist Sankt Peterburg eines der ganz großen Traumziele. Die Eremitage kann ihn leicht zwei bis drei Tage oder auch länger beanspruchen, so viel ist dort an großer Kunst zu sehen. Gegründet wurde diese zumindest nach außen hin fast monströs erscheinende Heimat Alter Meister von Zarin Katharina der Großen. Sie kaufte nicht einzelne Gemälde, sondern gleich ganze Sammlungen, mit denen die Säle des Prunkbaus an der Newa nach und nach gefüllt wurden. Als geborene Deutsche mit dem wenig beeindruckenden Namen Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst musste sie nach dem Staatsstreich, in der ihr Mann, Zar Peter III., abgesetzt worden war, ihre Macht in der russischen Aristokratie festigen und versuchte dies unter anderem mit entsprechend prächtiger Hofhaltung. Vielleicht war es der Einfluss des französischen Philosophen Voltaire und anderer Vordenker der Aufklärung, mit denen sie Korrespondenz pflegte, der sie der Kunst nahebrachte.

Ambrosius Holbein © St. Petersburg, Staatliche Eremitage, 2018

Vielleicht war es auch nur das Bedürfnis, Reichtum mit Kunstsinn zu verbinden und damit die Welt und die eigenen Untertanen zu beeindrucken. Bis 2. September 2018 kann man diese Dame nun genau studieren. Ihr Porträt begrüßt den Eintretenden in die Ausstellung „Die Eremitage zu Gast“ im Wiener Kunsthistorischen Museum. Zwischen 1762 und 1764 hat der Däne Vigilius Eriksen, ihr Hofmaler, dieses Gemälde einer mächtige Frau geschaffen und dabei gewiss viel von ihrem zwiespältigen Charakter in den kritisch fragend auf den Betrachter gerichteten Blick gelegt und gleichzeitig im Spiegel mit fest geschlossenem Mund ihre Entschlossenheit zur Macht manifestiert.

 

Da es sich bei dieser Ausstellung um einen Paarlauf Alter Meister handelt, steht der Zarin unsere Kaiserin Maria Theresia zur Seite, die zweite mächtige Frau des damaligen Europa. Als Witwe an ihrer schwarzen Tracht erkennbar, hat sie Anton von Maron vor eine Statue des Friedens gesetzt.

Diesen beiden Porträts nachgeordnet sind jeweils ein Gemälde aus der Eremitage und eines aus dem KHM. So trifft Hans Holbein d. J. mit „John Chambers, Leibarzt König Heinrichs VIII.“ auf seinen jung verstorbenen Bruder Ambrosius Holbein, der mit faszinierender Lebendigkeit einen zwanzigjährigen Mann scheu und verträumt aus üppiger Architektur der Renaissance blicken lässt. Tintoretto (Jacobo Robusti) ist zweifach vertreten. Auf dem Gemälde der Eremitage ersticht der Hl. Georg den Drachen und das Werk des KHM zeigt die Kreuzabnahme Christi. Sandro Botticelli ist mit „Der büßende hl. Hieronymus“ (Eremitage) dem deutschen Meister Albrecht Altdorfer mit dessen Enthauptung der hl. Katharina (KHM) gegenüber gestellt. In dieser wohlklingenden Harmonie geht es weiter mit den großen Meistern, die zusammen eine zwar kleine, aber in ihrer Auswahl beeindruckende Schau aus einem Best-of der beiden Museen ergeben.

Jacopo Robusti, gen. Tintoretto © St. Petersburg, Staatliche Eremitage, 2018

Klimtbrücke © KHM-Museumsverband

STAIRWAY TO KLIMT und nackte Wahrheit in der Antikensammlung

Griechische Antike I Gustav Klimt Interkolumnienbild © KHM-Museumsverband

Der Bilderzyklus im Stiegenaufgang – 2018 wieder aus der Nähe zu sehen

Der Eingangsbereich des Kunsthistorischen Museums Wien ist bekanntlich eine üppige Ansammlung von Allegorien, mythologischen Anspielungen und historisierenden Stilen. Noch Ende des 19. Jahrhunderts war solcherlei einschüchternde Überfrachtung durchaus Mode, und zwar ganz im Sinne des Bildungsauftrages für das neu errichtete Hofmuseum, das als Heimstätte der „künstlerischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses“ dienen sollte. In Form einer opulenten Ouvertüre wird dabei auf alle die im Museum vertretenen Kunstbereiche angespielt, freie Flächen waren verpönt, getrieben von einem Horror vacui musste jede Wand und jede Decke, jedes Eck und jede Rundung kunstvoll ausgestaltet werden. So erhielten 1890, ein Jahr vor der Eröffnung, Gustav Klimt, sein jüngerer Bruder Ernst sowie ihr gemeinsamer Studienkollege und –freund Franz Matsch seitens des Hofbau Comités den Auftrag für einen malerischen Zyklus. Die drei Künstler, die als „Maler-Compagnie“ gemeinsam auftraten, hatten die Aufgabe, die bedeutendsten Stilepochen der europäischen Kunst nachvollziehbar darzustellen.

Ägypten I Gustav Klimt Zwickelbild © KHM-Museumsverband

In einer Höhe von zwölf Metern über der Eingangshalle wurden diese Bilder als sogenannte Zwickel und Interkolumnien in die Säulen- und Arkadenarchitektur des Hauses eingebettet.

 

Über 100 Jahre lang musste der Eintretende entweder auf halber Höhe der Treppe stehen bleiben und nach oben blicken, um diesen Zyklus betrachten zu können, oder er hat ihn wie alle die anderen Artefakte des Eingangsbereiches ignoriert und ist zügigen Schrittes den Sälen mit den Sammlungen zugeeilt. Bis 2. September 2018 hat er nach 2012 neuerlich Gelegenheit, Klimts Gemälde eingehend zu studieren. Für die Dauer der Ausstellung ist vor den Bildern über die gesamte Breite des Stiegenhauses eine Brücke gespannt. Auf Texttafeln erfährt der Besucher das inhaltliche Programm, die gedanklichen und malerischen Hintergründe sowie die Bedeutung der einzelnen Figuren für diverse Epochen der Kunstgeschichte.

 

Der 100. Todestag von Gustav Klimt (14. Juli 1862 – 6. Februar 1918) ist wohl ein schuldiger Anlass, diesen wohl bekanntesten österreichischen Maler mit einer Reihe von Ausstellungen zu feiern. Das Kunsthistorische Museum schließt sich diesem Gedenken mit einer Kostbarkeit an.

Aus den Sammlungen des Theatermuseums – das Bild gehörte einst dem Kulturkritiker und Theaterautor Hermann Bahr und kam über dessen Verlassenschaft in die Theatersammlung der Österreichischen Nationalbibliothek – wurde Gustav Klimts NUDA VERITAS ins Haupthaus geholt. In ihrer schlichten und dennoch provozierenden Nacktheit ist diese Frauenfigur eine Abrechung des Künstlers mit seinen Kritikern. Der Spruch, ein Zitat von Friedrich Schiller, KANNST DU NICHT ALLEN GEFALLEN DURCH DEINE THAT UND DEIN KUNSTWERK – MACH ES WENIGEN RECHT. VIELEN GEFALLEN IST SCHLIMM und ein Spiegel, der dem Betrachter entgegengehalten wird, machen die Bedeutung der „nackten Wahrheit“ deutlich. Präsentiert wird es in der Antikensammlung in unmittelbarer Nähe des männlichen Torsos eines Doryphoros (Speerträgers), einer römischen Replik nach dem griechischen Bildhauer Polyklet (5. Jh. v. Chr.), und führt so den Besucher in ein Spannungsfeld von zweieinhalb Jahrtausenden, in denen sich das Ideal der Kunst im Grunde kaum verändert hat.

Ägypten II Gustav Klimt Interkolumnium © KHM-Museumsverband
KHM neues Logo 300

 

Diashow mit den schönsten Objekten der Kunstkammer Wien

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