Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


 

Ben Marecek, Catherine Oborny, Reinhard Steiner © Benjamin Epp

SANDROCK.SCHNITZLER.SALTEN. im literarischen Boudoire

Catherine Oborny, Ben Marecek, Erika Deutinger © Benjamin Epp

Ein intimer Blick auf komplizierte Affären des Fin de Siècle

Wann endet die Dramatik einer Schauspielerin, wann beginnt der wahre Liebeskummer einer Frau? Helmut Korherr, Spezialist für genaue Recherche, die von ihm in Theaterstücke umgesetzt wird, stellt diese Frage einer der großen Schauspielerinnen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Ihr Schlafzimmer wird zum Treffpunkt zweier Literaten. Arthur Schnitzler und Felix Salten sind Freunde, die sich auch durch Adele Sandrock nicht entzweien lassen. Glaubt man dem Autor, der schließlich Briefe, Tagebucheintragungen und persönliche Notizen von Zeitgenossen dafür durchstöbert hat, war die Kurzbeziehung zum wesentlich jüngeren Salten nichts als der Versuch, den angehenden Starautor Schnitzler eifersüchtig zu machen. Das Verhältnis mit dem Älteren ist aktenkundig, bekannt ist auch, dass es kompliziert war. Sandrock war voller Launen, brüstete sich dem eben erst eroberten Liebhaber gegenüber hemmungslos mit ihren zahllosen Liebschaften davor, und vor allem, so Korherr, hatte sie eine Mutter, die erstens mit den Juden ihre Probleme hatte und zweitens mit dem Alkohol.

Catherine Oborny, Ben Marecek © Benjamin Epp

Johanna Simonetta den Hagen, so hieß die Frau, die in ihrer Jugend ebenfalls auf der Bühne gestanden war, unternahm alles nur Mögliche an Gemeinheiten, um Schnitzler aus dem Haus zu ekeln. Dass diese Mixtur aus endlosen Diskussionen und Reibereien nicht gerade anregend auf den Dichter wirkte, ist im Nachhinein betrachtet durchaus verständlich. Immer wieder siegte aber die erotische Anziehungskraft der Sandrock und Schnitzler landete wieder in ihrem Bett. Der Ausrutscher mit Salten dürfte für den Betrogenen nichts als ein willkommener Anlass gewesen sein, diese anstrengende, ziemlich neurotische Dame anzubringen. Denn in einem Gespräch zwischen den beiden Männern erweisen sich diese ebenfalls als grausame Machos, die von Treue oder wirklicher Zuneigung keine Ahnung haben.

Catherine Oborny, Reinhard Steiner, Erika Deutinger © Benjamin Epp

Kurt Ockermüller hat die langen, teils mühsamen Gespräche und die darin verpackten Neuigkeiten unter dem Titel „Sandrock.Schnitzler.Salten.“ auf die Bühne des KiP (Kunst im Prückl) gestellt. Im Mittelpunkt steht die geräumige Schlafstelle der Schauspielerin, in und an deren Bettkante die Liebe zerredet wird. Szenenwechsel werden mit dem Perpetuum mobile von Johann Strauß überbrückt und zu dieser flotten Melodie mit einem Ballett von spanischen Wänden die einzelnen Schauplätze geschaffen.

Als Mutter muss sich Erika Deutinger mit reizend holländischem Akzent über den Lebenswandel und die Verehrer ihrer Tochter fürchterlich alterieren, nicht ohne dabei Cognac glasweise zu kippen und zur Vertuschung die Flasche mit Wasser aufzufüllen. Reinhard Steiner ist ein fröhlicher Felix Salten, der seinem Freund Arthur Schnitzler (Ben Marecek mit verblüffender Ähnlichkeit zu seinem Helden) ohne Zögern den Hergang der genossenen Nacht mit Adele Sandrock erzählt.

Catherine Oborny als Dilly, so der Spitzname der Sandrock, wäre so ein liebes Mädchen, wenn da nicht die Männer wären. Sie hat ein Faible für Herren aus der Theaterszene, zum Beispiel für den Direktor des Burgtheaters oder eben für den angehenden Bühnendichter Arthur Schnitzler, dem sie laut Korherr sogar verfallen ist. Aber wie schon gesagt, was ist echt und was gespielt, wenn sie in Verzweiflung ausbricht und sehenswert dem Mann zu Füßen sinkt? Die wahre Antwort darauf bleibt offen....

Catherine Oborny, Ben Marecek © Benjamin Epp
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