Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


 

ICH, MEINE FRAU & SIE als Theater um so was wie Liebe

Eva Bilisich, Catherine Oborny  © Stephanie Grünberger

Eine launige Warnung an alle Dilettanten der Untreue vor einem Seitensprung

Bitte, kein Beispiel nehmen! Weder am Windbeutel Alfred, noch an Bärbl und schon gar nicht an Mona. Die drei sind Schauspieler, nicht weil sie gerade im K.I.P. auftreten, sondern weil sie auch solche darstellen. Sie sind Profis im relativen Umgang mit der Wahrheit und können dem Publikum locker in X für ein U vormachen. Wenn der Mann Regisseur ist, hat er berufsbedingt schon ein Verhältnis zu haben, so die gängige Meinung, die hartnäckig Dinge wie eine Besetzungscouch für real hält. Also hat Alfred auch eine Liebschaft mit der noch halbwegs jungen, aber sehr ambitionierten Schauspielerin Mona. Seine Gattin kommt ihm natürlich sofort auf die Schliche und stellt ihn zur Rede. Was sich daraus an teils kuriosen Szenen entwickeln kann, zeigt das Stück „Ich, meine Frau & sie“, näher bezeichnet als „Eine liebestolle Beziehungskomödie voller Überraschungen“. Es bleibt bis zum Ende offen, was in Wirklichkeit passiert sein könnte. Nur nichts glauben und wenn´s noch so ehrlich klingt! Das ist die einzige Devise, mit der man diesen Abend unbeschädigt überstehen kann.

Eva Bilisich, Christian Spatzek, Catherine Oborny © Stephanie Grünberger

Christian Spatzek, Eva Billisich und Catherine Oborny geben sich ehrliche Mühe, jeden Ausweg aus der oben angedeuteten Situation zu versperren. Höchst dramatisch wird gemordet, lustvoll outriert und der größte zwischenmenschliche Unsinn als das A & O prickelnder Liebesabenteuer hingestellt. Nicht einmal vor einer Ménage à trois wird zurückgeschreckt, dem heimlichen Traum eines jeden Mannes, der derlei noch nie ernsthaft in Erwägung gezogen hat. Was weiß schon ein Laie, was zwei Frauen ihrem gemeinsamen Liebhaber an Diplomatie abfordern, bevor es ein halbwegs friedliches Zusammensein zu dritt gibt?! Erstaunlich ist lediglich, dass als Autor für das Stück Helmut Korherr zeichnet. Man kennt ihn als Schöpfer bestens recherchierter Dramen über Persönlichkeiten wie Adolf Loos, Katja Mann oder Bertha Zuckerkandl, die in seinen Stücken packend über ihr Leben erzählen. Und nun das?! Aber kein Dichter kann sich wirklich aussuchen, welche Muse ihn gerade küsst. In diesem Fall war es eben Thalia, mit der er diesen Seitensprung gewagt hat.

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