Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Hotel Mama Ensemble © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

HOTEL MAMA mit Brieftauben und Rückentwicklern

Ralph Samel, René Huget © Komödioe am Kai / Andrea Eckstein

Die unwiderstehliche Anziehungskraft eines Nests mit sechs bequemen Türen

Zumindest zwei Söhne sind längst in einem Alter, in denen andere bereits auf eigenen Beinen stehen. Der dritte im Bunde ist grad so alt, dass er vom Bundesheer abgerüstet sein und mit dem Studium anfangen kann. Den Eltern ist nichts zu teuer, um ihrem Nachwuchs die besten Chancen auf ein erfolgreiches Leben zu bieten. Der Mittlere (27) studiert in Oxford, sein älterer Bruder (30) darf sich an einen Online-Shop in Berlin versuchen und der Benjamin (19) macht sich auf, um in Zürich eine renommierte Hochschule zu besuchen. Mit seinem Exodus wäre also Ruhe im Hause Bauer eingekehrt. Georg und seine Gattin Helene freuen sich wie Kinder auf entspannte Tage zu zweit – ein Labsal, das ihnen seit der Geburt des Ältesten nicht gegönnt war. Sie könnte sich endlich in ihrer Berufung als Malerin verwirklichen und er hätte die Möglichkeit, mit seiner Frau zweisame Stunden zu verbringen, inklusive all der Sinnlichkeit, die ihnen bei Anwesenheit ihres Nachwuchses verwehrt gewesen war. Was wird nun aus den hoffungsvoll erwarteten glücklichen, unbeschwerten Tagen in Wirklichkeit?

Anke Zisak, Ralph Samel © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

Die ernüchternde Antwort hat der US-amerikanische Dichter Lawrence Roman in eine zeitlose Komödie verpackt. Der Titel „Hotel Mama“ verrät schon eine ganze Menge über die Kalamitäten, denen Georg und Helene in der Folge ausgesetzt sind. Der Autor beschreibt mit klarem Blick, was aus Eltern wird, die nicht rechtzeitig „Nein“ sagen können. Sie verkommen zu Opfern von Brieftauben und Rückentwicklern, die ihnen argumentativ haushoch überlegen sind, wenn es darum geht, die in jeder Hinsicht zweifellose Bequemlichkeit des Elternhauses zu verteidigen.

Hotel Mama Ensemble © Komödie am Kais / Andrea Eckstein

Spaß ist bei diesem Stück garantiert, denn nahezu alle im Publikum können sich in irgendeiner Weise mit dem Geschehen identifizieren, und das aus der Sicherheit des dunklen Zuschauerraumes, der sie davor bewahrt, die eigenen Nesthocker daheim neben sich zu haben. Sissy Boran & Andrea Eckstein haben die amüsante Rauferei um Bleiben und Gehen für die Komödie am Kai inszeniert und für die türenreiche Bühne – sie weist sechs Zu- und Abgänge auf – Siegbert Zivny gewonnen.

Drei der Zimmer gehören (von links nach rechts) Michael (René Huget), einem Mathematiker mit dem Bedürfnis, unlösbare Probleme zu bewältigen. Die Mitte bewohnt bis zur Reise nach Zürich Robert (Felix Millauer), der nicht faul die in Innsbruck kennengelernte Josi (Lara Neversal) zur unerwarteten und die anderen männlichen Anwesenden durcheinander wirbelnden Hausgenossin der Familie Bauer macht. Der fesche Daniel (Oliver Roitinger) wird von seiner Frau rausgeschmissen und kehrt deshalb zurück in sein Jugendzimmer, um dort weiterhin seinem ungebremsten Drang nach Aufreißen und Mädels umlegen, wohl versorgt von Muttern, nachgehen zu können. Es ist bald einzusehen, dass das nicht geht. Man beginnt, mit der hübschen, auf ein eigenes Leben hungrigen Helene (Anke Zisak) und deren schafsäugig treuen Angetrauten Georg (Ralph Samel) mitzufiebern.

Wann wird es ihnen gelingen, die Bagage bei der einen Tür, die ins Freie führt, durch- und hinauszubringen? Bis es so weit ist, ereignen sich rechts in der Küche noch Kochkatastrophen, im Garten Explosionen im Dienste der Wissenschaft und links im Schlafzimmer der Alten – nichts! Ob dort, und nicht nur bei missglückten Versuchen von ehelichem Sex auf der dominierenden roten Couch mitten auf der Bühne irgendwann die Post abgeht, muss man sich selbst erlachen, eben im Hotel Mama.

Anke Zisak, Oliver Roitinger, Ralph Samel © Komödie am Kai / Andrea Eckstein
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