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Lachen ist simpel Ensemble © Komödie am Kai

LACHEN IST SIMPEL wenn´s mitunter auch schwer fällt

Editz Leyrer, Peter Kuderna © Komödie am Kai

Ein Abend voller Pointen, die man gerne weiter erzählt

Man sollte sich Notizen machen, wenn auf der Bühne das Licht ausgeht und im Zuschauerraum gelacht und geklatscht wird. Wieder hat eine Pointe, mit der man nicht gerechnet hat, punktgenau getroffen. Im Grund sind die meisten davon das überraschende Ende eines Witzes, der als humorige Szene im Theater freilich eine ganz andere, viel bessere Wirkung zeitigt als am Stammtisch, wo eine Darbietung dieser Art unter Umständen anstrengend wirkt, weil andere Gespräche damit unterbunden werden.

Lachen ist simpel Ensemble © Komödie am Kai

Wenn eigenes Dazwischenreden jedoch überhaupt nicht erwünscht bzw. störend ist, wie eben im Theater, dann können Ensemble, Ausstattung, Licht und Musik das heitere Geschehen tragen und Sketches zu kleinen Komödien heranwachsen lassen, die man als Zuschauer genüsslich wie köstliche Tapas schnabuliert und schon auf den nächsten Bissen Appetit hat.

 

Auf diese Art theatralischer Feinkost setzt derzeit die Komödie am Kai mit dem Programm „Lachen ist simpel“, das mit seinem Titel nicht zufällig auf die Grand Dame der heiteren Muse, Edith Leyrer, anspielt. Jahrzehntelang hat sie als Star des Kabaretts Simpl die Leute zum Lachen gebracht und überträgt diesen Schwung nun in die heimeligen Tiefen des Kellertheaters am Franz-Josefs-Kai 29.

Gemeinsam mit den drei Vollblutkomödianten Victor Kautsch, Peter Kuderna und Rochus Millauer schafft sie Kurzweil´ und Spaß. Es beginnt damit, dass sie als türkische Putzfrau den ernsten Disput zweier Herren mit dem Staubsauger stört, drei von sich mehr als überzeugte Burgschauspieler zu einer Audition für einen Werbespot antreten lässt oder als ausnehmend attraktiver Roboter einem heiratswilligen Freier das Gruseln beibringt. Besondere Leckerbissen auf diesem Buffet des Amüsements sind die Parodien aus der Feder von Dr. Sepp Tatzel. Ganz im erhabenen Stil von Grillparzer, Schiller oder Goethe schafft er in wohl gereimten Versen aus im Grunde banalen Alltagsszenen klassisch anmutende Kurzdramen, die zweifellos zum Feinsten auf dem Gebiet unbeschwerter Unterhaltung zählen.

Editz leyrer, Victor Kautsch © Komödie am Kai

Warum das Lachen mitunter schwer fällt? Wir wissen es zu gut, wenn wir hinter unserem MNS unverständlich brabbeln und der liebste Mensch vor einer Umarmung zurückscheut. Deswegen ist derlei kulturelle Verpflegung gerade jetzt in einer von Angst und Distanz beherrschten Zeit – ich möchte sagen – überlebenswichtig. Der Hunger darauf ist groß. Man darf nicht dem Schlankheitswahn des Jammerns verfallen, sondern soll der Esslust nachgeben und mit bestem Gewissen bei einem derart leichtverdaulichen Angebot tüchtig zugreifen.

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Die Golden Girls mit Peter Kuderna als Heiratsschwindler © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

GOLDEN GIRLS Ein Hymnus auf den witzigen Charme reifer Damen

Irene Budischowsky, Margdot Ganser-Skofic, Ulli Fessl, Editz Leyrer © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Thank you for being Friends erfolgreich vom TV auf die Bühne geholt

Alles kann angesprochen werden, jedes Thema, und sei es noch so heikel. Man braucht nur im rechten Moment zu zwinkern und schon ist jede Bösartigkeit gebannt und jeder Jammer im Grunde nur ein Lächeln wert. Meisterinnen in diesem Fach sind zweifellos die vier Damen, die das Schicksal zu einer Wohngemeinschaft zusammen gewürfelt hat. Jede von ihnen hat einen guten Teil des Lebens bereits hinter sich, hegt und pflegt die Erinnerungen an einen verstorbenen Partner und hat dennoch den Blick nach vorne gerichtet. Die Zukunft könnte ja doch noch einiges an Schönem und Elektrisierendem bringen, sogar für die betagte Sophia Petrillo, die nur deswegen zu ihrer Tochter Dorothy gezogen ist, weil ihr das Altersheim abgebrannt ist. Als gebürtige heißblütige Sizilianerin hat sie, was sinnliche Ansprüche betrifft, der Jüngeren nach wie vor einiges voraus, vor allem ist sie stets für ein Bonmot gut, das punktgenau ins Bullseye des jeweiligen Problems trifft. Einzig Blanche kann in dieser Beziehung einigermaßen mithalten, da sexlose Tage für sie einst ein Gräuel waren und wohl bis heute noch sind.

Ulli Fessl, Edith Leyrer © Komödie am Kai/Andrea Eckstein

Ein Spezialfall ist Rose aus dem sehr ländlichen St. Olaf, die allen gut sein will, deren Intelligenz im Kreise der schlagfertigen Damen jedoch nicht so recht mitspielen will. Sie sorgt in dieser doch ungewöhnlichen WG für unfreiwillige Unterhaltung, die ihr von den anderen aber mit inniger Zuneigung gedankt wird. Diese Frauen sind eben Freundinnen, die gemeinsam durch dick und dünn gehen, wenn´s drauf ankommt – und das dürfen sie in einer Reihe von nicht unkniffligen Fällen immer wieder auf die Probe stellen und am Ende mit Bravour bestehen.

Edith Leyrer, Irene Budischowsky, Christian Spatzek, Margot Ganser-Skofic © KaK, Andrea Eckstein

„Golden Girls“ hat als TV-Serie das Publikum bei der Stange gehalten und nicht nur reife Frauen, sondern alle Alterschichten begeistert. In der Komödie am Kai wurde am 20. Februar 2020 der Beweis erbracht, dass es möglich ist, die Geschichte der Girls aus Miami ohne Verlust ihres Witzes auch auf eine Bühne zu stellen. Christian Spatzek hat das dazu geschaffene Stück für dieses traditionsreiche Kellertheater eingerichtet und zu einem kurzweiligen und wahrhaftig lustigen Abend eingekocht.

Nachdem die vier Frauen mit zwei Männern ihr Auslangen finden müssen, hat er selbst die Nebenrollen Pfarrer, Beamter und Regisseur für Werbespots übernommen. Der andere Herr ist Peter Kuderna, der als handküssender Heiratsschwindler, als geschäftstüchtiger Bestatter und als heiratslustiger Big Daddy die Ladys überzeugt. Natascha Shalaby erscheint als böse Menschenfeindin Frida ebenso wie als Lesbe Jean, die sich glatt in Rose verknallt. Dass Ulli Fessl diese Avancen nicht entsprechend erwidern kann, ist klar. Dafür ist ihre Rose einfach zu hausbacken, wenngleich deren originelles Verhalten oft ein amüsiertes Kopfschütteln ihrer Freundinnen zeitigt.

Irene Budischofsky mit strengem Hosenanzug und grauer Perücke ist eine von Vernunft geplagte Dorothy, die ihre liebe Not mit Margot Ganser-Skofic als hinreißender Mama Sophia hat. Sie muss ihr Pornovideos abnehmen und wie der Teufel aufpassen, dass diese nicht mit dem nächstbesten Witwer abhaut. Ganz auf makelloses Äußeres ist Blanche bedacht, der Edith Leyrer Lebenslust vom Feinsten verleiht und damit dieses goldene Quartett aus vier charmant witzigen Frauen komplettiert.

Natascha Shalaby, Ulli Fessl © Komödie am Kai/Andrea Eckstein
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