Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Franzensburg im Park von Laxenburg

STILLE NACHT oder eine kleinkarierte Weihnachtskomödie

Stille Nacht Ensemble © Sabine Hauswirth

Warum Last Christmas & Co auch im Sommer erträglich sein können

Alle Jahre wieder findet Adi Hirschal als Intendant des Kultursommers Laxenburg ein schräges Stück für den Innenhof der Franzensburg, um deren mittelalterlichem Ambiente einen dramatischen Kontrapunkt entgegen zu setzen. War es einmal eine Sauna oder ein Altersheim, ist es dieses Mal die kleinbürgerliche Wohnung des bei einem Kleiderbügelerzeuger angestellten Werner Klein. Die Familie ist ganz auf die karierten Tapeten und Polsterüberzüge abgestimmt. Sogar das Klavier ist mit dem gleichen Stoff im übrigen Interieur getarnt. Weil er ein paar Wortfetzen seines Chefs Julius Gludowatz III aufgefangen hat, und eine fehlgegangene SMS gründlich missversteht, bildet er sich just ein, er müsse seinem Brotgeber ein Weihnachtsfest im Juni bescheren. Dieses wird wacker inszeniert, sogar mit einem Klavierspieler, der als Untermieter Richard Wagner auf ein Klingelzeichen erscheint, um das Piano mit weihnachtlich süßen Klängen zu bedienen. Gludowatz III wird dazu eingeladen, um am Ende der Feierlichkeiten, gerührt von den Vanillekipferln, dem kleinkarierten Klein die Firma zu überschreiben.

Wolfgang Klivana, Susanne Gschendtner © Sabine Hauswirth

Dass die Zielperson dieser perfiden Erbschleicherei sich bester Gesundheit erfreut, wird verdrängt und dessen aufdringliche Geliebte hartnäckig als seine Pflegerin betrachtet. Zu allem Überfluss erscheint auch die Tochter Sabine mit ihrem Verlobten, einem Konzeptkünstler, der zwar Mama Henriette, aber nicht Vater Klein zu Gesicht steht.

 

Wenn die ganze Geschichte auch höchst unwahrscheinlich klingt, so birgt sie doch eine Menge an Möglichkeiten für Gags, die von Regisseur Adi Hirschal üppig genützt werden. Christian Deix und Oliver Lendl zeichnen als Autoren dieser Posse mit Gesang und zeigen keinerlei Angst vor dem alten Aberglauben, dass jemand stirbt, wenn man im Sommer ein Weihnachtslied singt. Am wenigsten neigt dazu der potentielle Todeskandidat Julius Gludowatz III, den Wolfgang Klivana eine sehenswerte Grätsche zwischen Dankbarkeit für das Mitgefühl und subtiler Rache für die Hintertriebenheit seines treuesten Angestellten hinlegen lässt. Seine Freundin Melanie (Susanne Gschwendtner) ist das blonde Gift in Person und käme auch bestens in lasziven Krankenschwesterfilmen. Pia Baresch, die reizend betuliche Hausfrau Henriette, hat auch in der heißen Jahreszeit keine Hemmungen, Glühwein als Aperitif zu servieren. Ihre Tochter, die einen Bankjob hingeschmissen und sich in den mittellosen Künstler Franz Merlin du Rieux (Boris Popovic) verknallt hat, findet mit Lisa Handler zur Naivität, die einer wahren Sabine ansteht.

Der alles organisierende Werner Klein (Christian Deix) ist groß im Scheitern, hat davor aber nicht die geringste Kleinigkeit, abgesehen von einer Weihnachtkrippe, übersehen, um Santa Claus unter der roten Mütze ins Schwitzen kommen zu lassen. Thomas Mahn als Richard Wagner, der stille Musikstudent im x-ten Semester, begleitet das Ensemble auf den Tasten, das schwungvoll und vor allem gekonnt bei 30 Grad im Schatten Weihnachtslieder trällert und Last Christmas & Co auch im Sommer erträglich macht.

Lisa Handler, Boris Popovic © Sabine Hauswirth
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