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Um die Wette Ensemble © Alexi Pelekanos

UM DIE WETTE oder wer angibt, hat mehr vom Leben

Um die Wette Ensemble © Alexi Pelekanos

Französischer Humor kann auch auf Deutsch ungemein lustig sein

Man möchte es nicht glauben, aber die mit ihrem Dasein tragisch zerstrittene Elfriede Jelinek ist eine Meisterin, wenn es darum geht, Komödien französischer Dramatiker ins Deutsche zu übersetzen. Dabei sind es gar nicht die ganz Großen, deren Stücken zumindest ein trauriger Tiefgang nachgesagt wird, sondern einfache Lustspieldichter, die ihr Publikum mit Possen und Vaudevilles, eine Vorform des Musicals derzeitiger seichter Prägung, köstlich unterhalten haben. Jelinek hat das sichere Gefühl für den Wortwitz, den sie virtuos aus der melodiösen Sprache beispielsweise eines Eugène Labiche ohne Verlust seines federleichten Dahinfließens in teutonische Sätze verwandelt. Sie macht damit den Schauspielern die Aufgabe, das Publikum zum Lachen zu bringen, bereits um einiges leichter, was aber nicht besagen will, dass es einfach ist, eine rasante französische Komödie vom Schlag „La poudre aux yeux“ (Das Puder in den Augen) mit dem strammen deutschen Titel „Um die Wette“ ernsthaft lustig über die Bühne zu bringen. Es lauern darin ungeahnte Gefahren, die es zu entdecken und zu entschärfen gilt.

Um die Wette Ensemble © Alexi Pelekanos

So liegt zwischen punktgenauer Komik und Blödeln nur ein schmaler Grat, dessen Überschreitung eine Laune des Moments oder eine begreifliche Begeisterung über die Lacher im Publikum auslösen kann. Schon ist ulkiger Slapstick aus dem geworden, das ursprünglich als messerscharfe Satire gedacht war. Wenn aber penibel darauf geachtet wird, alles das zu verwirklichen, was der Autor mit seinem Augenzwinkern sagen wollte, dann steht einem großen Komödienabend mit frankophilen Anklängen nichts mehr im Wege.

Um die Wette Ensemble © Alexi Pelekanos

Der junge Allrounder Philipp Moschitz hat mit seiner Regie im Landestheater Niederösterreich gezeigt, wie man Labiche inszenieren kann, dass allgemeine Begeisterung aufkommt. Er hat das Lizitieren um die größere Angeberei zwischen den Familien Malingear und Ratinois auf ein Fauteuil reduziert. Im Lauf der Vorstellung wächst diese an sich bequeme Sitzgelegenheit ins Monströse. Mehr braucht es eigentlich nicht, um den Inhalt des Stücks mit einem einzigen Requisit auszudrücken.

Kann am Anfang noch drauf herumgelümmelt werden, ist es am Schluss eine Kletterpartie, die zur Herausforderung für alle Beteiligten wird. Im Grund geht es nur darum, dass Emmeline, die Tochter des von Patienten gemiedenen Arztes Malingear, mit dem reizenden jungen Mann Frédéric Ratinois verheiratet werden soll. Laura Laufenberg ist eine ganz liebe Emmeline und Anton Widauer der nette Bursch, der ihr Klavierunterricht erteilt und obendrein als Countertenor in „La Donna È Mobile“ bella figura macht. Cathrine Dumont und Tilman Rose sind Madame und Monsieur Ratinois, die brutal aus ihrem bescheidenen Dasein durch die Begegnung mit Blanche und Dr. Malingear gerissen werden. Hat doch Madame Malingear, die ihre Statur von der ungeheuer präsenten und ohne Rücksicht auf die eigene Person komischen Gisa Flake erhält, die verhängnisvolle Idee, dem anderen Elternpaar Reichtum und Wichtigkeit vorzuflunkern. Nolens volens macht ihr Gatte dabei mit, obgleich er unter anderem als Dörrobst (überzeugend verkörpert von Michael Scherff) beschimpft wird. Sie geraten aber an die Falschen. Diese halten nämlich kräftig dagegen.

Die für die Mitgift ausgehandelten Geldsummen, über die weder die einen noch die anderen verfügen, steigen ins Astronomische, bis als Deus ex machina Onkel Robert erscheint und allen den Kopf zurecht richtet. Martin Brunnemann ist der Mann für alle Fälle und wahrer Meister der Verwandlung. Er spielt ganze zehn Rollen, angefangen vom Dienstmädchen über diverse Diener bis zum Maître d'hôtel, bevor er als einzig wirklich Betuchter dem jungen Paar zu seinem Glück verhilft.

Um die Wette Ensemble © Alexi Pelekanos

Wichtiger Hinweis

Bis 22.01.2019 und auch zu Silvester (16 u. 20 Uhr) wird UM DIE WETTE im Niederösterreichischen Landestheater in St. Pölten gespielt und am Di., 29. und Mi., 30.01.2019 als Gastspiel an der Bühne Baden.

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