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Am Königsweg Ensemble © Alexi Pelekanos

AM KÖNIGSWEG Muppet Show mit Jelinek und Habjan-Puppen

Am Königsweg Ensemble © Alexi Pelekanos

Jammern über die Welt mit geschliffener, pointierter Wortgewalt

Gäbe es einen König, dann könnte dieser Donald Trump heißen. Er wäre dann das praktische Ziel, alle Schlechtigkeit unseres Daseins auf ihn zu projizieren, sozusagen der Königsweg, um uns selbst von jeder Schuld rein zu waschen. Elfriede Jelinek ist aber so ehrlich, um sich mit Ironie über ihre eigenen Schwächen und Komplexe in diese Beschimpfung einer mächtigen Gestalt – sie erwähnt nie den Namen Trump – einzubringen. Als blinde Seherin wird sie zur Moderatorin dieses Jammerstücks und beginnt sich im Lauf des Nichtgeschehens zu vervielfältigen, bis am Schluss vier Mal Jelinek mit sich diskutiert und dabei natürlich kein Ende findet. Zwei Stunden reichen kaum aus, um für das Opfer – die alttestamentarische Geschichte von Abraham und Isaak – den Täter und den Widder zu finden. Es gibt keinen nachvollziehbaren Inhalt, nur Wortkaskaden in feinster Formulierung, die wie ein Trommelfeuer die grauen Zellen der Zuhörer stimulieren wollen. Im Grunde aber geht es um einen König, der für seine Entscheidungen verantwortlich ist. König Ödipus steht dafür bereit.

Am Königsweg Ensemble © Alexi Pelekanos

Er wurde wegen seiner Verfehlungen, für die er gar nichts konnte, von seinen Untertanen, die unter der Pest zu leiden hatten, gescholten. Was das nun mit dem amerikanischen Präsidenten zu tun hat, der partout eine Mauer bauen will, im Umgang mit Frauen nicht zimperlich ist und weiß, wie man rücksichtslos einen Haufen Geld macht, muss jeder für sich selber aus dem alles andere als leicht zugänglichen Text herausfinden. Man darf lediglich den Unterschied nicht vergessen: Ein König wird von Gottes Gnaden eingesetzt, ein Präsident vom Volk gewählt.

Am Königsweg, Manuela Linshalm, Bettina Kerl © Alexi Pelekanos

„Am Königsweg“ erlebte im Landestheater Niederösterreich am 16. März 2019 seine österr. Erstaufführung. Elfriede Jelinek hat das Stück als Muppet Show angelegt und dafür den Besten für ein solches Vorhaben gewonnen. Nikolaus Habjan hat sowohl Regie geführt als auch die Puppen gebaut, die vom Ensemble virtuos geführt werden. Gonzo, Kermit, Waldorf und Statler bevölkern das Weiße Haus, das von Miss Piggy mit auffallender Ähnlichkeit zu einer gewissen Frau Trump, beherrscht wird.

Dazwischen hängt, wenn er nicht gerade quatscht, der ganz in Gold kostümierte König mit Visage und Frisur von Trump herum. Dass sich jemals eine Puppe wie Jelinek auf seinem Sofa im Oval Office verführerisch räkeln würde, konnte auch er nicht ahnen. Er lässt aber die Finger von ihr. Schließlich hat er schon genügend Weibergeschichten am Hals und ausreichend mit seiner Selbstinszenierung zu tun. Man sollte aber bedenken, auch wenn eine solche Figur lächerlich gemacht wird, ist sie nicht weniger gefährlich. Vielleicht hat man einfach nur weniger Angst vor ihr.

Hanna Binder, Tim Breyvogel, Sabrina Ceesay, Bettina Kerl, Manuela Linshalm und Tilman Rose sind dazu Tänzer, Puppenspieler und Stimmakrobaten. Sie beherrschen die „entlaufenen Worte“, als gäbe es nichts Einfacheres auf der Welt, die von der Autorin so grausam gescholten wird. Das Ganze ist eigentlich ein Kabarett, das zwar die Lachmuskeln nicht strapaziert, aber mit literarischem Humor als Parodie auf totgetretene Themen wie Rassismus und Nationalismus zu unterhalten vermag.

Muppet Show am Königsweg © Alexi Pelekanos

Wichtiger Hinweis

 

„Am Königsweg“ wird noch bis 30. April 2019 im Landestheater Niederösterreich gezeigt und anschließend als Gastspiel am Mi., 22. und Do., 23. Mai 2019 an der Bühne Baden. Zudem gibt es im Rahmen der Produktion am Samstag, 13.04.2019 im Anschluss an die Vorstellung von „Am Königsweg“ um 18 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema Wie geht es weiter mit Europa? Moderation Corinna Milborn, mit Dr. Erhard Busek, Dr. Raimund Löw, Miroslava Svolikova u.a.

 

Mehr von Nikolaus Habjan gibt es am 4. u. 5. April 2019 mit Marivaux „Der Streit“ als Gastspiel des Residenztheaters München.

 

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