Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Kerstin Grotria (Rusalka), Stefan Fleischhacker © Christa Fuchs

RUSALKA irrlichtert durch die alte Backstube

Rusalka, Damensemble © Christa Fuchs

Oper mit Spaß an der Freud´ und vor allem mit großem Mut

Was muss sich dieses Nixerl auch in einen Prinzen verlieben?! Zugegeben, der junge Mann ist nicht unattraktiv, hat eine hübsche Stimme und ist sogar bereit, den Mensch gewordenen Wassergeist zu ehelichen. Blöd nur, dass er keine Ahnung hat, warum die junge Dame hartnäckig schweigt und seinem Ermessen nach zuwenig Herzenswärme an den Tag legt. Schuld daran ist eine alte Hexe, die den Wassergeist zwar menschlich machen kann, aber mit der Auflage, dass Rusalka den Menschen gegenüber stumm ist. Diesen hinderlichen Umstand überzieht auf der Stelle eine fremde Fürstin, die sich den Prinzen just am Hochzeittag krallt und damit dem Unheil freien Lauf gewährt. Die böse Dame liebt den Prinzen natürlich nicht. Dass sie damit zwei Herzen auf einen Schlag gebrochen hat, ist ihr egal. Ihr ist es auch wurscht, dass Rusalka ihr weiteres Dasein als Irrlicht fristen muss und der Prinz, von Reue geschüttelt, freiwillig an deren Brust stirbt. Ist das nun ein Happy End oder nicht? Pragmatiker würden es verneinen: Eine ewig Verdammte und ein Toter. Anders denkt  darüber vielleicht ein Romantiker.

Elena Schreiber (Jezibaba) © Christa Fuchs

Derlei Schwärmer sind zumeist auch Kenner der Opernlibretti und sehen, gut geschult durch blutige Schlussszenen, im gemeinsamen Unglück die Erfüllung einer Liebe, die in diesem Fall von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Eine Seejungfrau, allein von ihrer Anatomie zur Unschuld verurteilt, und ein vitaler junger Mann, das kann nur insofern gut gehen, dass der eine stirbt und die andere ihren misslungenen Versuch einer Wesensänderung für alle Zeiten büßen muss.

 

Antonín Dvořák hat nach einem Libretto von Jaroslav Kvapil das alte Thema vom verliebten Wassermädchen in wundervoll böhmische Gefühlsmusik gesetzt. Es waren wohl diese so herrlich ins Ohr gehenden Melodien, die Stefan Fleischhacker dazu veranlasst haben, die Oper Rusalka in seinem kleinen Theater L.E.O. (Letztes Erfreuliches Operntheater) ins Programm zu nehmen. Eine ordentliche Portion Mut kann man dem Prinzipal der Truppe und in diesem Fall dem Prinztenor nicht absprechen. Gespielt wird in einer ehemaligen Backstube, in der es noch Tischerln gibt, auf denen man sein Glas Wein abstellen und ab und zu davon nippen kann, während auf kleiner Bühne große Oper gegeben wird. Regie geführt hat Elena Schreiber und dabei nicht auf den Humor vergessen.

Launig führt sie das Publikum in die Tragödie ein, bevor sie selbst mit beachtlich dramatischem Sopran die Hexe Jezibaba und die fremde Fürstin singt. Mit einfachsten Mitteln schafft sie es, eine von Wassergeistern bevölkerte Aulandschaft und ein Schloss auf ein paar Quadratmeter Bühne zu stellen. Sie scheut auch nicht davor zurück, das Publikum in die Handlung einzubinden und zu Mendelssohn-Bartholdys Hochzeitsmarsch einen humorigen Text singen zu lassen. Drei junge Damen, einmal als Rheintöchter, pardon, als Nixen eines böhmischen Gewässers, das andere Mal als Elfen sollen als sowohl als stimmlich wie optischer Aufputz nicht unerwähnt bleiben. Sie necken nicht Alberich, sondern den alten Wassermann Gebhard Heegmann, der mit seines Basses Grundgewalt sowohl seiner Tochter als auch dem treulosen Prinzen die Leviten liest und ihm offenbart, dass er Rusalkas Armen nicht entgehen wird. Kerstin Grotrian leidet und singt herzzerreißend von ihrem Schmerz und ergreifend schön von ihrer Liebe, wenn sie diese dem „lieben Mond“ anvertraut. Begleitet werden die Solisten von Seul Lee, die auf dem Piano wie nix ein ganzes Orchester ersetzt.

Gebhard Heegmann (Wassermann) © Christa Fuchs
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