Kultur und Wein

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Egon Schiele, Liegende Frau, 1917 © Leopold Museum

EGON SCHIELE Virtuoser Solist und grandioser Teamplayer

Egon Schiele, Kauernder Mädchenakt, 1914 © Leopold Museum Foto: Leopold Museum/Manfred Thumberger

Der Maler in der Jubiläumsschau trifft als Zeichner Brus und Palme

Wo sonst als im Leopold Museum kann Egon Schiele zum 100. Todestag entsprechend gewürdigt werden?! Das Haus verfügt über die weltweit umfangreichste und bedeutendste Sammlung an Werken, aber auch an Briefen und Fotos dieses Künstlers, der nach seinem viel zu kurzen Leben – er starb mit knapp 28 Jahren – nicht nur ein unglaublich umfangreiches Œuvre hinterlassen hat, sondern auch in seiner Mal- und Zeichenweise trotz seiner Vorbildwirkung auf nachfolgende Generationen einzigartig geblieben ist. Rudolf Leopold hat wesentlich dazu beigetragen, dass heute Egon Schiele seinen ihm zustehenden Rang in der Kunstwelt einnimmt. Der Sammler ist quasi sein Entdecker. Leopold hat nicht nur die meisten Schlüsselwerke Schieles, sondern auch wichtige Materialien erworben, die heute sein Dasein aufbereiten lassen. Von einem privaten Leben kann bei Schiele kaum gesprochen werden. Es war mit seinem Schaffen zutiefst verquickt. Seine Frauen waren gleichzeitig die Modelle für Aktbilder, die in ihrer Direktheit die Betrachter irritierten.

GÜNTER BRUS, Aktionszeichnung, 1966 © Privatsammlung | Foto: N. Lackner/UMJ

Sein eigener Körper erscheint wie die Inszenierung einer Persönlichkeit, die sich ihrer Ausnahmestellung in der Gesellschaft bewusst war. Sein Leben bestand aus Malen und Zeichnen, aber auch aus dem Schreiben, aus dem Verfassen von Gedichten, die in der „Egon Schiele Jubiläumsschau“ (bis 4. November 2018) wie ein poetischer Kommentar zwischen die Gemälde gehängt sind. Dazu ein Beispiel aus dem Jahr 1910:

ÜBER DEN MOOSRIECHENDEN

SCHWARZUMRANDETEN PARKSEE

GLEITET IM

REGENBOGENFARBENSCHAUM

DER HOHE, RUHIGE, RUNDE

SCHWAN.

Wie sehr Egon Schiele die Kunst nach ihm beeinflusst hat, zeigt die Ausstellung SCHIELE BRUS PLAME ABSTURZTRÄUME (bis 11. Juni 2018) im Grafikkabinett. Drei ganz verschiedene Generationen auf einem Platz vereint und einander doch in vielem ähnlich. Jeder der drei Künstler war ein obsessiver Zeichner und jeder von ihnen hatte seine Probleme mit der gerade herrschenden Meinung, die aus ihrem bürgerlichen Sinn heraus bestimmen wollte, wie weit sich Kunst in den moralischen Raum nach vorne wagen dürfe und wo die Grenze des Tabus gezogen liegt. Weder Schiele, noch Günter Brus oder Thomas Palme haben sich darum was gepfiffen und bekamen ihre Probleme. Egon Schiele musste die sogenannte Neulengbach-Affäre überstehen. Brus wurde aufgrund der „Uni-Ferkelei“ zu strenger Haftstrafe verurteilt.

Palme geriet mit seinen performativen Interventionen immer wieder in Konflikt mit den deutschen Ordnungshütern. Der Grund dafür ist ein weiteres die drei Künstler vereinendes Element in ihrem Schaffen. Sie brechen Konventionen auf, mit denen sowohl Eros als auch Thanatos, also der Tod, blickdicht verpackt und aus dem Sichtfeld gerückt sind. Der Mensch, den sie zeichnen, ist ein in Ängsten, Begierden und Zwängen verfangenes Wesen, das in einer Welt, in der Glückssuche um jeden Preis an erster Stelle steht, nur ja um keinen Preis mit seinen dunklen Seiten konfrontiert werden will. Natürlich dürfen Papierarbeiten aus konservatorischen Gründen nur begrenzte Zeit dem Licht ausgesetzt werden und müssen nach relativ kurzer Zeit ausgetauscht werden. Was wiederum den Vorteil in sich birgt, dass diese Ausstellung immer wieder besucht werden kann und darin neue Werke dieser drei Künstler zu entdecken sind.

Thomas Palme, MISTIRIOUS MESSAGES OF SUFFERING AND JOY, 2014 © Neue Galerie Graz
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