Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht © © Leopold Museum, Wien Foto: Lisa Rastl

OSKAR KOKOSCHKA Der Maler wider das Quaken der Frösche

OSKAR KOKOSCHKA, Liebespaar mit Katze, 1917 © Kunsthaus Zürich

Das gewaltige Werk eines Expressionisten, Migranten und Europäers

Wie schon Aristophanes in seiner Komödie „Die Frösche“ seine Athener Landsleute auf die Auflösungserscheinungen des gesellschaftlichen Miteinanders aufmerksam machen wollte, richten sich auch die Botschaften des Malers Oskar Kokoschka ohne Rücksicht auf ästhetische Empfindungen an den für Kunst sensiblen Menschen. Das Bild „Die Frösche“ entstand 1968 und verbirgt hinter den beiden Amphibien aus der Familie der Ranidae, angelehnt an das antike Drama vom Wettstreit zweier Dichter, die ironische Position eines kritischen Künstlers, der sich auf der Leinwand, aber auch im Theater Gehör verschaffen konnte. Er malte gegen den Krieg, indem er ihm die Maske des Heldentums vom Gesicht riss. Das Barackenlager des Brigadekommandos oder das Projektionsgewehr in eingedeckter Stellung sind zwei dieser trostlosen Beispiele aus dem Ersten Weltkrieg. „Anschluss“ –Alice im Wunderland und Loreley entstanden Anfang der 1940er-Jahre, als deutsche Bomben sein Exil in London mit Feuer und Tod überzogen. 1945 widmete er der materiellen Not die berührende Tuschpinselzeichung „Christus hilft den hungernden Kindern“.

O.K. Plakat für Mörder, Hoffnung der Frauen © Leopold Museum,

Der Gekreuzigte beugt sich zu den unschuldigen Opfern des vorangegangenen Massakers herab. Hinter ihm auf dem Querbalken erscheint der Schriftzug „In Memoriam of the children of Europe who have to die of cold and hungert his Xmas.“ OK, wie er signierte, waren die Menschen wichtig. Die von ihm gemalten Frauen waren nicht selten mit ihm persönlich verbunden.

Bei den Großen des Geistes und der Kunst ist deren Persönlichkeit in seinen Porträts deutlicher erhalten geblieben als in jeder gedruckten Biographie. Den von ihm gemalten Städten gibt er eine Seele, wenn er auf Perspektive oder geografische Genauigkeit keinen Wert legt, sondern sich auf Farben und Stimmungen reduziert. Eines seiner Hauptmotive aber war er selber, sein kantiges Gesicht, das eben diese Entschlossenheit widerspiegelt, die Oskar Kokoschka zu einem der wesentlichen Begründer der Moderne und bedeutendsten Vertreter des Expressionismus gemacht haben.

Berlin - 13. August 1966, 1966 © Axel Springer SE

Die Schau, die bis 8. Juli 2019 im Leopold Museum Oskar Kokoschka unter dem Titel „Expressionismus.Migrant.Europäer“ gewidmet ist, wird man jedes der drei Attribute, vereint oft in einem einzigen Bild, wiederfinden. Seine Werke sind allerdings keineswegs einfach zum Anschauen. Wer von ihnen sagt, dass sie schön sind, hat nicht wirklich hingesehen.

Sie irritieren das Auge durch wilde Pinselstriche, die zwischen der von ihm überzeugt vertretenen Gegenständlichkeit und gleichzeitig einem ins Abstrakte zielenden Gestus das Wesentliche des jeweils dargestellten Themas herauslösen und damit sichtbar machen. Gleichzeitig bietet diese Ausstellung einen selten ausführlichen Überblick über das Leben von Kokoschka. Man begegnet seinen Frühwerken wie „Die träumenden Knaben“ und dem einen Theaterskandal entfachende Stück „Mörder, Hoffung der Frauen“, das die Stimmung des jungen Mannes in seiner rasenden, aber unerfüllt gebliebenen Liebe zu Alma Mahler vorbereitet. Die berühmte Puppe, die Kokoschka von Alma anfertigen ließ, bewacht in einer Replik aus 2007 (Denis Savary) die Bilder, auf denen sich der Maler mit seiner Muse verewigt hat. Dazu begleitet seine Korrespondenz die an den Wänden mit viel Freiraum beschaulich gehängten Bilder und lässt neben der Malerei auch die Handschrift erkennen, die wie die ausgewählten Skizzen einen aufschlussreiche Blick in die alles andere als unkomplizierte Persönlichkeit von Oskar Kokoschka ermöglichen.

Selbstbildnis eines „entarteten Künstlers“, 1937 © National Galleries of Scotland
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