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STEFAN ZWEIG WELTAUTOR Erinnerungen an den großen Literaten

Stefan Zweig mit Ehefrau Lotte bei der Ankunft in Argentinien. © Stefan Zweig Zentrum Salzburg

Der Erfolg hat mich wie ein fremder Gast überrascht...

Die „Sternstunden der Menschheit“ zählten noch in den 1970er-Jahren zur vergnüglichsten Schullektüre. Voller Spannung verfolgte man die einzelnen Geschehnisse, die so eng mit den jeweiligen Schicksalen verbunden sind, dass sie einfach nahegehen müssen. Bis zuletzt hofft man wider besseres Wissen, dass Kapitän Robert Scott den Wettlauf zum Südpol gewinnt und fragt sich erst nachher, warum man so heftig für die Briten Partei ergriffen hat, wo es einem doch gleichgültig sein könnte, wer der Sieger dieses bizarren Wettrennens ist. Es ist die Kunst von Stefan Zweig, die den Leser gefangen nimmt, die eine Welt in seinem Kopf erschafft, in der man in Eiswüsten friert, in der Sonnenhitze durchglühter Steppen schmachtet und beinahe körperlich die Beschwernisse seiner Helden empfindet. Zweig ist nicht umsonst einer der meistgelesenen und in unzählige Sprachen dieser Erde übersetzten Autoren. Seine Novellen wurden verfilmt und füllten die Kinos. Opernfreunde schätzen Stefan Zweig als Librettist für Richard Strauss. Die Zusammenarbeit war alles andere als friktionsfrei. Sie bescherte dem Komponisten, so berichtet es die Fama, den Verlust seines Amtes als Präsident der Reichsmusikkammer.

Brief von Stefan Zweig an seinen Londoner Verleger Desmond Flower © Österr. Nationalbibliothek

Berührend ist das Schreiben, in dem Strauss mit Worten spielend Stefan Zweig dennoch als seinen starken Ast bezeichnet und ihn ermutigt, für seine Musik gegen jede Anfeindung seitens der Nationalsozialisten die Texte zu schreiben. Es war die Zeit, als jüdische Autoren keine noch so große Prominenz vor Angriffen seitens der Machthaber schützte. Für Zweig stand die Welt, die er vorher lustvoll bereist und beschrieben hatte, nur noch für die Flucht offen. Er emigrierte. Geschlagen von Hoffnungslosigkeit nahm er sich in seinem Exil in Brasilien im Jahr 1942 das Leben.

Ansichtskarte von Stefan Zweig an seinen Londoner Verleger Desmond Flower © ONB

Im Literaturmuseum in der Johannesgasse wurde ihm von der österreichischen Nationalbibliothek eine Ausstellung gewidmet. „Stefan Zweig Weltautor“ (bis 27. Februar 2022) fordert den Besucher zum Lesen auf. Es sind Manuskripte, dazu Notiz- und Tagebücher sowie Briefe, die tiefe Einblicke in das Leben dieses Schriftstellers ermöglichen, vor allem auch in sein Talent, sich selbst optimal zu vermarkten. Dazu kommen Fotografien, zum guten Teil Ansichtskarten an und von ihm aus aller Welt.

Zu sehen sind Filmausschnitte und –plakate, Storyboards zum Movie „Schachnovelle“ und sogar eine Graphic Novel über die letzten Tage von Stefan Zeig, gezeichnet und getextet von Guillaume Sorel und Laurent Seksik. Die Führung ist nicht weniger als eine Umrundung des Globus. Der Weltenbummler Stefan Zweig konnte sich mit Entdeckern wie Ferdinand Magellan bestens identifizieren. In einer „literarischen Biografie“ wird der portugiesische Seefahrer zum Alter Ego des Autors. Auf einem Atlantikdampfer Richtung Brasilien 1936 entdeckte Zweig in der Schiffsbibliothek den einen Bedeutenden, der seiner Ansicht nach in der Geschichte der Erderkundung das Großartigste geleistet hat. Das Thema ließ ihn nicht mehr los, so wird berichtet, bis Zweig das Buch fertig geschrieben hatte. Die Parallelen sind erschütternd.

Sie verbinden den ruhmlosen Tod Magellans, der auf einer Insel von Einwohnern erschlagen wurde, mit dem Ableben des weltweit gelesenen Autors. Im dazu erschienenen Katalog hat Christian Jostmann jedoch in einem ausführlichen Artikel diese „wahre Erzählung“ aufgearbeitet und der von Magellan angewendeten Gewalt den Kampf um die Bastion humanistischer Werte in einer Festung Europa als Denkanstoß gegenübergestellt.

„Sternstunde der Menschheit“, Notizen © Literaturarchiv Salzburg
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