Kultur und Wein

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MAK-Ausstellungsansicht, 2018 KOLOMAN MOSER © Aslan Kudrnofsky/MAK

KOLOMAN MOSER Vom „Tausendkünstler“ zum expressiven Maler

Koloman Moser, Paravent, 1906 (Detail)© MAK/Georg Mayer

Der Universal-Secessionist zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann

„Und dann erfasst ihn der Ekel“, schreibt die bekannte Salonière und Journalistin Berta Zuckerkandl zur bemerkenswerten Wandlung von Koloman Moser zum Landschaftsmaler. Es heißt, dass ihn die Kommerzialisierung der Gesamtkunst, die bis 1907 sein Schaffen prägte, angewidert hätte. Einer, der von Otto Wagner oder der englischen Arts & Crafts-Bewegung zu einer umfassenden künstlerischen Gestaltung aller Lebensräume inspiriert worden war, zog sich mit Farben und Pinsel in das Atelier, mehr noch aber in einsame Natur zurück, um sich der Entwicklung einer expressiven Malerei zu widmen. So heißt es im prächtigen Katalog, der zur Ausstellung „KOLOMAN MOSER Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann“ (bis 22. April 2019) im MAK erschienen ist: Die Aufteilung in verschiedene Formen diente ihm zur rhythmischen Belebung der Fläche und zur Förderung der Farb- und Lichtwirkung. Gleichzeitig verdichtete er die Gesamtheit des Natureindrucks und erzeugte visuell einen meditativen Stimmungsraum...

Koloman Moser, Deckelpokal, 1905 © MAK/Katrin Wißkirchen

Blumenstillleben waren nunmehr seine Spielwiese, auf der er fasziniert vom Farben- und Formenreichtum, seine kraftvoll leuchtenden Landschaftsimpressionen schuf. Dass Kolo Moser dabei wieder auf die von ihm Jahrzehnte lang zuvor verwendeten Muster stieß, war ihm willkommener Anlass, das Spannungsverhältnis von organischen und geometrischen Formen sichtbar zu machen. Ob es sich um eine Abendstimmung im Semmering-Rax Gebiet handelt oder um ein Porträt, in jedem der Gemälde wird sichtbar, dass sein Pinselduktus sich auf das Wesentliche konzentriert und damit ein Richtung Abstrakte gehendes Ergebnis schafft, das seinem Anliegen „so wie ein Kind zu sehen“ nahe kommt.

Koloman Moser, Blick auf die Rax 1913 © Sylvia Kovacek GmbH, Wien

Diese in der Spätphase des Künstlers entstandenen Arbeiten beschließen die Ausstellung, die einen weiten Bogen vom Historismus bis zur Moderne über das Kunstschaffen von der Mitte des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts bietet. Koloman Moser ist am 18. Oktober 1918 verstorben, im selben Jahr wie Otto Wagner, Gustav Klimt oder Egon Schiele. Mit Wagner und Klimt verband ihn die Aufgabe, der Kunst im Wien des Fin de Siècle einen neuen Frühling zu verschaffen.

Die Modernisierung, die der große Otto Wagner in der Architektur eingeleitet hatte, wurde von Kolo Moser übernommen und in einer ganzen Reihe von Disziplinen umgesetzt und vorangetrieben. Egal ob es sich um Malerei, Grafik, Kunstgewerbe und Innenraumausgestaltung, um Mode oder Bühnenbild handelte, immer war es der Wille zu einem Gesamtkunstwerk, der die Wiener Avantgarde-Szene in diesen Tagen beherrschte und über den Jugendstil in der Gründung der Secession mündete. Eines der am stärksten beeindruckenden Beispiele ist die Kirche am Steinhof, geplant von Otto Wagner und ausgestattet mit Fenstern von Koloman Moser. Jedes Detail ist in diesem Bau sowohl dem Zweck als auch höchsten ästhetischen Ansprüchen unterworfen. Dasselbe gilt für das Sanatorium Purkersdorf, Treffpunkt der Wiener Gesellschaft, das u. a. vom Architekten Josef Hoffmann erbaut und mit von Moser für die Wiener Werkstätte entworfenen Sesseln eingerichtet wurde.

Die Gestaltung der Schau durch Christian Witt-Dörring und Elisabeth Schmuttermeier führt den Besucher systematisch durch die Zeitläufte, denen Koloman Moser unterworfen war. Am inneren Rand der luftigen großen MAK-Ausstellungshalle im ersten Stock verfolgt man den Lebenslauf dieses von den Zeitgenossen halb neidisch halb spöttelnd als „Tausendkünstler“ betitelten Universalgenies. Von dort ausgehend zeigen Entwürfe, Fotos und eine bemerkenswerte Anzahl von Objekten dessen umfangreiches Schaffen. Die Möbel, Tapetenmuster, Schmuckstücke und Porzellanservices stammen zum guten Teil aus den Beständen des MAK. Eingeteilt ist sie in fünf Kapitel. Es beginnt mit „Wien als Bühne der Künste“ und umreißt die gesellschaftliche Entwicklung der Stadt von 1860 bis 1890. Es folgen Koloman Mosers frühe Jahre als Freischaffender, um über „Die Einheit von Form und Funktion“ auf die „Einheit der Künste“ überzuleiten. Um 1900 kristallisiert sich Mosers Markenzeichen heraus, das mit dem idealen Quadratdekor den Wiener Stil noch prägen wird, wenn dessen Erfinder selbst längst „Abschied von der Einheit der Künste“ genommen hat.

Koloman Moser, Frommes Kalender, 1899 © MAK
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