Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellugnsansicht © Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Archiv, Bibliothek, Sammlungen

MOZART: REISENDER IN EUROPA Wunderkind und Lernender

Siehe Untertitel

Ein Geschenk des Himmels für die ganze Welt


W.A. Mozart, Symphonie D-Dur KV 84, komponiert im Karneval 1770 in Mailand, Kopisten-Manuskript, geschrieben im Juli 1770 für den Verkauf in Bologna © Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Archiv, Bibliothek, Sammlungen

Leopold Mozart hat in seiner umfangreichen Korrespondenz ausführlich bis ins kleinste Detail die Reisen seiner Wunderkinder Wolfgang Amadé und Nannerl dokumentiert. Dank seiner Schreibfreude wissen wir heute genau Bescheid, wo sich was ereignet hat, angefangen von den Histörchen, die heute jedem Schulkind geläufig sind, bis zu den Begegnungen des Kindes Mozart mit den großen Musikschaffenden ihrer Zeit. Der Stolze Vater war sich der Verpflichtung bewusst. Die Genialität seines Sohnes, aber auch die seiner Tochter, war für ihn ein Geschenk des Himmels für die ganze Welt, das man dieser auch zuteil werden lassen sollte. Es wurde keine Rücksicht auf die Strapazen genommen, die damals mit einer Reise durch Europa verbunden waren: tagelange Fahrten mit in einer rumpelnden Kutsche, die nur notdürftig vor Wind und Wetter schützte.

Siehe Untertiel

Der siebenjährige W.A. Mozart auf seiner Europa-Reise, Radierung von T. Cook, London 1769 © Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Archiv, Bibliothek, Sammlungen

Dazu kamen Übernachtungen in unbequemen Betten von Poststationen und die ständigen Gefahren, die an und auf der holprigen Straße lauerten. Wenn aber das jeweilige Ziel erreicht war, dann wartete ein triumphaler Auftritt an einem der Fürstenhöfe und, sofern Zeit war, Besuche von Konzerten des besten Orchesters am Platz. Der kleine Mozart sperrte die Ohren auf und sog das Neue in sich ein, verknüpfte es dort mit den eigenen Ideen und setzte es in seinen Kompositionen in der von uns seither bewunderten Weise um. Seine Fahrten waren also mehr als die Gastspiele eines Wunderkindes, es waren auch Lehrreisen, die sein Schaffen in ungeahntem Maße bereicherten.

 

Für das Mozarthaus Vienna haben Prof. Dr. Dr.h.c. Otto Biba und Prof. Dr. Ingrid Fuchs mit Materialien aus dem Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien eine Sonderausstellung zu diesem Thema gestaltet. „Mozart: Reisender in Europa“ (bis 26. Jänner 2020) führt mit Bildern und Notenbeispielen zu den zahlreichen Stätten, die Wolfgang Amadé Mozart im Lauf seines kurzen Lebens besucht hat: Rom, London, Mannheim usw. So erfährt man, dass der dritte Aufenthalt in Paris einen durchaus einträglichen Kompositionsauftrag eingebracht hat.

Kurator Otto Biba verweist dabei auf Werke, die eigens für die Concerts spirituels im Théâtre des Tuileries geschaffen wurden und sich in ihrer Art deutlich von den anderen Kompositionen Mozarts unterscheiden, eben wie die „Pariser Symphonie“ KV 297, deren Erstausgabe von 1788 in der Ausstellung zu sehen ist.

 

Eine entscheidende Zäsur gab es für den Fünfundzwanzigjährigen, als Wien nicht mehr Reiseziel, sondern Wohnort war. Freilich musste er sich auch von hier weg beispielsweise nach Prag begeben, weil dort die Uraufführung seiner Oper „La Clemenza di Tito“ anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten von Kaiser Leopold zum böhmischen König zu betreuen war. Aber man kam zu ihm, um nunmehr von ihm zu lernen, mit ihm zu musizieren oder einfach am Spieltisch, wie er im Mozarthaus Vienna gezeigt wird, dem musikalischen Genie, das im Glücksspiel aber wenig erfolgreich war, das auf seinen Reisen verdiente Geld abzugewinnen.

Credit im Untertitel

W.A. Mozart 1789 im Berliner Opernhaus, unbezeichnete Aquatinta, 1833 © Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Archiv, Bibliothek, Sammlungen

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